Aus dem LBV-Vogelkrankenhaus Fischadler fliegt in die Freiheit

red

Ein "Highlight unserer Arbeit" nennt es Ulrich Leicht, Stationsleiter der Greifvogelauffangstation: Er hat vergangene Woche einen Fischadler am Goldberg in die Freiheit entlassen. Ein Video des LBV zeigt den ersten Flug des Tieres nach seinem Aufenthalt im Vogelkrankenhaus.

Coburg - Der Fischadler hatte sich Mitte April im Häslichgrund bei den Fischbacher Teichen an der Engelsquelle in einem Netz verfangen und an beiden Flügeln schwer verletzt. Entdeckt hat ihn Bernd Nageisky aus Rödental bei einem Spaziergang.

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Teichbesitzer Andreas Gutmann befreite den Fischadler daraufhin aus seiner prekären Lage, teilt der LBV am Donnerstag mit. Anschließend brachten ihn der Finder und der Stationsleiter der Greifvogelauffangstation, Ulrich Leicht, zusammen in die Tierärztliche Klinik nach Lautertal zu Dr. Bernd Wicklein.

Nach der ersten Versorgung kam der große Vogel in die Greifvogelauffangstation in Neu-Neershof, wo er von Ulrich Leicht und seinen Helfern Sabine und Thomas Feulner aufgepäppelt wurde. Die Greifvogelstation des gemeinnützigen Naturschutzvereins LBV versteht sich den Angaben nach als Vogelkrankenhaus und hat zum Ziel, verletzte und flugunfähige Greifvögel aus freier Wildbahn gesund zu pflegen und dann wieder frei zu lassen. 

Der Fischadler ist laut LVB eine eher kleinere Adlerart, jedoch etwas größer als der Mäusebussard und auffällig weiß gefärbt. Wie der Name schon andeutet, ist er ein spezialisierter Fischjäger. Im Raum Coburg ist er regelmäßig Gast am Goldbergsee, wo man ihn gut beobachten kann, wenn er sich imposante Brocken aus dem Gewässer herausangelt, teilt der LVB weiter mit. Allerdings ist der Fischalder noch kein Brutvogel in Bayern: Bayernweit brüten gerade mal eine Handvoll von ihnen - und das nur im Osten des Freistaats. Daher gilt er nach der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht". Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Fischadler in Bayern ausgerottet. Die damaligen Gründe: Menschliche Verfolgung und über seine Nahrungskette angereicherte Umweltgifte. Inzwischen sei jedoch ein Aufwärtstrend erkennbar, heißt es vom LVB.

Für Ulrich Leicht ist der Fischadler ein seltener Patient. „Es ist erst der dritte Fischadler in fünfzig Jahren, der bei uns im Vogelkrankenhaus gelandet ist und den ich gesund pflegen und freilassen konnte“, sagt er. Bei der Pflege des Fischadlers unterstützten die Fischzucht Vondran in Seidmannsdorf und die Fischzucht Krappmann in Seehof mit frischen Forellen und Karpfen, um den Fischadler artgerecht füttern zu können.

Am Samstag vor zwei Wochen beringte Ulrich Leicht den Fischadler und quartierte ihn in die 20 Meter lange Reha-Voliere um. Nach den ersten erfolgreichen Flugversuchen folgte das, was die Naturschützer am liebsten tun, wie der LBV erklärt: Der genesene Fischadler wurde am vergangenen Donnerstag abends gegen 18 Uhr am Goldberg - im Beisein der Mitarbeiter der Greifvogelstation, Gerhard und Marianne Vogt - in die Freiheit entlassen.

Der Vogel startete, flog bis in den Horizont und verschwand im Himmel über Thüringen, beschreibt der LVB. „Das sind die Highlights unserer Arbeit“, sagte Ulrich Leicht.

Im Jahresdurchschnitt werden in die Greifvogelauffangstation zwischen 50 und 100 Tiere eingeliefert, die zum Beispiel im Straßenverkehr, an Stromleitungen oder an Fensterscheiben verletzt wurden. Manche sind so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden müssen. Über 60 Prozent können aber wieder frei gelassen werden. Alle Vögel werden registriert und beringt. Der häufigste Patient ist der Turmfalke, gefolgt vom Mäusebussard und Waldkauz. Mehrmals wurden auch schon vom Zoll beschlagnahmte Vögel vorübergehend in der Auffangstation untergebracht. Das Einzugsgebiet der Auffangstation umfasst Teile Ober- und Unterfrankens, aber auch die Landkreise Sonneberg und Hildburghausen, mit deren Naturschutzbehörden an den Landratsämtern eng kooperiert wird.