Benefizaktion Prinz auf Tour mit dem „halben Mann“

Norbert Klüglein
2019 waren Prinz Andreas (links) und Florian Sitzmann schon einmal gemeinsam auf Achse. Damals radelte der Coburger Prinz nach Gotha und sammelte dabei Spenden. Sitzmann begleitete ihn ein Stück des Wegs. Das Foto entstand beim Start in Coburg. Foto: Norbert Klüglein

Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha beteiligt sich an der Benefiz-Radtour des Behindertensportlers Florian Sitzmann. Am 24. August kommen sie abends in Coburg an.

Der Wille, auch in scheinbar aussichtslosen Situationen nicht aufzugeben, und die Liebe zum Radsport, der für beide mehr ist als nur eine Freizeitbeschäftigung, verbinden Prinz Andreas, den Chef des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, und Florian Sitzmann aus Hessen, der auch als „halber Mann“ bekannt ist. Am 24. August kommt Sitzmann, der sich dann auf einer Benefizradtour quer durch Deutschland befindet, ins Coburger Land. Prinz Andreas will ihn an diesem Tag in Eisfeld in Empfang nehmen und zusammen mit dem Handbiker nach Coburg fahren. Ab 18 Uhr ist dann ein Empfang auf dem Coburger Marktplatz geplant.

Es geht aber nicht allein ums Radfahren. Florian Sitzmann, der 1992 bei einem Motorradunfall beide Beine verloren hat, und Prinz Andreas, der seit Jahren unter Parkinson leidet – das ist eine degenerative Erkrankung, die die Muskulatur schwächt und die motorischen Fähigkeiten einschränkt –, möchten gehandicapte Menschen ermutigen, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Gleichzeitig engagieren sich beide in gemeinnützigen Organisationen, die Menschen nach schweren Schicksalsschlägen helfen.

In Coburg unterstützt der Rotary Club das soziale Engagement von Prinz Andreas und Florian Sitzmann. „Konkret geht es darum, der Familie Kuhnlein aus Mitwitz zu helfen“, erklärt Max Beyersdorf, der sich bei Rotary engagiert. Juliane Kuhnlein erkrankte im Juni 2020 nach einem Zeckenstich so schwer an FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), dass sie ins Koma fiel. Ihre jüngste Tochter musste mittels Not-Kaiserschnitt entbunden werden. Die durch die Zecke übertragene Infektionskrankheit führte bei Juliane Kuhnlein zu heftigen Entzündungen des Rückenmarks, der Hirnhäute und des Gehirns. Seitdem ist die zweifache Mutter vom Kopf abwärts gelähmt und rund um die Uhr auf Intensivpflege angewiesen.

Damit Juliana Kuhnlein, die aus Neustadt bei Coburg stammt und vor ihrer Heirat als Puppenfee und Neustadter Christkind bekannt war, ihr Haus verlassen kann, ist sie auf Spezialrollstühle angewiesen. „Das ganze Equipment passt nicht in einen normalen Pkw, sondern muss in einem Anhänger mitgeführt werden“, erklärt Max Beyersdorf. Das Ziel der Coburger Rotarier sei es, so viele Spenden zu sammeln, dass sich die Familie Kuhnlein einen solchen Anhänger kaufen könne. Prinz Andreas und Florian Sitzmann, der seit seinem Motorradunfall ebenfalls auf den Rollstuhl angewiesen ist, möchten Rotary Coburg beim Spendensammeln unterstützen und bitten Firmenvertreter und Privatleute, am 24. August ab 18 Uhr zu der Benefizveranstaltung auf den Coburger Marktplatz zu kommen. Wie Max Beyersdorf verriet, habe die VR-Bank Coburg bereits eine namhafte Spende in Aussicht gestellt.

Der Chef des Hauses Coburg und der Handradfahrer Florian Sitzmann kennen sich seit mehreren Jahren. Der Beinamputierte Sportler nahm 2019 an der Radtour teil, die Prinz Andreas aus Anlass des 200. Geburtstags seines Vorfahren Prinz Albert und dessen Gemahlin, der englischen Königin Victoria, ausgerichtet hatte. Damals radelte der Prinz in fünf Tagesetappen in das rund 100 Kilometer entfernte Gotha. Die Stadt in Thüringen war bis 1918 – dem Ende der Monarchie in Deutschland – die zweite Residenzstadt des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Auf seiner Tour durch Nordbayern und Südthüringen sammelte Prinz Andreas seinerzeit mit Unterstützung von Rotary 25 000 Euro für Parkinsonkranke.

Der Förderung von behinderten oder unverschuldet in Not geratenen Kindern hat sich der Hesse Florian Sitzmann verschrieben. Deshalb will er die Spenden, die auf seiner Deutschlandtour eingehen, an die Aktion „Hoffnung für Kinder“ weiterleiten.

Anlass für die Tour, die am 18. August in Hamburg starten wird, ist ein ungewöhnliches Jubiläum. „Am 31. August jährt sich zum 30. Mal der Tag, an dem sich mein Leben von einem Moment auf den anderen geändert hat“, erzählt Sitzmann. Damals war er zusammen mit seinem besten Freund auf dem Heimweg von einer Motorradtour. Auf einer Landstraße kollidierte der Freund, der am Lenker saß, mit einem Lastwagen. Während der Fahrer nur Prellungen und Schrammen bei dem Crash davontrug, geriet Sitzmann unter den LKW und verlor beide Beine. Für den damals 16-Jährigen folgten schwere Jahre, bis er endlich sein Leben im Rollstuhl annehmen konnte.

Die Liebe zum Sport brachte Sitzmann dann zum Handbiken. Mit den ersten Erfolgen stellte sich offenbar auch neuer Lebensmut ein. Florian Sitzmann ist mittlerweile dreifacher Deutscher Meister sowie Vize-Weltmeister auf dem Handfahrrad und hat an den Paralympics erfolgreich teilgenommen. Heute tourt er durch die Lande, hält Vorträge, und will mit seiner Gesichte als „halber Mann“ – wie sich Sitzmann selbst nennt – anderen Menschen zeigen, dass sie trotz Handycap Großes leisten können.

 

Bilder