Basketball-Bundesliga Bamberg will Revanche – Baggette geht

Elias Baggette (hier im Mai 2021 im Playoff-Viertelfinale gegen Ludwigsburg am Ball; rechts Jonah Radebaugh von den MHP Riesen) hat bei Brose Bamberg überraschend gekündigt. Foto: imago images/HMB-Media/Daniel Löb

Im Rückspiel wollen es Sengfelder & Co. gegen Crailsheim besser machen als bei der 79:93-Pleite kurz vor Weihnachten. Elias Baggette kündigt vorzeitig seinen Vertrag.

Bamberg - Brose Bamberg ist am 17. Spieltag der Basketball-Bundesliga Gastgeber für die HAKRO Merlins Crailsheim. Die Partie des Tabellenelften gegen den -siebten in der Brose Arena ohne Zuschauer beginnt am Sonntag um 18 Uhr (MagentaSport live).

Vier Spiele waren die Crailsheimer vor dem letzten Wochenende ungeschlagen – unter anderem gab es Siege gegen Brose und den FC Bayern München Basketball –, dann mussten sie nach Heidelberg und verloren dort mit 91:100. Unter der Woche setzte es zudem noch eine knappe 71:73-Niederlage im FIBA EuroCup in Kiew. Die Baden-Württemberger werden also mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch nach Oberfranken reisen.

Gäste mit starker Saison

Dabei spielen sie, betrachtet man die gesamte bisherige Saison, einmal mehr eine starke Runde. Neutrainer Sebastian Gleim hat es binnen kürzester Zeit geschafft, der Mannschaft eine Identität zu geben. Daher stehen die HAKRO Merlins – in ihrer ersten internationalen Saison überhaupt – auch völlig zurecht in der zweiten EuroCup-Runde, in der Liga auf einem Playoffplatz und im Top-Four um den BBL-Pokal.

Herausragender Akteur einer insgesamt aber sehr homogenen Mannschaft ist MVP-Kandidat T.J. Shorts. Der aus Hamburg gekommene Aufbauspieler führt mit 19,8 im Schnitt erzielten Punkten nicht nur die interne Mannschaftswertung an, sondern ist damit Topscorer der gesamten Liga. Auch seine durchschnittlich pro Spiel verteilten 7,1 Assists sind nationaler Spitzenwert.

Neben Shorts haben die Crailsheimer mit Lewis, Lasisi, Harris und dem Ex-Bamberger Maurice Stuckey noch vier weitere Spieler, die im Schnitt bislang zweistellig scoren konnten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die „Zauberer“ mit durchschnittlich erzielten 87,4 Punkten das zweitstärkste Offensivteam der Liga sind. Vor allem von jenseits der Dreipunktelinie sind sie treffsicher, versenkten bislang knapp 40 Prozent ihrer Wurfversuche von hinter der 6,75-Meter-Linie.

Was man als Crailsheimer Gegner auch nicht zu oft tun sollte – sie an die Freiwurflinie bringen. Stehen sie nämlich mal dort, trafen sie bislang über 80 Prozent ihrer Versuche, ebenfalls BBL-Spitze. Davon durfte bzw. musste sich auch schon Brose Bamberg überzeugen. Im Hinspiel kurz vor Weihnachten setzte es eine 79:93-Niederlage, wobei die Merlins damals knapp 90 Prozent Freiwürfe und über 40 Prozent ihrer Dreier trafen.

Neues Selbstvertrauen

Das gilt es am Sonntag für Brose Bamberg bei der angestrebten Revanche für die Hinspielniederlage besser zu machen. Den Oberfranken muss es gelingen, die Crailsheimer Stärken von Beginn an wegzunehmen. Dass sie sich optimal auf Gegner einstellen können, haben die Mannen von Oren Amiel nicht zuletzt beim vergangenen Spiel in Hamburg gezeigt. Der Sieg in der Hansestadt war nicht nur tabellarisch, sondern vor allem für das Selbstvertrauen wichtig. Der Gameplan ging auf, die Systeme liefen, die Verteidigung stand. Alles in allem gab es nach dem 87:75-Erfolg – mit Ausnahme der ersten fünf Minuten – nur wenig zu meckern. Und dennoch: Ein Trainer ist nie zufrieden. Amiel hat genug Fehler ausgemacht, die in den letzten zehn Tagen im Training angegangen wurden. Die Pause ergab sich, weil die Partie gegen Würzburg am letzten Wochenende aufgrund der Coronafälle bei den Unterfranken abgesagt werden musste.

