Aus für Neustadter Familienbetrieb Traditionsmetzgerei schließt nach 106 Jahren

Der Laden an der Ecke von Eckardtstraße und Hindenburgplatz, vor dem normalerweise viele Kundenautos parken, ist verwaist. Die Metzgerei Schunk hat am 30. April ihre Geschäftstätigkeiten eingestellt. Foto: Peter Tischer

Seit dieser Woche hat die Traditionsmetzgerei Schunk geschlossen. Wie so oft mangelte es an der Nachfolge.

Neustadt - Um die Entwicklung der Fleischereien zu verdeutlichen, lohnt zunächst ein Blick in die Geschichte: Früher gab es in Neustadt an 32 Betriebsstätten Fleischereifachgeschäfte, in Coburg in der Glanzzeit gar stolze 56. Die Anzahl an Geschäften schmolz sukzessive zusammen und mittlerweile sind in Neustadt noch zwei übrig geblieben. Die Gründe sind eigentlich oft die gleichen, wenn ein Familienhandwerksbetrieb seine Tore schließt. Kein Nachfolger, hohe bürokratische Auflagen (Stichwort: EU-Zulassungen), das eigene Alter und fehlende Fachkräfte lassen oftmals keine andere Wahl zu.

So wie im Fall der Traditionsmetzgerei Schunk. Nach 106 Jahren hat der jetzige Inhaber Ulrich Schunk zum 1. Mai seinen Familienbetrieb geschlossen. 1915 im Weidachviertel gegründet führte er den Betrieb in der vierten Generation. „Aus personellen Gründen müssen wir unsere Fleischerei leider vorzeitig schließen“, gab Schunk auf kleinen Flyern bekannt. Geschlossen hätte er heuer zwar sowieso, was in Neustadt ja Stadtgespräch war, halt im Juli. Eben aus besagten Gründen. In der letzten Öffnungswoche rannten ihm treue und weniger treue Kunden noch einmal den Laden in der Eckardtstraße/am Hindenburgplatz ein. Doch der Beschluss ist unumstößlich, wie Schunk in einem Gespräch mit der Neuen Presse kundtat. Großes Aufheben will er nicht machen. Die Zäsur in seinem Leben merkt man ihm jedoch an.

„Unser letzter Öffnungstag war Freitag, 30. April“, liest man weiter „vielen Dank für die langjährige Treue, das entgegengebrachte Vertrauen, das Lob und die Anerkennung, die wir in all den Jahren von Ihnen erfahren durften“, verabschiedet sich auch Schunks Ehefrau Gabriele. Seine Mitarbeiter hat er untergebracht bei anderen Metzgereien, das war ihm wichtig. An dem Gerücht, dass ein hiesiger Fleischer in dem Schunk‘schen Laden eine Filiale eröffnen werde, ist nichts dran. Das versicherte die betreffende Metzgerei auf NP-Nachfrage. Ralf Luther, Obermeister der Fleischerinnung Coburg Stadt und Land, kann der Schließung nichts Positives abgewinnen: „Mit jedem Metzger, aber auch Bäcker oder Brauer, der aufgibt, verschwindet die Angebotsvielfalt, die unsere Region so auszeichnet.“

 

Bilder