Breitbrunn Ärger um neue Steinbruch-Pläne

Der Bereich, wo der Abraum gelagert werden soll mit den Häusern des Finkenmühlweges im Hintergrund. Foto: Günther Geiling

Im vergangenen Jahr hatte es bereits Unmut im Hinblick auf die geplante Sandsteinerlebniswelt gegeben. Nun kam es zu einem erneuten Disput. Diesmal im Fokus: bisher offenbar nicht bekannte Pläne der Firma Graser.

Breitbrunn - Nur wenige Baupläne standen am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Breitbrunner Gemeinderates . Aber der Plan für die Erweiterung beziehungsweise für einen neuen Abbau von Sandstein westlich des alten Kellerbruches, unmittelbar vor der Ortschaft von Breitbrunn, führte zu großen Diskussionen, deren Standpunkte von einem „Schandfleck für die Ortschaft“ bis hin zu einer Identifikation als „Sandsteindorf“ reichten. Dem Bauantrag der Firma Graser wurde dann mit sechs zu sechs Stimmen das Einvernehmen verweigert.

Bürgermeisterin Ruth Frank informierte eingangs über das Projekt, mit dem die Firma “GVG Graser Vermögensgesellschaft“ neben dem alten Kellerbruch ein neues Sandsteinabbaugebiet schaffen will. Die Fläche des zu erweiternden Steinbruchgeländes würde rund 2,7 Hektar betragen und sich in zwei Bereiche unterteilen, den Abbaubereich mit etwa 2,3 Hektar und den Auffüllbereich mit rund 0,3 Hektar.

Im Bereich Ost dreht es sich um eine ehemalige Abraumhalde, die im Norden an die Staatsstraße 2274 angrenzt. Das neue Abbaugebiet würde im Bereich West an den „Steinbruchsweg“ grenzen. Die Erschließung soll über die tangierende Staatsstraße 2274 erfolgen, zuerst über den alten Kellerbruch, später soll eine weitere Zufahrt geschaffen werden.

Wie den Plänen zu entnehmen war, ist der Abbau des Werksteines gemäß der Plandarstellung in drei Abschnitte unterteilt, wobei für jeden der Abbauabschnitte eine Zeitspanne von 15 bis 20 Jahre vorgesehen ist. Der Abbaubereich umfasst 24 000 Kubikmeter, die Abbautiefe liegt bei mindestens sechs Metern und höchstens bei 18 Metern.

Die Bürgermeisterin las dann eine Stellungnahme von Gemeinderätin Margit Lang vor, die an der Sitzung nicht teilnehmen konnte. In der Erklärung hob diese hervor, dass mit dem Bauvorhaben das Orts- und Landschaftsbild, aber auch die Wohlfühlqualität in der Gemeinde ihrer Meinung nach negativ beeinflusst werde. Sie befürchte auch Probleme mit den Wassermassen im Finkmühlbereich. Es sollte, so die Ausführungen Langs, nicht nur das „Geschäftliche“ im Vordergrund stehen, sondern, dass man sich in einer Gemeinde wohlfühle und „von einem schönen Bild“ profitiere. So bat Lang darum, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen und auch der Bevölkerung Informationen darüber zu geben.

Dann erläuterte Martin Graser das Projekt, mit dem ein neuer Steinbruch geplant ist, der mit einer sechs bis acht Meter breiten Durchfahrt an die Erlebniswelt Fränkischer Sandstein angebunden werden soll. „Das Projekt haben wir schon lange als Verbindungsprojekt überlegt und es ist auch mit der ehemaligen Bürgermeisterin vorbesprochen worden“, erklärte Graser. Probleme der Wasserhaltung könnten einer Lösung zugeführt werden mit Gräben und Feuchtbiotop.

Auch die Abraumhalde auf der anderen Straßenseite sollte nicht das Problem sein, weil hier lediglich zwei „Bergnasen“ zusammengeführt werden. „Außerdem könnte dort später die Verkehrsfläche als Parkfläche angelegt werden.“ Auch der Lärmbelästigung trat er entgegen und meinte, dass es nichts anderes sei „als bei einem Traktor auf dem Feld“.

Frank Fella stellte fest, dass man bei der bisherigen Diskussion nur von einem kleinen „Schaubruch“ gesprochen habe, nicht aber davon, dass hier ein Steinbruch entstehen und damit eine „intensive Bewirtschaftung“ erfolgen soll – und das noch nahe an der Ortschaft. Dem könnte auch das Landratsamt nicht zustimmen. In Richtung der Firma nannte er es „befremdlich“, dass man bisher nur von einem „Schaubruch“ gesprochen habe und jetzt dieses neue Abbaugebiet präsentiere.