Weiterhin steht bei Brose die Verteidigung hoch im Trainingskurs. Die zuletzt in Hamburg zugelassenen 75 Punkten waren die drittwenigsten in dieser Spielzeit. Darauf gilt es weiter aufzubauen. Offensiv war Omar Prewitt gegen die Hanseaten mit 19 Punkten bester Bamberger Werfer. Über die gesamte bisherige Saison gesehen ist der Amerikaner mit durchschnittlich 13,4 Zählern zweitbester Bamberger Scorer. Vorne liegt in dieser Kategorie Christian Sengfelder mit 17,4. Bester Assistgeber ist Justin Robinson mit 7,3 im Schnitt, Akil Mitchell sichert mit durchschnittlich 6,7 die meisten Rebounds pro Partie.

Dem Geisterspiel gegen Crailsheim folgt am Sonntag in einer Woche die Partie in Bonn. Dort werden nach aktuellem Stand aufgrund der Regelung der nordrhein-westfälischen Landesregierung bis zu 750 Fans im Telekom Dome vor Ort sein dürfen.

Baggette geht in die ProA

Elias Baggette hat am Donnerstag seinen noch bis 2024 laufenden Vertrag gekündigt und schließt sich den Eisbären Bremerhaven in der 2. Bundesliga ProA an. Möglich machte ihm das eine Ausstiegsklausel, die durch den Wechsel an der Cheftrainerposition in Kraft trat. Der 19-Jährige sei, wie es in der Pressemitteilung des Klubs heißt, bereits am Morgen nicht zum Training erschienen, am Nachmittag sei dann seine Kündigung eingegangen. Eine Verabschiedung von der Mannschaft habe es nicht gegeben.

Brose Bamberg-Geschäftsführer Philipp Galewski dazu in der Pressemitteilung: „Ich bin sehr enttäuscht von Elias. Nicht von der Kündigung und dem Willen nach Veränderung an sich, sondern von der Art und Weise und dem Zeitpunkt. Wir haben viel in seine Ausbildung auf dem und abseits des Spielfeldes investiert und in Verbindung mit seinem langjährigen Vertrag einen Entwicklungsplan entworfen, den wir vollumfänglich eingehalten haben. Dass er dann ohne Vorankündigung oder ein Gespräch sowohl die Mannschaft als auch die Organisation im Stich lässt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir müssen als Konsequenz dringend mit unseren Nachwuchstalenten dahingehend arbeiten, dass sie ein realistisches Bild über ihren Weg zum BBL-Profi aufgezeigt bekommen, um zukünftig solche Fehlentwicklungen zu vermeiden.“

Leistungsträger in Coburg

Elias Baggette kam als 16-Jähriger ins Nachwuchsprogramm von Brose Bamberg, wohnte im Jugendinternat Aufseesianum, machte letztes Jahr sein Abitur. Bereits in seinem ersten Jahr absolvierte er neben Spielen für die Nachwuchsbundesliga-Mannschaft 28 Partien für die Baunach Young Pikes in der 2. Bundesliga ProA, in der anschließenden Spielzeit 2019/2020 wurde er in der 2. Bundesliga ProB zum „Youngster des Jahres“ gewählt und in diverse Juniorennationalmannschaften berufen. In der vergangenen Saison erhielt er seine ersten Bundesligaminuten, zudem war er Leistungsträger beim Bamberger Kooperationsteam BBC Coburg in der ProB.

Seit dieser Spielzeit ist Baggette Vollzeitprofi, er habe jedoch auf eigenen Wunsch eine Doppellizenz und damit die Teilnahme an Trainingseinheiten und Spielen in Coburg abgelehnt, heißt es in der Presserklärung des Bundesligisten. red

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