Bücherei des Jahres In Haßfurt hilft ein „Lesehund“

Christiane Reuther
Das Bibliotheks- und Informationszentrum (BIZ) Haßfurt erhielt die Auszeichnung „Bibliothek des Jahres 2021 in kleinen Kommunen und Regionen“. Mit Ausschlaggebend für die Auszeichnung war Lesehund „Groll“, der nicht nur Frauchen Denise Beck beim Vorlesen zuhört. Foto: /Christiane Reuther

Das Bibliotheks- und Informationszentrum (BIZ) in Haßfurt ist „Bibliothek des Jahres 2021“. Zu verdanken ist dies auch „Lesehund“ Groll: Der Vierbeiner hört leseschwachen Kindern zu und nimmt ihnen so die Angst.

Haßfurt - Das Bibliotheks- und Informationszentrum (BIZ) in Haßfurt erhielt die Auszeichnung „Bibliothek des Jahres 2021 in kleinen Kommunen und Regionen“. Der Feier im Silberfisch, die die Big Band des Regiomontanus Gymnasiums musikalisch ausschmückte, wohnten viele Gäste bei. Darunter war der vierbeinige Gast „Groll vom Höllental“. Er lauschte zu Füßen von Frauchen Denise Beck den huldvollen Worten, die während der Feier ausgetauscht wurden. Offensichtlich war es für den siebeneinhalb jährigen Deutsch Kurzhaar Rüden kein Problem, die Lobes- und Dankesworte in sich aufzunehmen. Denn „Groll“, wie er kurz genannt wird, hat sich unter Anleitung von Frauchen vom Jagdhund zum Lesehund ausbilden lassen und unter anderem einen Wesenstest absolviert.

„Der Hund ist der Star unter den Kindern“, erklärte Frauchen, die gleichzeitig BIZ-Mitarbeiterin ist, am Rande der Auszeichnung. In Kooperation mit Schulen und Kindergärten ist der Rüde seit zwei Jahren quasi im Nebenjob als Lesehund im Dienste der Bibliothek im Einsatz. „Groll“ hört leseschwachen Kindern zu und nimmt ihnen so die Angst vorm Lesen. Im Beisein des Hundes würden sich laut Frauchen bei den Kindern die Glückshormone schneller freisetzen als die Stresshormone. Man ist froh, das Projekt mit dem Lesehund gewagt zu haben – war dies doch wohl mit ein Ausschlag für die Auszeichnung, die ein Preisgeld in Höhe von 7000 Euro einschließt.

Die Auszeichnung überreichten Frank Mentrup vom Deutschen Bibliotheksverband und Ekkehard Winter von der Deutschen Telekom Stiftung am Samstagnachmittag an Bibliotheksleiterin Annelie Ebert. Mentrup hob die wichtige Rolle von Bibliotheken gerade in kleinen Kommunen und Regionen hervor: „Das BIZ Haßfurt hält mit seiner klugen und pragmatischen Arbeitsweise ein interessantes Angebot bereit, um die Menschen in seiner ländlich geprägten Region mit Medien, Informationen und Bildungsangeboten zu versorgen“. Ob mit seinem Bücherlieferdienst in zwei Dorfläden der Region, mit seiner „Bibliothek der Dinge“, bei der Gegenstände wie Nähmaschinen, E-Book-Reader, Action-Cams oder Laminiergeräte entliehen werden können, oder mit einer Multimediasäule mit zahlreichen Informationen für zugewanderte Menschen: „Diese Arbeit stellt ein vorbildliches Modell bibliothekarischer Arbeit im ländlichen Raum dar.“

Zur herausragenden Bildungsarbeit des BIZ ergänzte Ekkehard Winter: „Mit seinen Angeboten der Leseförderung, zu denen auch ein neu gegründeter Leseclub und ein Lesehund gehören, unterstützt das BIZ in vorbildlicher Weise Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Sprach- und Lesekompetenz. Die bereits mehrfach ausgezeichnete Schulbibliothek kooperiert systematisch mit Schulen und Kindergärten der Kommune und bietet den jeweiligen Klassenstufen angepasste und didaktisch aufbereitete Veranstaltungen an. Hier zeige sich, wie sinnvoll und erfolgreich die Kooperation von schulischen und außerschulischen Bildungspartnern – gerade auch in ländlichen Regionen – sein kann.“

Stellvertretender Landrat Oskar Ebert würdigte in seinen Grußworten das Engagement der BIZ Mitarbeiterinnen. Leistungen und Service der Bibliothek würden laut Ebert weit über das normale Maß hinausgehen. Grußworte aus der Ferne hatte Autor Markus Barth per Videobotschaft parat. Das BIZ ist seit Januar 1979 eine feste Einrichtung in der Kreisstadt Haßfurt. In ihrer Laudatio beschrieb Renate Ortloff, die ehemalige Kulturbeauftragte des Landkreises, stellvertretend für alle Kunden einen Besuch in der Bibliothek. Sowohl am Standort in der Stadt am Marktplatz, das sich laut Ortloff als „kulturelles Wohnzimmer der Stadt“ entpuppte, als auch am Schulzentrum würden jeweils gezielt für ein bestimmtes Publikum Medien bereitgehalten, um jede Nachfrage zu bedienen. Ortloff dankte der BIZ Leiterin Annelie Ebert und ihrem Team, die es ermöglicht hätten, dass das BIZ bereits in der Zukunft angekommen sei. Die BIZ-Leiterin bedankte sich am Ende der Veranstaltung für die Würdigung und Anerkennung jahrelanger Arbeit.

 

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