Bund Naturschutz: Amphibien starten mit Wanderung

Kaum wird es wärmer, gehen die ersten Amphibien auf Wanderschaft. Der Bund Naturschutz Coburg bittet Autofahrer um besondere Vorsicht. Foto: Dorothea Weiß

Steigende Temperaturen und Regen locken die Tiere aus ihrem Winterquartier. Der Bund Naturschutz bittet Autofahrer und Landwirte um Rücksicht.

Coburg - Milde Temperaturen, Regenfälle und kaum Bodenfrost lassen die ersten Kröten, Frösche und Molche auf Wanderschaft gehen. Ehrenamtliche vom Bund Naturschutz retten allein in Bayern jährlich über eine halbe Million Amphibien vor dem Straßentod. Auch in Coburg Stadt und Land werden wieder Amphibienzäune an Straßen aufgebaut. „Ohne dieses Engagement wären schon viele Populationen der bedrohten Tiere ausgestorben. Jeder kann mitmachen und Lurche retten“, sagt Dorotha Weiß vom Bund Naturschutz in Coburg. Helfende Hände heiße man stets willkommen. Gleichzeitig appelliert der Bund an die Autofahrer, jetzt besonders rücksichtsvoll zu fahren. Und auch Landwirte werden gebeten, auf Gülleausbringung und Wiesenpflege vor den Amphibienzäunen zu verzichten.

Ab einer nächtlichen Temperatur von circa 5 Grad Celsius und besonders bei regnerischem Wetter wandern die fortpflanzungsbereiten Kröten, Frösche und Molche zu ihren Laichgewässern. Dort finden Balz, Paarung und Eiablage statt. „Grasfrosch und Erdkröte sind sehr früh im Jahr unterwegs. Sie wandern zuerst. Teich- und Seefrosch marschieren etwas später los. Und dazu kommen noch andere Amphibienarten. Ganz genau lässt sich das aber nicht vorhersagen, denn auch Frost und Trockenheit können die Wanderung mehrmals unterbrechen.“, erklärt Dorothea Weiß.

Ganze Populationen gefährdet

Doch der Weg vom Winterquartier zu den Laichgewässern sei gefährlich. Oft müssten die Amphibien Straßen überqueren und liefen dabei Gefahr, massenhaft überfahren zu werden. Gerade im direkten Umfeld der Laichgewässer könne die Anzahl überfahrener Tieren so groß werden, dass die Existenz ganzer Populationen auf dem Spiel steht.

Um die Amphibien vor dem Straßentod zu schützen, helfen insgesamt 6000 Freiwillige und retten jährlich bis zu 700 000 Amphibien. Dort, wo sichere Durchgänge fehlen, werden Schutzzäune an Straßen aufgebaut. Kröten, Frösche und Molche wandern vorwiegend dicht am Zaun entlang und fallen dann in Fangeimer, die in regelmäßigen Abständen ebenerdig im Boden versenkt sind. „Die Amphibienretter leeren mehrmals täglich die Eimer, notieren die gefundenen Tierarten sowie deren Anzahl, und tragen die Lurche anschließend über die Straße. Dadurch können die Daten gut mit denen des Vorjahres verglichen werden“, begründet Dorothea Weiß.

Über die Jahre hinweg werde so deutlich: Die Tiere hätten es regional schwer, stabile Populationen aufzubauen. „Frühere Allerweltsarten, wie der Grasfrosch, werden immer weniger und andere Arten, wie die Gelbbauchunke, verschwinden gebietsweise ganz“, bedauert Weiß. Deshalb sei jede Hilfe wichtig. Wer die größte Artenschutzaktion auch in Coburg und im Landkreis unterstützen will – besonders in Weißenbrunn vorm Wald und Tiefenlauter werden weitere Helfer benötigt -, wendet sich an die Kreisgruppe Coburg im Bund Naturschutz, Telefon: 09561/9 57 62, E-Mail: amphibien@bund-naturschutz.de, Internet: www.bund-naturschutz.de.

Bitte an Landwirte

Nicht nur Straßen sind eine Gefahr für die Amphibienwanderung. Denn jedes Jahr falle die Hauptwanderzeit der Tiere bei stärkeren Regengüssen mit der Gülleausbringung und Wiesenpflege der Landwirte zusammen. Für die Tiere, die sich tagsüber in der Wiese verstecken, sei das Striegeln oder Walzen der sichere Tod. Gülle könne aufgrund der empfindlichen Amphibienhaut noch Tage nach der Ausbringung die Gesundheit der Tiere gefährden. Der BN bittet deshalb Landwirte, die Wiesenpflege und Gülleausbringung vor den Zäunen auf die Zeit nach der Amphibienwanderung zu verschieben. Landwirte könnten sich an den BN wenden, um sich zeitnah über die Wanderbewegungen an den einzelnen Übergängen zu informieren.

Autor

 

Bilder