Beeindruckende Bilder „Mit Putin wird es keinen Frieden geben“

Martin Rebhan

Der Journalist Till Mayer hält in Coburg einen eindrucksvollen Vortrag über den Krieg in der Ukraine. Dabei übt er auch Kritik an westlichen Regierungen.

Der Bamberger Journalist Till Mayer (links) reist seit Jahren in Kriegsgebiete, auch in die Ukraine. Mit seinen emotionalen Schwarz-Weiß-Bildern beeindruckte er die Zuhörer bei seinem Vortrag im Coburger Gemeindezentrum Sankt Augustin. Foto: Renhan

Seit 25 Jahren reist Till Mayer regelmäßig in Krisengebiete und berichtet über die dort mit Waffengewalt ausgetragenen Konflikte. Damit nimmt der 50-jährige Journalist aus Bamberg vor allem die vergessenen Kriege in den Fokus. Er kommt dann, wenn viele Medien nicht mehr vor Ort sind und zeigt mit seinen Bilddokumentationen auf, mit welchen Folgen die Menschen zu kämpfen haben. So sollte es auch in der Ukraine sein. Seit 2017 bereiste Mayer immer wieder das Donbas-Gebiet und produzierte mehrere Reportagen über „Europas vergessenen Krieg“. Schon früh hatte er die Ahnung, dass es zu einer Invasion russischer Truppen kommen werde. Dass er sich beim Zeitpunkt dann um ein paar Tage verrechnet habe, berichtete er in einem eindrucksvollen Vortrag im Coburger Gemeindezentrum Sankt Augustin, zu dem der Bund der katholischen Jugend eingeladen hatte.

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In seinen emotionalen Bildern stellt er bei seinem Blick auf das Kriegsland Ukraine die Menschen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Dass er sich auf Schwarz-Weiß-Fotografie beschränkt, bedeutet keinen Qualitätsverlust, sondern unterstreicht, dass es Till Mayer nicht um Effekthascherei geht, sondern darum, die Betrachter in die Gefühlswelt der abgebildeten Personen einzubinden. Und das gelingt ihm eindrucksvoll, wie sich bei seinem etwa 45-minütigen Vortrag in Coburg zeigte. Seine Fotografien halten Flucht, Tapferkeit, Trauer, Widerstand, Tod, Hoffnung, Mut und den von Freiheit beseelten Willen, sich keinen Frieden aufzwingen zu lassen, unauslöschlich fest.

Mayer blieb bei seinen Ausführungen alles andere als unpolitisch. Dem Westen warf er vor, dass er Putin viel zu lange habe gewähren lassen. Als Beispiel nannte er den Krieg in Tschetschenien, die Annexion der Krim und die russische Unterstützung Assads in Syrien. Mayer: „Putin ist nicht über Nacht gekommen.“

Aus seiner Erfahrung berichtete er, dass die sogenannte Freiheitsbewegung im Donbas von Russland gesteuert werde. „Warum flüchten 80 Prozent der Menschen dort in Gebiete, die von der Ukraine kontrolliert werden, und nicht in russisches Gebiet?“, fragte der Journalist. Die Strategie, die Russland jetzt an den Tag lege, sei einfach zu erkennen: „Es geht Putin darum, mit seinen Raketenangriffen klarzumachen, dass es in der Ukraine keinen sicheren Ort gibt, um in der Folge Flüchtlingsströme zu erzeugen, die dann dazu dienen sollen, die Allianz des Westens zu brechen.“ Um hier zum Ziel zu kommen, unterstütze Putin mit finanziellen Mitteln rechtsgerichtete Strömungen, etwa die Partei von Marine Le Pen in Frankreich. Auch der AfD in Deutschland warf er eine Putin-nahe Haltung vor.

Mayer berichtete, dass Menschen in russisch besetzten Gebieten völlig rechtlos seien. „Frauen werden dort zu Tode vergewaltigt, Kommunalpolitiker auf offener Straße erschossen und Männer mit Gewichten an den Füßen ertränkt“, beschrieb er die Schreckensherrschaft. Außerdem schilderte er, wie Kinder unter dem ständigen Luftalarm leiden: „Sie sind ihr Leben lang traumatisiert.“ Natürlich wollten die Ukrainer Frieden, „aber nicht um jeden Preis“. Den Menschen bleibe nichts anderes übrig als zu kämpfen. Heftige Kritik übte der Journalist an den westlichen Regierungen, die sich mit der Lieferung schwerer Waffen, insbesondere moderner Kampfpanzer, zurückhalten: „Diese Haltung hat Tausenden von ukrainischen Soldaten das Leben gekostet.“

Wie lange der Krieg noch dauern werde, fragte ein Zuhörer. Das hänge davon ab, wie die Ukraine weiter unterstützt werde, antwortete Mayer: „Ich habe keine Angst, dass die Ukraine schlappmacht; ich habe Angst, dass wir schlappmachen.“ Als eine Frau beinahe kindlich immer wieder rief, „ich will Frieden, ich will Frieden“, war ihm dies fast zu viel. „Welchen Frieden wollen Sie? Wollen Sie einen Frieden der Unterdrückung? “, hakte er nach. Für ihn steht fest: „Solange Putin an der Macht ist, wird es keinen Frieden in Europa geben.“ Drastisch wurde Mayer, der demnächst wieder in die Ukraine aufbrechen wird, am Ende der Veranstaltung: „Omas in der Ukraine haben mehr Arsch in der Hose als manche Philosophen in Deutschland.“