Bosch Rexroth Schweinfurt Stellenabbau fällt kleiner aus

Die Verhandlungen bei Bosch Rexroth zeigen Erfolge: Es gibt massive Investitionen und deutlich weniger Verlagerungen – zumindest in Schweinfurt.

Das Bosch Rexroth-Werk in Lohr am Main. Anfang November hatte das Unternehmen massiven Stellenabbau angekündigt. Foto: picture alliance / dpa/David Ebener

Am Ende intensiver Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung von Bosch Rexroth und den Arbeitnehmervertretern steht ein Erfolg für die Belegschaft im Betrieb Schweinfurt/Volkach: Es gibt massive Investitionen, deutlich weniger Verlagerungen und damit einhergehend erfolgt die Sicherung von Beschäftigung am Standort. „Der Betriebsrat konnte darauf hinwirken, rund 85 Stellen, die eigentlich verlagert werden sollten, in Produktion und Verwaltung in Schweinfurt beziehungsweise Volkach zu erhalten“, heißt es in einer Pressemitteilung der IG Metall Schweinfurt vom Montagnachmittag. Der vom Unternehmen im März angekündigte Stellenabbau sei demnach deutlich gesenkt – auf nun 153 Stellen, die zum großen Teil aufgrund von Digitalisierung und Automatisierung entfallen. Ursprünglich hatte die Geschäftsleitung geplant, 238 Stellen bei der Lineartechnik abzubauen. Der Abbau der verbliebenen 153 Stellen soll nun bis Ende 2028 sozialverträglich über Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen erfolgen, wie es weiter heißt.

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Sebastian Schierling, Betriebsratsvorsitzender von Bosch Rexroth in Schweinfurt, betont: „Dieser Erfolg zeigt, wie wichtig der Zusammenhalt und die aktive Beteiligung der Belegschaft sind. Durch die Einbindung der Beschäftigten in die Prozessverbesserungen und Modernisierungen konnten wir gemeinsam Lösungen finden, die den Erhalt von Arbeitsplätzen in Schweinfurt und Volkach sichern.“ In Umfragen und durch die starke Teilnahme am Aktionstag zu „SOS Kugellagerstadt“ im April und einer „bewegten Pause“ im November, einem bundesweiten Aktionstag zum Widerstand gegen Arbeitsplatzabbau bei Bosch Rexroth, hatte die Belegschaft ihrer Forderung nach dem Erhalt der Arbeitsplätze zusätzlich Nachdruck verliehen.

Hauptaugenmerk der Arbeitnehmervertretung war in den Verhandlungen der Erhalt der Wertschöpfung am Standort. Bei den Investitionszusagen konnte eine Verdreifachung im Vergleich zu den vergangenen Jahren vereinbart werden. Der Arbeitgeber verzichtet auf das Outsourcing des traditionellen Kernproduktes im Betriebsteil Volkach sowie auf eine Verlagerung von wesentlichem Produktionsvolumen der zukunftsträchtigen Systemmontage und der Schienenbearbeitung im Betriebsteil Schweinfurt. Außergewöhnlich ist die Rückführung von Anlagen und Maschinen aus Niedriglohnkostenstandorten nach Schweinfurt. Auch die feste Übernahme von Auszubildenden wurde im Zuge der Verhandlungen erneut vereinbart. Im Gegenzug wurde mit dem Arbeitgeber eine Vereinbarung zu Flexibilisierung abgeschlossen, welche Regelungen zu einer höheren Planbarkeit, Zusatzschichten und kürzeren Ankündigungszeiten enthält, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. „Mit diesen Maßnahmen ist die Basis für eine zukunftssichere Entwicklung von Bosch Rexroth in Schweinfurt und Volkach gelegt“, betont Betriebsratsvorsitzender Sebastian Schierling.

Forderungen auch für Standort Augsfeld

„Wir wünschen uns eine solche Kompromissbereitschaft auch bei anderen Betrieben, die Stellenabbau im großen Stil angekündigt haben“, betont Reiner Gehring, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt. „Durch die intensive Einbindung des Erfahrungswissens und der Ideen der Belegschaft bei Bosch Rexroth ist es gelungen, den Stellenabbau deutlich abzumildern. Zusätzlichen Druck darauf haben die Beschäftigten bei Aktionen der IG Metall Schweinfurt im Rahmen der Initiative „SOS Kugellagerstadt“ gebracht, mit der wir seit Monaten lautstark für die Zukunft von Industriearbeit in der Region eintreten.“

„Und klar ist: Wir werden den Druck weiter hochhalten, um auch in anderen Betrieben zu Lösungen kommen zu können“, sagt Gehring weiter. „Das Beispiel Bosch Rexroth Schweinfurt zeigt doch, dass der Standort Deutschland sehr wohl wettbewerbsfähig ist, wenn Anlagen und Maschinen aus sogenannten Niedriglohnkostenstandorten nach Schweinfurt zurückverlagert werden. Eine solche Verhandlungsbereitschaft wie in Schweinfurt fordern wir jetzt auch für den Bosch Rexroth-Standort in Augsfeld.“

Bosch Rexroth hatte Anfang November angekündigt, dass am Standort Augsfeld in den Haßbergen bis Ende 2027 insgesamt bis zu 135 Stellen – 98 direkte und 37 indirekte Arbeitsplätze – sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut werden sollen. Die Produktion an diesem Standort soll in Zukunft laut Unternehmen auf wenige Produkte spezialisiert werden. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung am Mittwoch erklärt, spüre Bosch Rexroth aufgrund der konjunkturellen und geopolitischen Herausforderungen seit einiger Zeit einen deutlichen Investitionsrückgang bei seinen Kunden. Neben Augsfeld werden auch in Elchingen bei Neu-Ulm und Horb am Neckar insgesamt 250 Stellen bis Ende 2025 wegfallen. Darin seien auch 15 Arbeitsplätze enthalten, die dem Hauptsitz von Bosch Rexroth in Lohr (Landkreis Main-Spessart) zugeordnet sind.

Vor drei Wochen hatte es bereits Protestaktionen in Augsfeld gegeben. Der Termin war schon seit längerer Zeit geplant, eigentlich um ein Zeichen der Solidarität mit den Rexroth-Standorten zu setzen, deren Stellenabbaupläne bereits bekannt waren. Unter dem Motto „Wir brennen für unseren Standort in Augsfeld“ wurde es eine Kundgebung in eigener Sache.