Ausstellung in Ebern Was kam im Mittelalter auf den Tisch?

Christiane Tangermann

„Rund um die Burg“: Eine Ausstellung zum Mitmachen lädt derzeit in der Eberner Rathaushalle dazu ein, das eigene Wissen um die Vergangenheit ein wenig aufzufrischen – und womöglich auch vom ein oder anderen Klischee zu befreien.

„Rund um die Burg“ dreht es sich bei der interaktiven Ausstellung, die derzeit in der Eberner Rathaushalle zu sehen ist. Eröffnet wurde sie offiziell am vergangenen Donnerstag. Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) begrüßte die Anwesenden und betonte die Bedeutung für die Schulen und für den Tourismus im Landkreis Haßberge, dem Land der Burgen und Schlösser. Er betonte, dass diese interessante Ausstellung, die zunächst in Rentweinsdorf gezeigt werden sollte, dann aber ins Eberner Rathaus kam, ein Glücksfall für die Region sei. Im Anschluss daran sprach Alexander Blöchl, der Manager des seit 2009 bestehenden „Zweckverbandes Deutscher Burgenwinkel“. Die Ausstellung „Rund um die Burg“ geht auf die Initiative des Burgenwinkels zurück und wird auch von diesem verantwortlich betreut.

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Zwischen Minne und Dunkelheit

In seiner Rede ging Alexander Blöchl auf das Problem ein, dass viele Menschen ein falsches Bild vom Mittelalter hätten. Einerseits entstand dies durch Filme der 1950er- und 1960er-Jahre, die vor allem von treuen Rittern, Turnieren, fulminanten Festen, charmanten Burgfräulein und ritterlichen Minnesängern handelten. Auf der anderen Seite sei auch immer noch die Vorstellung vom „dunklen, dumpfen“ Mittelalter in den Köpfen.

Die neue Ausstellung soll es dem Besucher ermöglichen, einen differenzierteren Zugang zu dieser wichtigen Epoche zu bekommen. Wie sah mittelalterliches Leben auf den unterfränkischen Burgen tatsächlich aus? Burgen waren, führte Blöchl an, nicht nur Turnierplätze, sondern auch Wohnräume, Schutzanlagen, Prestigebauten, eine Manifestation der Macht und Verwaltungs- und Wirtschaftszentren. Mit dieser Ausstellung könne man dafür sorgen, dass unser Wissen über die Vergangenheit nicht von falschen Klischees geprägt bleibe. Die Frage, woher wir kommen, sei gerade für die jüngere Generation von besonderer Bedeutung. Differenzierte Kenntnisse der Vergangenheit seien eine wichtige Voraussetzung, um sich mit der Heimat zu identifizieren. Das sei besonders wichtig in ländlichen Räumen, die häufig unter der Abwanderung der jüngeren Generationen leide.

Lernen durch Mitmachen

Im Anschluss führte Alexander Blöchl durch die Ausstellung, die nach den Prinzipien der modernen Pädagogik, wie sie auch an den Schulen praktiziert wird, konzipiert ist und versucht Kinder und Jugendliche zum selbständigen Nachfragen, Handeln und Forschen anzuregen.

Die Ausstellung bietet Aktionsräume mit Mitmachstationen. Besucher sollen durch das ausgestellte Material dazu animiert werden, auch ohne Anleitung aktiv zu werden. Die im Mittelalter teuren Gewürze können gewogen werden und der sich anschließend daraus ergebende hohe Preis verblüffte die Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung. Ist das Interesse geweckt, findet der Besucher Informationen zu dem Thema „Was kam im Mittelalter auf den Tisch?“ In der Schreibwerkstatt kann der Besucher seinen Namen in der alten Schrift des Mittelalters schreiben, Ofenkacheln können in einem Puzzle an die richtige Stelle gesetzt werden oder man kann es sich bei einer Vorlesestation auf Kissen gemütlich machen und einfach nur zuhören.

Auch an die Jüngsten ist gedacht

An die jüngeren Kinder ist auch gedacht. Sie können auf einem Teppich aus verschiedenen Klötzen eine Burg errichten. Dass das Konzept aufgeht, konnte man schon in den vergangenen Tagen erleben. Viele Besucher beschäftigten sich mit den unterschiedlichen Themen der Ausstellung.

Themenmäßig geht es um das Alltägliche auf einer Burg, die Küche, das Wohnen, um Sagen, Wappen, Minnesang und vieles mehr. Dass die Ausstellung nicht nur Kinder und Jugendliche begeistern wird, konnte man auch an den Teilnehmern der Ausstellungseröffnung sehen, die mit sichtlichem Interesse die Mitmachstationen ausprobierten.

Öffnungszeiten der Ausstellung: bis 5. Februar sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr, ab 9. Januar bis 10. Februar auch montags bis donnerstags 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr.