Bürgermeister-Appell Lieber kein Maibaum in diesem Jahr

Darauf wird man in Ebern wohl (mindestens) noch ein weiteres Jahr warten müssen: Maibaum-Aufstellen der Feuerwehr auf dem Marktplatz in geselligem Rahmen, hier aus dem Jahr 2018. Foto: Rudolf Hein/NP-Archiv

Die Bürgermeister im Landkreis Haßberge weisen auf die derzeit gültigen Bestimmungen hin und appellieren an die Vernunft. Auf öffentlichen Plätzen ist das Maibaumaufstellen sogar untersagt.

Kreis Haßberge - Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus: Traditionell zum Feiertag am 1. Mai werden auch in den Städten und Gemeinden im Haßberge-Kreis Maibäume aufgestellt. Bei Maibäumen handelt es sich um meist sehr hohe und bis fast obenhin entastete Bäume, die an zentralen Plätzen in der Dorf- oder Stadtmitte bei einer festlichen Veranstaltung mittels Muskelkraft aufgerichtet werden; in manchen Regionen geschieht dies auch zu Pfingsten. Im vergangenen Jahr schon musste diese Tradition wegen Corona in ihrem üblichen festlichen Rahmen ausfallen, und auch heuer weisen die Kommunen auf die derzeit geltenden Bestimmungen und die hohen Inzidenzzahlen im Kreis hin. „Die Corona-Pandemie führt auch hier zu deutlichen Einschränkungen, mit Auswirkungen auf das Brauchtum rund um den 1. Mai“, sagt Dieter Möhring, 1. Bürgermeister Aidhausen und Kreisvorsitzender des bayerischen Gemeindetages: So werden nach 2020 auch 2021 keine gemeinsamen Feste abgehalten werden können. „Allen, die einen Maibaum stellen möchten, empfehlen wir, noch einmal davon abzusehen“, sagt Dieter Möhring. Und: „Auf öffentlichen Flächen müssen wir es untersagen.“

Dabei seien auch die Regelungen nach der Coronaschutzverordnung zu beachten und hier insbesondere das sogenannte Ansammlungsverbot. „Danach dürfen sich nicht mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum zusammen aufhalten“, erklärt Dieter Möhring. Auch der Hygieneabstand von mindestens zwei Metern zu anderen Personen sei beim Aufstellen des Baumes einzuhalten. „Diese Vorgaben sind beim Maibaumstellen nur schwer zu realisieren“, so Möhring. „Kleine Bäume können möglicherweise von zwei Personen aufgestellt werden, aber oft sind es große Bäume, die unseren schönen und beliebten Brauch darstellen.“ Gerade hier sei Muskelkraft von mehreren Menschen gefordert – und die Einhaltung der vorgenannten Regeln mithin nicht umsetzbar.

Die Bürgermeisterin und Bürgermeister im Landkreis Haßberge appellieren gemeinsam an die Vernunft derjenigen, die das Aufstellen von Maibäumen durchführen. „Bitte sehen Sie davon ab, Maibäume zu stellen“ heißt es in dem Schreiben, das Bürgermeister Möhring im Namen seiner Kollegen am Mittwoch versandte. „Es ist nach wie vor wichtig, dass wir die Vorgaben nach der Coronaschutzverordnung einhalten. Wir können alle Menschen verstehen, die die beliebte Tradition auch dieses Jahr fortführen wollen, aber denken Sie bitte an Ihre Mitmenschen. Wir möchten unseren Weg weiterverfolgen und die Übertragungsketten brechen. Dazu ist es wichtiger denn je, Abstand zu halten. Wir bedanken uns ausdrücklich für Ihr Verständnis.“

Schon im vergangenen Jahr mussten die Maibaum-Freunde anderweitig kreativ werden. So schmückten kleine Maibäume stattdessen die Vorgärten. Im Zeiler Stadtteil Ziegelanger wurde ein „Ein-Mann-Maibaum“ berühmt, der lediglich im Familienkreis empor gerichtet worden war. Auch die Sander Maibaumfreunde begnügten sich mit einem Zehn-Meter-Baum statt der üblichen rund 25 Meter und schafften das Aufstellen zu zweit. Damals war man noch optimistisch, dafür in diesem Jahr die Tradition wieder in größerem Rahmen aufleben lassen zu können. Die Corona-Neuinfektionen im Landkreis Haßberge bleiben indes auf hohem Niveau: Am Mittwoch, 21. April, liegt die 7-Tages-Inzidenz bei 327,1. tnk

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