Buchvorstellung in Kronach Berührende Lesung über starke „Migrant Mamas“

Ein Buch erzählt Lebensgeschichten. Besonders emotional wird es bei der Veranstaltung, als eine Frau aus Kolumbien ihre eigenen Erfahrungen schildert.

Melisa Manrique und Manik Chander erzählen über die Entstehung ihres Buches. Foto: Sabine Nuber

Auf großes Interesse ist die Lesung zum Buch „Mama Superstar“ im Café Kitsch in Kronach gestoßen. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement (KoBE) von Kronach Creativ und der Gleichstellungsstelle im Landkreis Kronach zu einem Abend voller persönlicher Geschichten, kultureller Vielfalt und bewegender Gespräche.

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Im Mittelpunkt standen – einer Pressemitteilung zufolge – die Erfahrungen von sogenannten Migrant Mamas, deren Lebensgeschichten im Buch aus der Sicht ihrer Töchter erzählt werden. Die Autorinnen Melisa Manrique und Manik Chander beleuchteten dabei Themen wie Identität, Sprache, Diskriminierung und gesellschaftliche Stereotype. Dabei war es ihnen sehr wichtig, mit einer Prise gesundem Humor auf die individuellen Erfahrungen zu schauen – nicht um das Thema zu beschönigen, sondern um den Fokus auf die Vorteile von Migration zu lenken.

Mit einem kurzweiligen Dialog zur Entstehungsgeschichte des Buches eröffneten die Autorinnen den Abend. Die beiden lernten sich während eines Auslandssemesters in Mumbai kennen. Schnell merkten sie, dass sie ähnliche Erfahrungen verbanden: Beide hatten sich als Kinder zeitweise für ihre Mütter geschämt – geprägt von gesellschaftlichen Vorurteilen gegenüber Migration und kultureller Andersartigkeit. Durch die gemeinsamen Gespräche über Herkunft, Identität und Familie entstand zwischen ihnen eine besondere Verbindung und eine starke gemeinsame Energie. Daraus entwickelte sich schließlich die Idee zu dem Buch „Mama Superstar“, das migrantischen Müttern Sichtbarkeit und Wertschätzung schenken möchte.

Besonders eindrucksvoll war die Diskussion darüber, dass viele Kinder aus Migrationsfamilien den Mehrwert des Aufwachsens zwischen verschiedenen Kulturen oft erst Anfang oder Mitte zwanzig erkannten – häufig dann, wenn sie selbst längere Zeit im Ausland verbrächten oder eigene Migrationserfahrungen machten. Auch die Bedeutung von Sprache spiele eine zentrale Rolle. Sprache sei eng mit Gefühlen verbunden. Nicht alles könne in den unterschiedlichen Sprachen, die man nutzt, ausgedrückt werden. Gedacht und geträumt werde dabei oft in der Ursprungssprache, gesprochen in der Sprache des Landes, in dem man lebt.

Deutlich wurde an diesem Abend auch, dass Rassismus alle gesellschaftlichen Schichten betrifft und in nahezu allen Migrationsfamilien Erfahrungen damit gemacht werden. Am traurigsten dabei sei die Erfahrung, dass über die Abwertung eines Landes, einer Kultur die eigene Identität diskriminiert wird.

Thematisiert wurde außerdem das gesellschaftliche Bild von „Migrant Mamas“. Während es oft als typische jugendliche Reaktion gelte, die eigenen Eltern peinlich zu finden, werde migrantischen Müttern dieses Stigma häufig von außen zugeschrieben.

Für einen besonders persönlichen Moment sorgte eine Familie aus Kronach: Eine Mutter aus Kolumbien berichtete gemeinsam mit ihren beiden Töchtern von ihren eigenen Erfahrungen. Viele ihrer Erlebnisse deckten sich mit den im Buch beschriebenen Geschichten. Besonders berührte dabei die Aussage einer der Töchter: „Meine Mama ist ein Superstar, weil sie stark ist. Wenn ich weine, weint sie mit – und dann lachen wir gemeinsam.“

Neben den Lesungen und Gesprächen sorgte die Projektgruppe Women Only mit kleinen kulinarischen Köstlichkeiten für einen passenden Rahmen. Die musikalische Umrahmung gestalteten Nina Eckl und Anna Arsenidze von der Berufsfachschule für Musik Oberfranken mit bewegenden Musicalsongs. Am Klavier begleitet wurden sie vom stellvertretenden Schulleiter Gio Abuladze.

Lisa Gratzke von der Gleichstellungsstelle und Sabine Nuber vom KoBE waren sich einig: „Die Veranstaltung zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Sichtbarkeit, gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung für unterschiedliche Lebensgeschichten in einer vielfältigen Gesellschaft sind. Wir sind dankbar und froh, dass mit dieser Veranstaltung im unmittelbaren Kontext zum Muttertag offenkundig wurde, wie Frauen, Mütter und Töchter mit Mut, Widerstandsfähigkeit, Spaß und Kreativität Großartiges leisten.“ Der Abend wurde gefördert aus Mitteln des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.