Basketball-Bundesliga Zum 100. Mal Bamberg gegen Berlin

Bambergs Justin Robinson (am Ball) muss auch diesmal wieder versuchen, Lücken in der Berliner Abwehr ausfindig zu machen und zu nutzen. Foto: Daniel Löb

Das Brose-Team startet im Jubiläumsspiel am Freitag bei Alba als klarer Außenseiter in das Playoff-Viertelfinale. Bambergs Trainer Oren Amiel hofft auf einen guten Tag seiner Unterschiedsspieler.

Wenn sich an diesem Freitag um 19 Uhr in der Max-Schmeling-Halle Gastgeber Alba Berlin und Brose Bamberg zum Auftakt des Playoff-Viertelfinales in der Best-of-Five-Serie um die deutsche Basketball-Meisterschaft gegenüberstehen, ist das gleichzeitig ein Jubiläum. Es steht das 100. Aufeinandertreffen der beiden Traditionsklubs an.

Die „Albatrosse“ gehen im Streben nach der dritten Meisterschaft in Folge als Hauptrundenerster in die Playoffs, obwohl der Titelverteidiger in dieser Saison aufgrund der coronabedingten Absage des Spiels gegen Braunschweig eine Partie weniger absolviert hat. Im Zuge dessen kam die Quotienten-Regelung zum Einsatz. Der einstigen Serienmeister Brose Bamberg hat sich erst durch den Sieg im letzten Hauptrundenspiel gegen die Hamburg Towers als Achter das Playoff-Ticket gesichert und mit Alba nun den vermeintlich schwersten Gegner vor der Brust. Die beiden Aufeinandertreffen mit Viertelfinalgegner Bamberg in dieser Saison konnte das Team von Trainer Israel Gonzalez klar für sich entscheiden.

Elf Siege in Folge

Brose Bamberg steht seit 2002, also die 21. Saison in Folge, in den Playoffs. Lediglich ein Verein hat eine längere Serie vorzuweisen – und das ist Alba Berlin. Seit die Hauptstädter 1990 mit der Lizenz des Vorgängervereins DTV Charlottenburg in der Bundesliga debütierten, sind sie immer in der Postseason dabei gewesen, also nun das 32. (ALBA) bzw. 37. Jahr (inklusive DTV) in Folge.

Bemerkenswert ist allerdings, dass sich beim Duell Bamberg gegen Berlin zwar 19 Meistertitel (zehn für Berlin und neun für Bamberg) gegenüberstehen, sich beide Teams aber in den Playoffs zuletzt kaum sahen. Das letzte Aufeinandertreffen ist schon elf Jahre her, endete mit dem 3:2-Finalsieg Broses und dem Gewinn der vierten deutschen Meisterschaft.

Berlin geht zum ersten Mal seit 13 Jahren als Hauptrundensieger in die Playoffs. Diesen Platz haben sich die Hauptstädter vor allem in den letzten Wochen verdient, sind sie doch seit mittlerweile elf Spielen ungeschlagen. Zuletzt gab es am vergangenen Dienstag einen 83:78-Prestigeerfolg beim FC Bayern München Basketball. Obwohl es in der Partie platzierungstechnisch um nichts mehr ging, war es ein attraktives Basketballspiel, das die Berliner bis zur letzten Sekunde mit hoher Intensität angingen.

Offensiv starke Gastgeber

Bester „Albatros“ war Jaleen Smith mit 24 Punkten, Zoosman und der Ex-Bamberger Maodo Lô punkteten ebenfalls zweistellig. Überhaupt haben sich die Berliner vor allem offensiv auf den Punkt genau gefunden. Gab es zu Saisonbeginn noch den einen oder anderen, auch individuellen, Durchhänger, läuft die Angriffsmaschinerie seit Monaten beständig auf Hochtouren. 87 Punkte erzielten die Mannen von Israel Gonzales bislang im Schnitt pro Partie, das ist hinter Bonn (87,9) die beste Ausbeute aller BBL-Teams.

Vor allem von jenseits der Dreierlinie sind sie treffsicher, haben in Eriksson, Schneider und Sikma gleich drei Spieler, die weit über 40 Prozent ihrer Distanzwürfe treffen. Dabei ist es auch nicht der eine Spieler, der regelmäßig heiß läuft, es ist das gesamte Kollektiv, das punkten kann. Das macht Berlin so unberechenbar. Doch die Hauptstädter haben auch die beste Defensive der gesamten Liga, ließen bislang durchschnittlich lediglich 72,9 Punkte zu.

Wie unschön ein Spiel gegen Berlin sein kann, musste Brose vor nicht allzu langer Zeit am eigenen Leib erfahren. Mit 57:89 wurde Bamberg vor knapp drei Wochen chancenlos aus der Halle geschossen.

