Viele Menschen hätten sich an Lügen gewöhnt, die Algorithmen der Plattformen und Künstliche Intelligenz (KI) bekämen mehr Macht. "Die Einsamkeit ist größer geworden, weil Menschen nicht miteinander interagieren, sie interagieren mit Bildschirmen. Aber kann es eine Revolution auf dem Bildschirm geben? Wahrscheinlich nicht."
Die politischen Entwicklungen in Deutschland sieht Libeskind ebenfalls mit Sorge. "Dieses Land hat unter dem Nazi-Regime gelebt und sollte es besser wissen", sagt er. "Wenn ich einige Reden der AfD lese und deren Haltung zur Geschichte betrachte, sollte das die Menschen zutiefst beunruhigen." Die Menschen, findet er, sollten die Demokratie stärker verteidigen.
Wenn Libeskind über Architektur spricht, wird er philosophisch. Mit seinen Gebäuden will er auch Hoffnung machen. Zeigen, dass man etwas verändern kann. Architektur präge unsere Vorstellung von der Welt. Wenn man an das alte Griechenland denke, stelle man sich nicht zuerst Platon und Aristoteles vor, sondern den Parthenon auf der Akropolis.
Architektur sei eine mächtige Kunstform, weil sie keine Wörter brauche, sondern auf die Erde und das Licht setze. Sie kommuniziere auf einer ursprünglichen Ebene. Wie man lebe, sagt Libeskind, beeinflusse auch, wie man über die Welt denke. Und wie lebt er selbst? Im New Yorker Stadtteil Tribeca in einem dreieckigen Gebäude, das um 1900 gebaut wurde. Vom Fenster aus könne er die ganze Pracht der Stadt sehen, erzählt er. Auch die Menschen, die jeden Morgen aus der U-Bahn strömen.