Wilga berichtet packend von vielen Tiefs und einigen Hochs, denn auch die gab es. Etwa, wenn sie auf wunderschöne, leuchtend grüne Oasen mitten im Outback stieß, plötzlich klares Wasser in einer Mulde entdeckte und davon trank, wenn bunte Vögel in Bäumen mit Wüstenblüten spielten oder sie einen einzelnen essbaren Pilz entdeckte. Die Tiefs waren aber teilweise so tief, dass sie nahe dran war, den Tod einfach kommen zu lassen.
Und dennoch: Sie überlebte. Welche Charaktereigenschaft ließ sie diese Qualen überstehen? "Ich würde sagen, meine Willensstärke. Die hatte ich schon immer, das würde auch meine Familie bestätigen", erzählte sie der dpa.
Schreiben als Therapie
Ihre Erinnerungen schrieb sie auf den Philippinen auf. Und das war gar nicht leicht, erzählte sie weiter. "Beim Schreiben musste ich ja die Leser mitnehmen und mich noch einmal zu 100 Prozent in die Situation hineindenken und -fühlen", betonte sie. Das sei ein ganz harter Prozess gewesen. "Gleichzeitig war es auch die beste Therapieform, die ich hätte haben können. In der sicheren Umgebung des Surfens und des Yoga auf den Philippinen konnte ich alles Erlebte herauslassen."
Heute lebt sie in einer eigenen Wohnung in Catrop-Rauxel. "Ich habe immer noch manchmal Alpträume", sagte sie. Dennoch hofft die Deutsche, irgendwann nach Australien zurückzukehren. "Das ist ein ganz großer Wunsch von mir. Aber dieses Mal würde ich die Routen genau planen, sie jemandem mitteilen und mich auch daran halten."
Reflexion über das Leben
Ihr Buch ist mehr als nur eine Erzählung der Qualen und des Überlebenskampfes geworden - es ist eine eindringliche Reflexion über das Leben und seinen Sinn, über die Bedeutung von Familie und Wurzeln, über Freiheit und ihre Grenzen sowie über die Natur, die sich manchmal unerbittlich zeigt, nur um dann wieder ihre Wunder zu offenbaren.
Und vielleicht ist genau das die größte Botschaft dieses Buches, wie Wilga im Gespräch mit der dpa betonte: "Nicht aufgeben. Egal, wie aussichtslos eine Situation scheint. Das Leben hat mich quasi gezwungen, weiterzumachen." Denn am Ende ist der Mensch viel stärker, als er in den dunkelsten Momenten glaubt.