Bestatter im Landkreis Kronach Die Angst vor dem toxischen Tod

Veronika Schadeck
Särge mit verstorbenen Corona-Kranken müssen besonders gekennzeichnet werden. Foto: picture alliance /Rolf Vennenbernd

Selbst wer tot ist, kann andere noch anstecken. Und wer Angehörige an das Virus verloren hat, muss auch danach noch auf Abstand gehen. Wie geht man damit um?

Landkreis Kronach - Die Corona-Krise hat die Arbeit der Bestatter stark verändert. Komplizierter ist der Umgang mit trauernden Angehörigen geworden, die auch infiziert sein können.

Covidinfizierte Verstorbene sind vereinzelt immer wieder dabei, erzählt Jürgen Pluschke vom gleichnamigen Bestattungsinstitut. Dennoch: Die Auswirkungen der Pandemie bekommen er und seine Kollegen nahezu täglich zu spüren. Man lebe mit der Angst einer möglichen Infektion, denn letztendlich weiß man nicht, ob der Verstorbene Corona hatte beziehungsweise, ob Angehörige mit dem Virus infiziert sind, ohne es zu wissen. „Ich habe jedenfalls großen Respekt vor dem Virus“, so Pluschke.

Seine Kollegin Brigitte Pabstmann von der Lothar Pabstmann Bestattungen OHG spricht in diesem Zusammenhang davon, dass es leider vorgekommen sei, dass Covid bei einem Verstorbenen von den Angehörigen verschwiegen wurde. „Das sollte eigentlich nicht vorkommen.“

In Schutzkleidung zum Toten

Erfahren sie und ihre Bestatterkollegen, dass es sich um einen Covid-19-Toten handelt, dürfen sie die Klinik beziehungsweise das Pflegeheim nur in Schutzkleidung betreten. Dazu zählen Schutzkittel, Handschuhe und FFP2-Maske. Der oder die Tote muss zudem in ein sogenanntes Bodypack gelegt werden oder in ein mit Desinfektionsmittel getränktes Tuch gehüllt werden. Die Verstorbenen dürfen weder gewaschen, angezogen, frisiert noch geschminkt werden. Außerdem wird der Sarg, wenn nötig, desinfiziert, darf nicht mehr geöffnet werden und wird als infektiös gekennzeichnet. „Das alles belastet die Angehörigen sehr“, sagt Jürgen Pluschke.

Es sei auch schwieriger geworden, den Wünschen der Angehörigen und dem letzten Willen des Verstorbenen gerecht zu werden. Jürgen Pluschke, Brigitte Pabstmann und Konrad Köstner sowie ihre Kollegen brauchen neben der Fachexpertise viel Empathie und Anteilnahme. Gerade zu Corona-Zeiten leiden die Angehörigen unter dem Gefühl, in der Stunde des Todes aufgrund von Inzidenzen und Kontakt- oder Besuchsbeschränkungen nicht an der Seite ihrer verstorbenen Angehörigen sein zu können. Das letzte Mal die vertraute Hand zu halten, ein letztes Streicheln über das Haar, vom Verstorbenen im offenen Sarg nochmals Abschied nehmen zu können – als das erlaubt das Infektionsschutzgesetz nicht in bisher gewohnter Form.

Mit Maske und Distanz

Normalerweise, erklärt Konrad Köstner, sei der Bestatter die erste Anlaufstelle bei einem Trauerfall. Vor Corona-Zeiten war man vor Ort, man drückte den Angehörigen das Beileid mit der Hand aus und führte die Gespräche. Jetzt werden Trauergespräche mit Maske und auf Distanz geführt. Da lässt sich die Mimik des Gesprächspartners nicht gut erkennen. Doch das sei gerade bei so sensiblen Gesprächen wichtig. Auch das Telefon und E-mail spielen zunehmend in der Pandemiezeit eine Rolle. Jürgen Pluschke: „Gestorben wird zwar ganz real, aber die Trauer und das Abschiednehmen wird wegen Corona zunehmend digitaler.“

Auch bei den Trauerfeiern selbst habe sich vieles verändert. Statt Gedenkgottesdienste mit einer Vielzahl von Verwandten und Freunden finden oftmals Beerdigungen wegen begrenzter Teilnehmerzahlen nur im engsten Familienkreis statt.

Feuerbestattung

Was die Anzahl der Sterbefälle betrifft, so meinen Brigitte Pabstmann, Konrad Köstner und Jürgen Pluschke übereinstimmend, dass im vergangenen Jahr mehr Sterbefälle zu verzeichnen waren. Fakt sei aber, dass in dieser Jahreszeit – und das war auch schon vor Corona der Fall – mehr Menschen als in den Sommermonaten sterben. Die große Mehrheit, so erzählt Konrad Köstner, entscheidet sich mittlerweile für eine Feuerbestattung.

Abgesehen davon, dass Pluschke und Köstner ihren Job nicht mehr in gewohnter Weise ausüben können, macht ihnen noch etwas anderes zu schaffen. „Gehören wir zu den systemrelevanten Berufen oder nicht? Gelten für uns künftig die 3G- oder die 2G-Regeln?“

Eines ist jedoch sicher, so Konrad Köstner: „Auch wenn Corona-Lockdowns und Einschränkungen das Land zeitweise lahmlegen – gestorben wird trotzdem und wir werden uns weiterhin um die Angehörigen und um den letzten Weg des Verstorbenen kümmern!“

 

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