Blick in die Geschichte Ein Dichter trifft Coburgs kluge Köpfe

Anlässlich einer Schenkung von Jean Paul-Briefen wirft der Leiter der Landesbibliothek ein Schlaglicht auf das intellektuelle Milieu in Coburg um 1800.

Originalbriefe von Jean Paul werden nach dem Vortrag ausgestellt. Foto: Landesbibliothek

Die Landesbibliothek Coburg lädt zur nächsten Veranstaltung der Reihe „Das historische Buch“ am Dienstag, 5. März, um 18.15 Uhr in den Andromedasaal von Schloss Ehrenburg ein. Dr. Sascha Salatowsky, Direktor der Bibliothek, wird unter dem Titel „Briefeinsichten. Jean Paul und das intellektuelle Milieu in Coburg um 1800“ anhand der jüngst erhaltenen Privatschenkung von fünf Briefen von und an Jean Paul in die geistigen Debatten der Residenzstadt um die Jahrhundertwende einführen. Der Eintritt ist frei.

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Um 1800 war in Philosophie, Theologie und Literatur, aber auch in den angrenzenden Wissenschaften vieles im Fluss. Die Aufklärung hatte sich auf breiter Linie in Stadt und Land durchgesetzt, auch wenn Bewegungen wie Sturm und Drang oder die Romantik kritische Fragen und Einwände formulierten. Auch in Coburg gab es diese Debatten. Nicht ohne Grund erhoffte sich Jean Paul, als er 1803 hierher zog, einen intensiveren geistigen Austausch, als er dies zuletzt in Meinungen erlebt hatte.

Schnell lernte er wichtige Personen wie den Staatsmann und Juristen Theodor von Kretschmann, den Philosophen und Bibliotheksdirektor Friedrich Karl Forberg und den Philosophen, Polizeidirektor und Hofrat Johann Andreas Ortloff persönlich kennen. Der Vortrag veranschaulicht das Netzwerk und lotet die möglichen Themenfelder der Gespräche vor Ort aus. Worüber wurde diskutiert? Wie lässt sich das intellektuelle Milieu in Coburg beschreiben? Im Anschluss an den Vortrag werden die Originalbriefe ausgestellt.

Jean Paul wurde 1763 in Wunsiedel als Johann Paul Friedrich Richter geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Studium der Theologie in Leipzig entwickelte er sich zum Shooting-Star und Frauenliebling der Literaturszene des späten 18. Jahrhunderts. Er führte ein bewegtes Leben und pflegte den Gedankenaustausch mit vielen Geistesgrößen seiner Zeit. Nach diversen Ver- und Entlobungen heiratete er Caroline Mayer in Berlin. Mit ihr und den drei Kindern lebte er 1803/1804 15 Monate lang in Coburg, bevor der Umzug nach Bayreuth die Wanderjahre der Familie beendete. Der Tod des Sohnes und Krankheiten verdüstern Jean Pauls Leben ab 1821, Grauer Star führt zu fortschreitender Erblindung, am 14. November 1825 starb er in Bayreuth.

2013 wurde frankenweit der 250. Geburtstag des illustren Dichters gedacht, der ein so umfangreiches wie sprachlich komplexes Werk hinterließ und als rastlos Suchender, geistreicher Universalist, Womanizer, Patriarch und bekennender Freund des fränkischen Gerstensafts auch posthum zu faszinieren versteht.