Auch Georg Kundmüller fand dieses Projekt am Ortseingang von Breitbrunn nicht gut. Die Anlieger an der „Utzstraße“ und am „Finkenmühlweg“ wären auch über Jahrzehnte davon betroffen. Die Utzstraße sei „nur 30 Meter entfernt und damit bekommen die Bürger schon neben ihren Vorgarten einen Steinbruch. Wir sollten bei solchen Vorhaben die Bürger mitnehmen und nicht über die Bürger hinweg entscheiden, zumal es keinen Vorteil für die Bürger bietet.“

Cynthia Derra sprach von einer baurechtlichen Entscheidung und deswegen sollte man den Flächennutzungsplan drüber legen. Außerdem befinde sich das Gelände im Landschaftsschutzgebiet und müsste erst hier herausgenommen werden. „Bisher hat man mit der Sandsteinerlebniswelt auch mit dem touristischen Aspekt geworben. Ein Steinbruch vor der Haustür steht nun im Widerspruch dazu.“

Wenn man das „Steinhauerdorf“ in die Waagschale werfe, dann sollte man auch sehen, dass die Bürger den alten Steinbruch nahe am Ort „schon lange aufgegeben haben“ und der Sandstein weiter weg „am Roßberg“ abgebaut werde. „Auch wir sollten uns auf unseren Ort konzentrieren. Da ist der vorgesehene Steinbruch zu nahe am Wohngebiet sowie am Ortsteil Hermannsberg. Er behindert zudem zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten.“ Nur dahin könne sich die Gemeinde nämlich noch entwickeln

Thomas Schlee sah einen solchen Steinbruch nicht als Nachteil an, der sich mit den Jahren wieder zum Positiven entwickeln werde. „Einen Schandfleck sehe ich da nicht und wenn wir derzeit über eine Fotovoltaikanlage mit der Größe von drei bis fünf Hektar reden, spricht niemand von Naturschutz.“

Dann bat Michael Lang aus der Bevölkerung, das Wort ergreifen zu dürfen, was mit Mehrheit beschlossen wurde. Lang betonte, dass er vor 30 Jahren hierher gezogen sei, weil er vom Landschaftsbild begeistert gewesen sei. Nun solle ein neuer Steinbruch entstehen, der das Ortsbild beeinflusse und sicher hätten daran die Bürger kein Interesse.

Erwin Hild meinte: „Ich habe für die Sandsteinwelten gestimmt, habe aber dabei nicht gewusst, dass hier ein Steinbruch entstehen soll. Das war auf keinem Plan zu sehen.“ Anna Schneider zeigte sich überrascht, da sie davon ausgegangen war, , dass nur die neuen Gemeinderäte nichts von diesem Projekt gewusst hätten. „Es war nur von einem Schaubruch die Rede, nicht aber von so einem Steinbruch.“

Dunja Virnekäs erinnerte daran, dass man schon bei den Sandsteinwelten die Bürger habe befragen wollen. Es sei schon längst eine Bürgerversammlung notwendig gewesen, denn der Bürger habe ein Recht auf Informationen. Dem entgegnete Andreas Fösel: „Wir sind gewählt. Wenn wir immer nur nach einer Bürgerversammlung fragen, brauchen wir keinen Gemeinderat.“

Bürgermeisterin Ruth Frank kam dann zum Geschäftsordnungsantrag, ob man den Bauantrag von der Tagesordnung nehmen soll. Dies wurde jedoch mit fünf zu sieben Stimmen abgelehnt. Deswegen kam es zu dem Beschlussvorschlag, dem Bauantrag das Einvernehmen zu erteilen und an das Landratsamt weiterzuleiten. Bei sechs zu sechs Stimmen wurde das aber abgelehnt. VG-Geschäftsleiter Matthias Klauda bat um Begründungen für die Ablehnung. Diese erfolgten aus dem Gremium mit einer negativen Beeinflussung des Orts- und Landschaftsbildes, der Beeinträchtigung der künftigen Entwicklung der Gemeinde und der Ausweisung von Bauland, Lärmbelästigung sowie der Erholungsfläche und dem Erholungswert am Ortsrand. Es wurde jedoch wiederum mit sechs zu sechs Stimmen abgelehnt, diese Begründung an das Landratsamt zu geben.

 

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