Dieses Spiel, dieses Ergebnis ist natürlich nach wie vor im Kopf, wenn es um die Vorbereitung auf die Viertelfinalserie geht. Den Fakt, dass Brose überhaupt zum 21. Mal in Serie in den Playoffs steht, hat sich die Mannschaft in den letzten Wochen hart erarbeitet und mehr als verdient, hat sie doch neun ihrer letzten elf Partien gewonnen. Seit Montag liegt der komplette Fokus nun auf den Spielen gegen Berlin. Der Modus macht es – das klingt natürlich einfacher, als es ist – möglich, mit einem gewonnenen Spiel in der Hauptstadt den Heimvorteil umzudrehen. Doch das ist Zukunftsmusik, die Aufgabe liegt im Hier-und-Jetzt. Und da hat Cheftrainer Oren Amiel aktuell alle Mann an Bord, kann also, bis auf den nach wie vor verletzten Patrick Heckmann, personell aus dem Vollen schöpfen.

Alle Mann an Bord

Er kann, ähnlich wie die Berliner, vor allem offensiv auf viele Spieler vertrauen, die an einem guten Tag den Unterschied machen können. Gegen die Hamburg Towers beim zuletzt so wichtigen 77:67-Erfolg im Entscheidungsspiel um die Playoff-Teilnahme, waren etwa Justin Robinson (20), Omar Prewitt (12) und Tomáš Kyzlink (12) Bambergs beste Werfer. Ebenso sehr hervorzuheben aber sind Kenneth Ogbe und Chris Dowe, die in erster Linie defensiv einen starken Job gegen Hamburgs Dauerbrenner Caleb Homesley gemacht und den Topscorer bei acht Punkten gehalten haben. Genauso fokussiert will Brose Bamberg auch am Freitag in Berlin antreten und dem großen Namen und der Atmosphäre trotzen.

Und oftmals war schon ein Aufeinandertreffen des Tabellenführers gegen den -achten knapper als vom Papier her gedacht. Bestes Beispiel: Brose ging letztes Jahr ebenfalls als Achter ins Viertelfinale und lieferte dem Liga-Primus Ludwigsburg, der in der Hauptrunde lediglich vier Niederlagen aufzuweisen hatte, einen harten Kampf über fünf Spiele. Neben dieser Partie mussten in den vergangenen Jahren insgesamt fünf weitere solche Duelle in ein entscheidendes fünftes Spiel. Zweimal daran beteiligt war Berlin. Die Hauptstädter benötigten 2006 gegen Oldenburg und 2009 gegen Paderborn jeweils die Entscheidungspartie, um ins Halbfinale einzuziehen. Die Hauptstädter waren auch – und jetzt wird es aus Bamberger Sicht interessant – das erste Team, das es als Tabellenführer nicht schaffte, sich gegen den Achten durchzusetzen. 2007 ging die Viertelfinalserie gegen Quakenbrück deutlich und schnell mit 0:3 verloren. Dieses Missgeschick passierte einem Hauptrundenersten anschließend nur noch ein Mal. Oldenburg musste sich 2010 Braunschweig in vier Spielen geschlagen geben.

Sengfelder wittert Chance

Bambergs Leitwolf Christian Sengfelder appelliert daher an sein Team: „Natürlich haben wir noch das Spiel vor drei Wochen im Kopf. So etwas darf und wird uns nicht mehr passieren. Wir müssen am Freitag viel physischer sein. Sie haben uns offensiv wie defensiv ihren Willen aufgezwungen. Darauf müssen wir besser vorbereitet sein. Wir müssen schauen, dass wir sie aus ihrer Komfortzone bringen. Sie haben ja gemacht, was sie wollten. Unser Ziel muss sein, eines der beiden Spiele am Wochenende zu klauen. Vielleicht unterschätzen sie uns auch nach ihrem deutlichen Sieg vor zwei Wochen etwas. Wir wittern auf jeden Fall unsere Chance.“

Sport1 überträgt die komplette Viertelfinalserie zwischen den Haupt- und den Domstädtern live auf seinen Plattformen. Während es den Auftakt am Freitag im kostenlosen Livestream im Internet zu sehen gibt, werden die Spiele 2 und 3 am Sonntag, 15. Mai, ab 18 Uhr, und am Donnerstag, 19. Mai, ab 19 Uhr, live im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Sollte die Viertelfinalserie in die Verlängerung gehen, wird Sport1 auch die Spiele 4 (optional 22. Mai, 18 Uhr in Bamberg) und 5 (optional 25. Mai, 20.30 Uhr in Berlin) im Free-TV zeigen. tvo/red

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