Angst vor Bränden Biber gräbt den Hafenpreppachern das Wasser ab

Bettina Knauth
Drei Seen gehörten früher zum Ortsbild von Hafenpreppach. Einzig der vordere Mühlteich ist als solcher verblieben. Noch, denn ein Biber sorgt dafür, dass das Wasser konstant ab- oder am See vorbei fließt. BBV-Ortsobmann Helmut Berwind sorgt sich, da das Wasser im Falle eines Brandes zum Löschen benötigt werde. Er zeigt hier in die Richtung, in der er den Biberbau ausgemacht hat. Foto: Bettina Knauth

Der Mühlsee in Hafenpreppach verliert wegen des Nagers an Wasser. Anwohner sorgen sich, dass im Falle eines Brandes das notwendige Löschwasser nicht ausreicht.

Malerisch liegt der Mühlsee am Ortseingang von Hafenpreppach, von Unterelldorf her kommend. Ein Graureiher fliegt über die ruhige Wasseroberfläche. Doch die Idylle trügt: „Der Biber macht hier alles kaputt“, meint Helmut Berwind. Der Hafenpreppacher sorgt sich nicht nur um den niedrigen Wasserstand dieses Gewässers. Die beiden anderen Dorfseen dahinter seien bereits so gut wie ausgetrocknet, beklagt er. Alle drei würden aber im Katastrophenfall als Löschteiche gebraucht. „Es muss erst der Wald runterbrennen, bis sich hier etwas tut“, meint Berwind.

Nicht nur bei der Gemeinde, dem Markt Maroldsweisach, wurde der Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) bereits vorstellig. Seine Tochter, 2. Bürgermeisterin Heidi Müller-Gärtner habe sich mit dem Bauhofleiter Gerd-Peter Schmidt vor Ort informiert. Klaus Pieroth, Geschäftsführer des zuständigen BBV-Kreisverbandes Hofheim, hat Berwind ebenfalls alarmiert. Auch bei einer Begehung mit dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) Bad Kissingen zur Festlegung der Gewässerrandstreifenkulisse Anfang August wies er auf die Problematik hin. „Der Projektmitarbeiter Julian Herold ist aber gar nicht darauf eingegangen“, beklagt der 73-Jährige. Und Resultate der Wasserproben, die bereits vor Jahren genommen wurden, würden nicht veröffentlicht. Berwind befürchtet eine mögliche Schadstoffbelastung des Sees. Ob das Wasser gesundheitsbedenklich ist, müsse aber unbedingt abgeklärt werden. Schließlich plane die Gemeinde einen Wasserspielplatz.

Wie Mathes Limprecht, Abteilungsleiter für den Landkreis Haßberge beim WWA, auf Nachfrage mitteilt, wurden zuletzt keine Proben genommen, da für solch aufwendige Untersuchungen kein aktueller Anlass vorliegt. Anders als im Jahr 2012, als nach Meldung eines Fischsterbens vor Ort Parameter gemessen und Proben untersucht wurden. „Aufgrund der Versuchsflächen der Firma Bayer oberhalb der Seen wurde nachgefragt, was dort für Mittel ausgebracht wurden“, berichtet Limprecht. Rückstände üblicher Pflanzenschutzmittel konnten ihm zufolge nicht nachgewiesen werden. „Da sich die Gewässerbiologie unauffällig präsentierte, wurden Verunreinigungen ausgeschlossen und vielmehr eine Algenblüte als Ursache angenommen“, so der Ansprechpartner für Hydrologie weiter. Mit Absterben der Algen und den folgenden Zersetzungsprozessen habe den Fischen wohl der Sauerstoff gefehlt. Die Ergebnisse seien den zuständigen Stellen auch mitgeteilt worden. Und was den geplanten Wasserspielplatz angeht, so sind ihm die Pläne zwar bekannt, seines Wissens liegt jedoch noch kein entsprechender Antrag vor. Wie Bürgermeister Wolfram Thein (SPD) mitteilt, entstand die Idee durch die Hochwasserfreilegung, da der Mühlbach, der den Dorfsee entwässert, am Spielplatz am Sportheim vorbeiläuft. Jedoch wurden die Pläne für diesen zweiten Spielplatz-Abschnitt erst einmal zurückgestellt.

Der Zustand der Seen beschäftigt nun auch das Gemeindeoberhaupt, dank der Hartnäckigkeit seines Parteigenossen: „Es wäre wünschenswert, wenn sie als Löschwasserreservoir erhalten blieben“, sagt Thein. Für Berwinds Vorwurf, bislang sei nichts passiert, zeigt er zwar Verständnis, gibt aber zu bedenken: „Da es sich aber um Privateigentum handelt, haben wir von Seiten der Gemeinde keine Handhabe.“

Als die hinteren Seen in den sechziger Jahren angelegt wurden, befand sich das gesamte Areal inklusive des Schlosses im Besitz einer Stiftung unter der Treuhänderschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), das in dem Landsitz bis 1978 ein Kinderheim betrieb. „Beim Bau wurden die Seen hochbezuschusst, weil im Brandfall das Wasser aller drei Seen zum Löschen genutzt werden sollte“, erinnert sich der langjährige Gemeinderat Berwind, „selbst wenn die Fische verwenden würden, hieß es damals.“

Als das BRK 1989 alle Gebäude wie das dazugehörige Gelände an private Interessenten veräußerte, war Berwinds Vater Gustav dritter Bürgermeister. Aktueller Eigentümer der drei Seen, des früheren Gutshofs und der dazugehörigen landwirtschaftlichen Nutzfläche (laut Berwind rund 120 Hektar) ist Nikolaus Fischer, der das Areal für seinen Gartenbaubetrieb in Effeltrich nutzte. Dieser kümmere sich nicht mehr um das Gelände, lautet der Vorwurf des 73-jährigen früheren Landwirts. Die Verwaltung will nun den Effeltricher anschreiben. Als Eigentümer zeichne er sich für den See und eventuelle Schäden verantwortlich. Als solcher, darauf weist Thein hin, könne Fischer durchaus eine Entschädigung für durch den Nager verursachte Schäden aus dem „Biberfonds“ beantragen. Um die Schäden zu begrenzen, seien auch Maßnahmen wie die Entnahme von Dämmen erlaubt. Thein: „Das haben wir bei einem Ortstermin mit dem Biberbeauftragten Wolfgang Lappe geklärt.“ Der Flurweg hinter dem See etwa sei bereits durch Dammbauten aufgeweicht gewesen. Herr Fischer war am Freitag für Rückfragen telefonisch nicht zu erreichen.

Als Erster direkt unter den Schäden zu leiden hatte Hans Dürer, der Pächter des Vorderen Sees. Er setzte dort in der Vergangenheit Karpfen und Schleien ein. Nun ist das Ganze für ihn unrentabel geworden. Pflegemaßnahmen an den Teichen, etwa Mäharbeiten, die er früher vornahm, hat der Anwohner längst aufgegeben. Jetzt ist alles mit Schilf zugewachsen, selbst die Gräben sind zugewuchert.

Mehr als um die wenigen verbliebenen Tiere sorgt sich Dürer um das Gewässer: „Alle reden über Wasserknappheit und Dürre und plädieren für Wasserrückhaltung, da kann ich doch so einen Teich nicht kaputt gehen lassen!“ Seine Kritik: „Obwohl das Ganze jetzt schon drei Jahre so geht, hat die Gemeinde nichts unternommen.“ Auch Berwind fordert: „Das Gelände gehört sauber gemacht, die Ränder müssen befestigt werden!“

Anrainerin Karin Westphal beklagt ebenfalls den Abfluss des Wassers. Sie zeigt die Stelle, an der deutlich der Biber ein Loch in den Erdwall gegraben hat, der den See umgibt. An Bäumen und Gehölzen auf der gegenüberliegenden Seite des Wegs finden sich deutlich frische Fraßspuren des Nagers. „Hier fließt das Wasser aus dem See“, berichtet sie, „allerdings ist der Wasserspiegel jetzt dazu schon zu niedrig“. Statt in den See hinein verlaufe das spärliche Wasser aus den Gräben dank der Aktivitäten des Bibers nun außen herum. „Der mittlere See hat ebenfalls ein Loch und der hintere liegt schon lange trocken“, schildert Westphal. Da das zweitgrößte lebende Nagetier besonders geschützt und nicht dem Jagdrecht unterliegt, machen sich die Hafenpreppacher keine Illusionen, den Störenfried leicht loswerden zu können. Den weiteren Abfluss des Wassers aber gelte es unbedingt zu verhindern, verlangt Berwind. Da sein Heimatort zur Schweinfurter Trockenplatte mit wenig Niederschlägen pro Jahr gehöre, sei jeder Tropfen Wasser, der über die Entwässerungsgräben vom höher gelegenen Wald an den Seen ankomme, kostbar. In diesem Jahr liege der Wasserpegel jedoch deutlich niedriger als in den Vorjahren, um rund einen halben Meter. „Die drei Seen gehören unbedingt in öffentliche Hand und müssen wieder volllaufen“, fügt der Hafenpreppacher hinzu. Denn eine Wasserleitung, davon ist Berwind überzeugt, würde im Katastrophenfall zum Löschen nie ausreichen. Das bestätigt Uwe Harnauer, erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hafenpreppach: „Eine Wasserleitung oder auch die Zisterne, die uns Richtung Wasmuthhausen zur Verfügung steht, bietet viel weniger Kapazität als ein Teich.“ Angesichts der „Vegetationsbrandgeschichte in der Region“, mit zuletzt viel mehr brennenden Feldern oder Landmaschinen als in den Jahren zuvor, wird dem Verantwortlichen angst und bange: „Die massive Trockenheit ist erschreckend, wir können nur hoffen, dass nichts Schlimmeres passiert.“ Angesichts der drohenden Gefahr freut sich Harnauer über Präventivmaßnahmen, wie Landwirte, die vorsichtshalber mit Wasser gefüllte Fässer bereithalten.

Inzwischen hat Berwinds Engagement Bewegung in die Angelegenheit gebracht. BBV-Geschäftsführer Pieroth zufolge soll in der nächsten oder übernächsten Woche ein Ortstermin mit allen betroffenen Stellen (Gemeinde, BBV, Kreisbrandrat etc.) stattfinden. „Eine Lösung muss es geben“, meint Pieroth, „erst recht, wenn es sich tatsächlich um einen Feuerlöschteich und nicht nur um eine potenzielle Ergänzung handelt.“ Das sei aber noch zu klären. „Andernorts werden solche Biberschäden ja auch geregelt“, fügt er hinzu. Bei nachhaltigen Problemen gebe es sogar die Möglichkeit, den Biber zu entnehmen.

 

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