BBV-Geschäftsführer zieht Bilanz Tränengas, Wildgänse und der ICE

Der scheidende Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Coburg und Lichtenfels, Hans-Jürgen Rebelein (rechts), mit seinem Nachfolger Gabriel Lieb. Foto: Neue Presse/Wolfgang Braunschmidt

Hans-Jürgen Rebelein hat als Geschäftsführer des Bauernverbands in Coburg und Lichtenfels viele Proteste angeführt. In Brüssel wurde es besonders heftig.

1992 soll die MacSharry-Reform die Landwirtschaft in Europa wettbewerbsfähiger machen. Das bringt auch die Bauern im Coburger Land zur Weißglut. Sie nehmen an einer Demonstration in Brüssel teil. „Das war das erste Mal, das ich mit Tränengas in Berührung gekommen bin, da sind wir alle gerannt, das war wirklich unangenehm“. Das ist eine der Geschichten, die Hans-Jürgen Rebelein bei seinem Abschied als Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Coburg und Lichtenfels am Freitag in Schwabthal erzählt.

BBV-Geschichte mitgeschrieben

Rebelein hat fast 40 Jahre Geschichte des BBV in der Region mitgeschrieben. Butterberge und Waldsterben, Milchquote und Tschernobyl, Mauerfall und EU-Agrarreform, BSE und Einführung des Euro, Ramschpreise für Lebensmittel in Discountmärkten, Landfraß durch ICE- und Autobahnbau, zunehmende Schäden, die Wildgänse und Biber auf landwirtschaftlichen Flächen verursachen, oder der Kampf gegen den am Ende verhinderten Neubau eines Flugplatzes im Landkreis Coburg: Hans-Jürgen Rebelein ist sturmerprobt, hat viele Demonstrationen in Coburg, bei den CSU-Klausurtagungen in Kloster Banz sowie in München, Berlin und Brüssel mit organisiert, miterlebt – und ganz vorne unerschrocken seinen Kopf hingehalten. Die Themenvielfalt, die Hans-Jürgen Rebelein, bearbeiten musste, war immens, wie er in seinem Rückblick im Zeitraffer aufzeigte. Aber es gab auch schöne Ereignisse. Dazu zählten die Kindertage auf Bauernhöfen, Kreiserntedankfeste, Auftritte der Landfrauenchöre Coburg und Lichtenfels, Tage der offenen Hoftür. Am 1. Juli tritt Rebelein nach fast 40 Jahren Arbeit im Bauernverband, davon 31 Jahre in Coburg und zusätzlich 18 Jahre in Lichtenfels, in den Ruhestand.

Zum Abschied wünschte sich Rebelein, der in Ottowind zu Hause ist, dass es seinem Nachfolger Gabriel Lieb gelingt, junge Landwirtinnen und Landwirte für ihren Verband zu gewinnen und für die ehrenamtliche Mitarbeit zu begeistern. Zudem appellierte der scheidende Geschäftsführer an die Bauern, wieder mit einer Stimme gegenüber der Politik aufzutreten. Sonst könnten deren Forderungen dort mit dem Hinweis abprallen, die Landwirte sollten sich erst einmal untereinander einig werden.

Wertschätzung

Welche Wertschätzung Hans-Jürgen Rebelein entgegen gebracht wird, zeigte die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste bei seiner Verabschiedung in Schwabthal. Gekommen waren unter anderem die Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner und Jonas Geissler (beide CSU), die Landtagsabgeordneten Martin Mittag (CSU) und Martin Böhm (AfD), Coburgs Landrat Sebastian Straubel, der stellvertretende Landrat des Kreises Lichtenfels, Helmut Fischer, sowie Spitzenvertreter des BBV wie Bezirkspräsident Hermann Greif.

Oberfrankens BBV-Direktor Wilhelm Böhmer bescheinigte Hans-Jürgen Rebelein umfassendes Fachwissen und bezeichnete ihn als „Anwalt des ländlichen Raumes“. Zunächst in Bamberg und Forchheim für den Bauernverband tätig, habe er 1992 den nicht ganz einfachen Kreisverband Coburg übernommen. 2004 kam die Geschäftsführung in Lichtenfels hinzu. Die damit verbundenen Aufgaben habe der „geschätzte Mitarbeiter“ meinungsstark, authentisch und fordernd gemeistert. Dabei habe er vorbildlich mit den ehrenamtlichen Gremien zusammengearbeitet, die in Coburg von Martin Flohrschütz und Heidi Bauersachs, in Lichtenfels von Michael Bienlein und Marion Warmuth geleitet werden. Auch sie würdigten die Arbeit Rebeleins, der – so Bezirkspräsident Greif – „extrem zuverlässig“ sei.

Für die Politik lobte Emmi Zeulner die Kooperation mit Hans-Jürgen Rebelein, die gegenseitige Kritik nicht ausgeschlossen habe. Harald Weber, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg-Kulmbach, bescheinigte dem scheidenden BBV-Geschäftsführer, die Interessen der Landwirte im Spannungsfeld zwischen Attacke und Diplomatie sachkundig und energisch vertreten zu haben.

Neuer Geschäftsführer

Gabriel Lieb aus Wiesen bei Bad Staffelstein tritt am 1. Juli die Nachfolge von Hans-Jürgen Rebelein als Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Coburg und Lichtenfels an. Lieb hat nach dem Abitur am Meranier-Gymnasium in Lichtenfels in Triesdorf Landwirtschaft mit Schwerpunkt Agrartechnik studiert. Nach dem Bachelor-Abschluss begann er 2019 beim BBV seine Tätigkeit als Fachberater in Coburg und Lichtenfels. Er führt einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb „mit Leidenschaft“, wie Oberfrankens BBV-Direktor Wilhelm Böhmer am Freitag in Schwabthal bei der Vorstellung Gabriel Liebs betonte. Sowohl bei den Mitgliedern der ehrenamtlichen BBV-Gremien als auch bei den Behörden werde ihm aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit für den Bauernverband Vertrauen und Respekt entgegengebracht. Als erste wichtige Aufgabe nannte Gabriel Lieb den intensiven Austausch mit Landwirten und den Einsatz für die Tierhaltung in Coburg und Lichtenfels, die vor großen Herausforderungen stehe.

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