Austritt von Kohlenmonoxid Zwei Erwachsene lebensgefährlich, ein Baby schwer verletzt

Am späten Donnerstagabend ist es in einem Haßfurt Stadtteil zum Austritt von Kohlenmonoxid in einem Wohnhaus gekommen. Dabei erlitten zwei Erwachsene lebensgefährliche und ein Baby schwere Verletzungen.
 

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Beim Freisetzen von Kohlenstoffmonoxid (CO) in einem Wohnhaus sind am Donnerstagabend in Unterhohenried zwei Erwachsene lebensgefährlich und ein Baby schwer verletzt worden. Zwei weitere Erwachsene kamen mit dem Schrecken davon.

Gegen 23.20 Uhr war bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt ein Notruf eingegangen, wonach bei einer Person von einem neurologischen Notfall ausgegangen werden musste. Daraufhin entsandte die ILS einen Rettungswagen und einen Notarzt zu der Wohnadresse in dem Haßfurter Stadtteil. Als kurz darauf die Besatzung eines BRK-Rettungswagens aus Haßfurt eintraf und in der Wohnung mit der notfallmedizinischen Versorgung einer bewusstlosen Frau begann, schlug bei der Besatzung plötzlich deren CO-Warnmelder an.

Umgehend wurden von der Rettungswagen-Besatzung daraufhin die 28-jährige Frau, deren 29-jähriger Mann und ein sieben Monate altes Baby aus dem Erdgeschoss ins Freie gebracht und dort weiter behandelt. Zudem forderte die Besatzung zwei weitere Rettungswagen und den BRK-Einsatzleiter Rettungsdienst sowie die Feuerwehr nach. Kurz darauf fand sich ein Großaufgebot an Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei am Einsatzort ein.

Durch BRK-Einsatzleiter René Rebhan wurde ein spezielles Messgerät mit zum Einsatzort gebracht, mit dem bei Patienten mithilfe eines Fingerclips die Konzentration des gefährlichen Kohlenmonoxids im Blut gemessen werden kann. Dabei wurden sowohl bei der Frau als auch bei dem Mann hohe Werte festgestellt, die eine weitere Spezialbehandlung in einer Überdruckkammer notwendig machten.

„Bei den beiden Erwachsenen bestand aufgrund der hohen Werte auf alle Fälle Lebensgefahr“, teilte der BRK-Einsatzleiter mit. Er forderte daraufhin einen zweiten Notarzt sowie zur Sicherheit noch einen weiteren Rettungswagen an, so dass letztlich vier BRK-Rettungswagen aus Haßfurt, Hofheim, Eltmann und Ebern sowie zwei Notärzte aus Haßfurt und Hofheim im Einsatz waren.

Da für die beiden Erwachsenen eine Weiterbehandlung in einer Spezialklinik mit Überdruckkammer notwendig war, wurden parallel dazu zwei Intensivtransporthubschrauber angefordert, um die lebensgefährlich Verletzten schnellstmöglich in geeignete Kliniken fliegen zu können.

Die beiden Intensivtransporthubschrauber „Christoph Nürnberg“ und „Christoph Gießen“ landeten schließlich am Flugplatz in Haßfurt, tankten dort auf und flogen die beiden Schwerverletzten ins Uniklinikum nach Halle, wo eine Weiterbehandlung in einer Überdruckkammer erfolgte. Nur in einer solchen Kammer können hohe Konzentrationen an Kohlenmonoxid aus dem menschlichen Körper bei Überdruck wieder eliminiert werden. Zur Landung der Helikopter leuchtet die Feuerwehr Haßfurt den Flugplatz aus.

Das sieben Monate alte Baby der Eheleute wurde mit schweren Verletzungen mit einem Rettungswagen ins Klinikum Bamberg eingeliefert, wo es auf der Kinder-Intensivstation behandelt wird. Lebensgefahr besteht bei dem Baby nach ersten Erkenntnissen nicht.

Zwei weitere Erwachsene, die ebenfalls in dem Haus wohnen, kamen mit dem Schrecken davon. Die Frau und der Mann, beide mittleren Alters, wurden vor Ort vom Rettungsdienst betreut, mussten aber nicht im Krankenhaus behandelt werden.

„Durch das entschlossene und schnelle Handeln sofort nach Erkennen einer möglichen Gefährdung durch Kohlenmonoxid hat die Rettungswagen-Besatzung den beiden Schwerverletzten mutmaßlich das Leben gerettet, in dem diese sofort ins Freie gebracht wurden“, sagte BRK-Einsatzleiter René Rebhan.

Die Feuerwehren aus Haßfurt, Oberhohenried und die Löschgruppe Unterhohenried waren ebenso im Einsatz. Sie drangen unter Atemschutz in das Gebäude vor, führten Messungen durch und lüftete das Wohnhaus mit einem Hochdrucklüfter.

Was letztlich der Grund für den CO-Austritt ist, ermittelt nun die Polizei. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr dürfte wohl ein Grill mit unvollständig verbrannter Holzkohle Grund des Übels gewesen sein, teilte der BRK-Einsatzleiter mit. Demnach wurde offenbar am Abend im Freien gegrillt und später der noch nicht vollständig erloschene Grill in den Flur des Wohnhauses gestellt, so dass durch die glimmende Glut Kohlenmonoxid entstand und sich im Gebäude ausbreitete.

BRK-Einsatzleiter René Rebhan lobte abschließend die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst bei dem Einsatz.

Stichwort: Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farbloses, geruchloses und toxisches Gas, das bei unvollständiger Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Materialien entsteht, wie zum Beispiel bei der Verbrennung von Holz, Gas oder Öl.

Wenn Menschen Kohlenmonoxid einatmen, bindet es sich mit dem Hämoglobin im Blut und bildet eine Verbindung namens Carboxyhämoglobin. Dadurch wird der Transport von Sauerstoff im Blut stark beeinträchtigt, da das Kohlenmonoxid die Sauerstoffbindung verdrängt. Das führt zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung der Gewebe und Organe.

Die Auswirkungen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung können je nach der Menge des eingeatmeten Gases und der Dauer der Exposition variieren. Symptome einer leichten Vergiftung können Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit und Verwirrung sein. Bei einer moderaten Exposition (mittlere Konzentrationen) können Herzrhythmusstörungen und Brustschmerzen auftreten. Bei schwerer Exposition (hohe Konzentrationen) kommt es zu Bewusstseinsverlust, Krampfanfällen, Atemstillstand und gar zum Tod.

Die Gefahren von Kohlenmonoxid sind besonders hoch in geschlossenen Räumen, in denen unvollständige Verbrennung stattfinden kann, wie beispielsweise in Wohnungen mit defekten Heizungsanlagen oder in geschlossenen Garagen mit laufenden, motorbetriebenen Fahrzeugen. Sind Räume mit Kohlenmonoxid belastet, müssen sie ausreichend belüftet werden, um das Risiko einer Vergiftung zu minimieren. Ein Kohlenmonoxid-Melder kann als Schutzmaßnahme dienen, um frühzeitig vor erhöhten Kohlenmonoxid-Konzentrationen zu warnen. Deshalb tragen Feuerwehrleute und auch der Rettungsdienst bei Einsätzen stets solche Warnmelder mit sich.

Autor

Bilder