Dass die Gastronomie heute Trüffelgerichte billiger anbiete als früher, liege am geringen Wareneinsatz und der Hinzugabe von synthetischen Ölen, sagt Trüffelanbauer Stobbe. Leider gingen viele Köche in Deutschland noch so vor, dass sie Trüffelöl mit künstlichen Aromen benutzten sozusagen für den Bums im Geschmack und dann nur ein paar Späne fürs Auge darüberstreuten.
"Das wird aber langsam besser, dass der echte Trüffelgeschmack hierzulande geschätzt wird. Ein gut gemachtes Gericht mit heimischen Burgundertrüffeln ist durchaus erschwinglich, wenn man von Michelin-Stern-Preisaufschlägen absieht."
Trüffel als weitgehend unbelastetes Luxusprodukt?
Unter den Luxuslebensmitteln wie Hummer, Austern, Kaviar oder Gänseleber gilt der Trüffel als das politisch korrekteste. "Viele klassische Gourmetsachen sind heutzutage ein bisschen verpönt", sagt Peter Peter. "Doch bei Trüffeln gibt es wenig diese Luxusbedenken, die bei anderen Lebensmitteln da sind, wohl auch, weil Trüffeln vegan sind und oft ja auch vegetarisch zubereitet werden."
Manche Veganer betrachten jedoch jede Nutzung von Tieren für den menschlichen Nutzen als ausbeuterisch. Beim Thema Trüffel bemitleiden sie die trainierten Hunde, die beim Aufspüren der unterirdischen Pilze zum Einsatz kommen. Die Tiere riechen eine bestimmte Schwefelverbindung. Früher suchten oft Schweine, die metaphorisch gewordenen Trüffelschweine, die Edelpilze. Die coolen Säue neigten aber dazu, die Trüffel selbst zu fressen.
Trüffel werden heute vor allem als italienisch wahrgenommen
Peter Peter sagt, Trüffel seien früher meist als etwas typisch Französisches angesehen worden. "Heute nehmen wir Trüffel vor allem als italienisches Produkt wahr."
In der Tat: Viele denken bei Trüffel gleich an eine cremige Sauce über der Bandnudelsorte Tagliolini oder an Pizza Tartufo. Ältere in Deutschland könnten dagegen bei dem Wort oft noch zuerst kugelige Pralinen vor Augen haben, die den Namen wegen ihrer Ähnlichkeit in der Form mit den wertvollen Pilzen erhielten.
"Vor einigen Jahrzehnten gab es keinen deutschen Reiseführer zum Piemont, da war kein Meer und keine Renaissance. Warum sollte man da hinfahren?" Mittlerweile sei das wegen der Trüffel und wegen des Barolo-Weins ein total beliebtes kulinarisches Reiseziel geworden, meint Peter. Auch Kroatien, wo viel mit Trüffeln gemacht werde, sei ein populäres Urlaubsland geworden.
Aphrodisierendes Lebensmittel?
"Die Nachfrage nach Trüffel ist stark gestiegen. Jedes Land, das irgendwelche Trüffelsorten hat, auch China, versucht, die auf den Markt zu bringen." Weißer Trüffel spiele global eher eine kleine Rolle. Doch habe man in den letzten Jahren erfahren, wo überall schwarze Trüffel vorkommen oder gezüchtet werden.
Der Boom wundere ihn trotzdem, gibt Peter zu. "Trüffel sind nun mal kein Mainstream, schmecken etwas ausgefallen. Es gibt auch gar nicht mal so wenige Menschen, die sagen, dass Trüffel faulig schmecken. Andere erinnert das Aroma an Sperma, was man früher vornehm als "aphrodisierend" umschrieben hat." Er könne verstehen, dass das manche Leute nicht mögen. Trüffel polarisiere nun mal - aber das tue ja auch Spargel oder Rosenkohl.