Brose Enttäuschung in Coburg

Zwar baut Brose gegenwärtig in Coburg ein Mitarbeiterparkhaus, aber der Großteil der Investitionen im „Masterplan 2030“ des Unternehmens fließt nach Bamberg. Foto: Frank Wunderatsch

Alt-OB Tessmer bedauert die Entscheidung, dass Brose in Bamberg investiert. Den Vorwurf, dem Unternehmen nicht entgegen gekommen zu sein, weist er zurück. Dagegen übt Hans-Herbert Hartan Grundsatzkritik am Stadtrat.

Coburg - Norbert Tessmer hat als Oberbürgermeister in den Jahren 2014 bis 2020 alles daran gesetzt, das Verhältnis zwischen Brose-Gesellschafter Michael Stoschek und Verantwortlichen der Stadt Coburg zu verbessern. In der letzten Phase der Amtszeit von Tessmers Vorgänger Norbert Kastner hatte es arg gelitten. Norbert Tessmer gelang es, dass sich die Stadt und Michael Stoschek wieder annäherten. Und OB Tessmer ließ keine Gelegenheit aus, um zu betonen, wie er sich über die im Dezember 2018 erfolgte Ankündigung von Brose-Mitinhaber Stoschek freute, am Stammsitz des Automobilzulieferers, in Coburg, zu investieren. Damals war von einem Betrag von 100 Millionen Euro die Rede.

Entscheidung für Bamberg

Seit Montag dieser Woche steht fest: Der Großteil dieser Summe fließt nach Bamberg, in Coburg bleibt nur der kleinere Teil davon. Norbert Tessmer, der jetzt Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat ist, bezeichnet die Entscheidung der Brose-Gesellschafter als bedauerlich. Insbesondere deshalb, „weil ich weiß, dass die Stadtverwaltung dem Unternehmen in den vergangenen Wochen und Monaten großes Entgegenkommen signalisiert und alles möglich gemacht hat, was möglich war“, damit Brose eine Erweiterung in Coburg umsetzen kann, die jetzt in Bamberg stattfinden wird (Neue Presse vom Dienstag). Tessmer weist damit den Vorwurf des Unternehmens zurück, das Engagement in Coburg sei auch an der „mangelnden Unterstützung“ von Stadtverwaltung und Stadtrat“ gescheitert.

Tessmer räumt ein, dass es leichter sei, die Bauvorhaben auf der „grünen Wiese“ in Bamberg mit deren guter Verkehrsanbindung umzusetzen, als in der Vestestadt. Trotzdem sei Coburg auf einem „guten Weg“ gewesen, damit Brose seinen „Masterplan 2030“ an seinem Stammsitz verwirklichen kann. Nur müsse man sich auch nicht darüber wundern, wenn die von den Grünen und den Altstadtfreunden angestoßene Diskussion über den Verkauf der Dieselstraße und die Fällung von Bäumen bei Brose für Verärgerung sorge (die NP berichtete).

Grundsatzkritik der CSU

„Wir bedauern nicht nur die Entscheidung der Firma Brose, den Standort Bamberg und nicht Coburg auszubauen und weiterzuentwickeln, sondern wir halten das aufgrund der nachgelagerten Konsequenzen und der Signalwirkung nach außen für katastrophal für Coburg und unseren gesamten Wirtschaftsraum“, erklärt Hans-Herbert Hartan, Vorsitzender der CSU/JC-Stadtratsfraktion. Man müsse kein Prophet sein, um zu erkennen, „dass mit dieser Entscheidung, mit dem Forschungs- und Technologiezentrum ein Herzstück des Unternehmens in Bamberg anzusiedeln, eine konsequente Verlagerung weiterer Bereiche von Coburg nach Bamberg, bis hin zur Geschäftsführung, in den nächsten Jahren folgen kann“. Dies werde Auswirkungen auf viele andere Bereiche nach sich ziehen „und unseren Wirtschaftsstandort auf Dauer nachhaltig schwächen“.

„Prioritäten verschoben“

In der Stadtratspolitik hätten sich „anscheinend einige Prioritäten verschoben“, so Hartan weiter. „Fahrradwege, Fahrradständer und Fahrradscheunen erfahren mittlerweile eine einseitige Prioritätensetzung gegenüber einer wirklich ausgewogenen Verkehrspolitik“. Dem Auto und dem Verkehr insgesamt sei der Kampf angesagt worden, „obwohl gerade diese Industrie für unseren Wohlstand steht und auch und gerade dort die notwendigen technischen Innovationen für die Bewältigung des Klimawandels und der Energiewende stattfinden. Auch der größte Gewerbesteuerzahler, die HUK, lebt vom Auto“, betont Hartan. Das „maximale Politikversagen in dieser Kette“ sei aus der Sicht der CSU/JC-Fraktion die Ablehnung des seit 30 Jahren geforderten und „endlich in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommenen und vom Bund finanzierten Ausbaus des Weichengereuth“ gewesen. Auch ein einstimmiger Beschluss der IHK-Vollversammlung und das Kreistages für den Ausbau hätten bisher keine Wirkung auf die Mehrheit des Coburger Stadtrates gezeigt. Es stehe aber zu befürchten, „dass ein Beibehalten dieser Haltung weitere nachhaltig negative Auswirkungen für unseren Wirtschaftsstandort entfalten wird“.

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