Ausstellung zur E-Mobilität Zurück in die Zukunft der Vestestadt

Das Naturkunde-Museum in Coburg beheimatet bis zum 26. Juli eine Wanderausstellung zur E-Mobilität in Bayern. Eindrücke von der Eröffnung.

„Es geht darum, die Technologie an den Bürger heranzutragen“ – sagt Simone Lang, die für Bayern Innovativ die Wanderausstellung betreut. Foto: Frank Wunderatsch

Coburg - Dominik Sauerteig eilt, er möge diese Einschätzung verzeihen, nicht gerade der Ruf voraus, eine Stimmungskanone zu sein. Bei seinem kurzen Auftritt am Montagnachmittag, an einem Pult neben dem Diorama „Teichlandschaft (Fischweiher)“ im ersten Stock des städtischen Naturkunde-Museums lehnend, erntete Coburgs junger Oberbürgermeister dann aber doch den einen oder anderen (echten) Lacher von seinem coronakleinen Publikum. Womöglich war es ja das Thema, das ihn etwas auftauen ließ. Schließlich war er den Festungsberg heraufgekommen, um die Wanderausstellung „Elektromobilität Bayern“ der Bayern Innovativ GmbH offiziell zu eröffnen. Diese umfasst acht Module sowie das Sondermodul „Elektromobilität in Coburg“ und ist bis zum 26. Juli zu besichtigen.

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Sauerteig, man weiß das, ist das Thema eine Herzensangelegenheit. In seiner Rede nannte der SPD-Politiker es denn auch „das zentrale Zukunftsthema, was Mobilität angeht.“ Auch in ländlichen Regionen sei es eines der wichtigsten des nächsten Jahrzehnts. Bereits jetzt schnellt die Zahl der neuzugelassenen reinen Stromer im Raum Coburg nach oben, wie das Landratsamt kürzlich auf NP-Anfrage mitteilte. Wurden 2019 noch 29 neuzugelassen in der Stadt, waren es im Jahr darauf 109 – ein Plus von satten 275 Prozent. Auf einen kaum weniger eindrucksvollen Wert von 250 kommt der Landkreis, hier machten die Neuzulassungen einen Sprung von 52 (2019) auf 185 (2020).

Er selbst, so Sauerteig, sei sowohl dienstlich als auch privat elektrisch unterwegs, „allerdings mit etwas größeren Fahrzeugen als hier.“ Gelächter. Die Wanderausstellung beinhaltet auch zwei Bobby Cars (freilich, Bavaria first, eines mit Audi- und eines mit BMW-Logo versehen).

Avantgardist Andreas Flocken

Parteifreund und Vorgänger Norbert Tessmer, gleichsam Vorsitzender der Coburger Landesstiftung und passenderweise per E-Bike angeradelt, setzte seinerseits statt auf Humor auf hübsche Prosa. Deutschland verfüge über kaum nennenswerte Rohstoffvorkommen, so der OB a. D., und sei daher angewiesen auf eine etwas anders gelagerte Ressource: „Gold, das Gold in den Köpfen der Menschen“.

Um dieses, bleiben wir einmal in der Metapher, auch künftig als Volkswirtschaft schürfen zu können, müsse jedoch eine zentrale Bedingung erfüllt sein: Bereits in jungen Jahren gelte es, beschwor Tessmer, Kinder an die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) heranzuführen. „Auch dieser Aspekt wird hier bedient.“

Christian Gunsenheimer (Freie Wähler) übte sich indes in klaren Ansagen. Er sei selbst „überzeugter Dieselfan“ gewesen, so der stellvertretende Landrat, „aber es gibt keine Zukunft für den Verbrennungsmotor – egal welcher Art!“

Könnte nur ein gewisser Herr Flocken, geboren 1845 in der Pfalz, diese Tage noch miterleben. Der konstruierte in der Vestestadt um das Jahr 1900 herum einen der ersten Elektrowagen überhaupt. Serienreife erlangte das Fahrzeug allerdings nie, des parallel aufkommenden Verbrenners wegen. Coburg und die Elektromobilität – das ist also auch ein bisschen: Zurück in die Zukunft.