Arbeitstreffen in Coburg Autozulieferer: Wandel ist möglich

Zur dritten Zukunftswerkstatt traf sich in Coburg die Branche der Automobilzulieferer in der Metropolregion Nürnberg. Jetzt soll ein Leitbild helfen, Wachstum und Beschäftigung zu sichern.

Gemeinsam mit weiteren Gästen diskutiert Coburgs IHK-Präsident Andreas Engel (links) über die Zukunft der Automobil-Zulieferer in der Region. Foto: NP/Frank Wunderatsch

Am 2. April 2025 – dem Tag, an dem US-Präsident Donald Trump unter anderem neue Zölle auf Autos und Fahrzeugteile verkündete – traf sich die Branche gemeinsam mit Wissenschaft und Politik zur dritten Zukunftswerkstatt Automotive Metropolregion Nürnberg im Coburger Kongresshaus Rosengarten. Unter dem Motto „Das Auto schafft Zukunft – Vernetzung und Innovation für globalen Erfolg“ versammelte die Branchenkonferenz Unternehmer, politische Akteure und Wissenschaftsvertreter. Rund 350 Teilnehmer folgten demnach der Einladung ins Kongresshaus Rosengarten.

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Seit knapp drei Jahren unterstützt das Projekt „Transform_EMN“ der Europäischen Metropolregion Nürnberg – gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz – die regionalen Autozulieferer in der Transformation. Wirtschaftsförderer, Kammern und wissenschaftliche Partner arbeiten hier eng mit Beschäftigtenvertretungen zusammen, sprechen besonders kleine und mittlere Unternehmen aktiv mit unterschiedlichsten Formaten an und bieten Informations- und Weiterbildungsangebote für Mitarbeitende aus der Branche an. Gut 250 Unternehmen aus der Region sind aktuell ins Netzwerk eingebunden.

Gruppenfoto mit Zielbild Foto: NP/Frank Wunderatsch

Die Zukunftswerkstatt Automotive fand im Rahmen des Projekts zum dritten Mal statt. Angesichts der neuen Zoll-Ankündigungen aus den USA sei die Unterstützung der hiesigen Autozulieferer drängender denn je, sagt Klaus L. Wübbenhorst, Wirtschaftsvorsitzender der Metropolregion Nürnberg gemäßt der Pressemitteilung. Autoteile sollen voraussichtlich ab 3. Mai pauschal mit beispiellosen Abgaben in Höhe von 25 Prozent belegt werden. „Das trifft insbesondere unsere kleinen und mittleren Autozulieferer und deren Beschäftigten in der Region hart, deren Kerngeschäft Motoren, Getriebe, Reifen, Stoßdämpfer, Zündkerzen, Bremsschläuche und viele weitere Komponenten sind“.

Entsprechend standen Zusammenhalt und künftige Wettbewerbsfähigkeit der Branche im Fokus der Zukunftswerkstatt Automotive. In einer gemeinsamen Keynote gaben die Kaufmännischen Werkleiter Tobias Hauk (Bamberg) und Alexander Weichsel (Nürnberg) Einblicke in den Transformationsprozess bei Bosch. „Bei der Fertigung von Komponenten für Verbrennungsmotoren haben wir bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass Wandel erfolgreich funktioniert.“ Basierend auf Innovationskraft und Industrialisierungskompetenz sind sie zuversichtlich, die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte zu sichern.

Besonders der Metall-3D-Druck zeige, wie Innovation und neue Technologien industrielle Zukunft sichern könnten. „ Doch für eine erfolgreiche Umsetzung müssen wir die Herzen unserer Mitarbeiter gewinnen, politische Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen erleichtern und den Wandel aktiv unterstützen.“

Klaus L. Wübbenhorst, Wirtschaftsvorsitzender der Metropolregion Nürnberg, im Gespräch Foto: NP/Frank Wunderatsch

Die Erkenntnisse aus dem Automotive-Zielbild fließen auch in das neue „Leitbild für Wachstum und Beschäftigung“ ein. Dieser „wirtschaftliche Kompass“ definiert die Stärken der Metropolregion Nürnberg in den wirtschaftlichen und technologischen Zukunftsfeldern und gibt die Richtung für langfristige Entwicklungsperspektiven vor.

Um die Vorhaben aus dem Zielbild des Projekts umzusetzen, setzt sich die Metropolregion Nürnberg dafür ein, das Projekt gemeinsam mit kommunalen Wirtschaftsförderungen, Kammern, Gewerkschaften sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen als „Zukunftsagentur“ weiterzuführen. In der angestrebten zweiten Projektphase sollen die Kooperationen, auch auf bayerischer Ebene, weiter ausgebaut werden.

Mit ihren 50 Forschungsinstituten und 21 Hochschulen hat die Region großes Potenzial für die Bewältigung der Transformation. Felix Weispfenning, Vizepräsident für Transfer, Nachhaltigkeit, Öffentlichkeitsarbeit und Entrepreneurship der Hochschule Coburg, erläutert: „Unsere Studienprogramme orientieren sich an regionalen Bedarfen, Impulse aus der Praxis sind fester Bestandteil der Lehre. Wir setzen zahlreiche Automotive-relevante Forschungsschwerpunkte, etwa in den Bereichen Nachhaltige Mobilitäts- und Energiekonzepte, Sensorik und Analytik sowie in der Informationstechnologie.“

Nicole Ehrsam, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Coburg, macht deutlich: „Die Region Coburg zeichnet sich durch viele hochqualifizierte Beschäftigte in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, bei Autozulieferern und Maschinenbauern aus.“ Angesichts der Hiobsbotschaften aus der Branche herrscht bei ihnen große Verunsicherung.

„Wichtig ist, dass Unternehmen auch in Krisenzeiten zukunftsfähig handeln und Personal an Bord halten können. Gerade kleinere Unternehmen scheitern bei Förderungen und Qualifizierungsmaßnahmen an bürokratischen Hürden. Hier leisten Netzwerke wie Transform_EMN wertvolle Unterstützung.“

Verantwortet wird das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Projekt Transform_EMN von der Europäischen Metropolregion Nürnberg und der Wirtschaftsförderung Nürnberg in Zusammenarbeit mit der IHK Nürnberg für Mittelfranken, dem Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB und der gewerkschaftsnahen IMU-Institut GmbH.