Bunte Hingucker Ei, Ei, Ei – die Osterbrunnen

Pia Bayer

Allerorten sieht man sie derzeit wieder: bunt geschmückte Osterbrunnen. In Memmelsdorf warten gleich zwei auf. Ihren Ursprung hat die Tradition in der Fränkischen Schweiz.

Rot, gelb, grün-rot marmoriert, blau: Ostereier in allen Farben, dazu Hasen aus Holz, Moos, Findlinge und Girlanden. In Memmelsdorf mit seinen rund 500 Einwohnern gibt es seit Kurzem gleich zwei Osterbrunnen zu sehen. Neben dem Brunnen an der St. Bartholomäuskirche wurde heuer auch der Brunnen am 2011 neu benannten Gebrüder-Nordheimer-Platz in Gemeinschaftsarbeit neu gestaltet.

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„Die SPD ist Pate für die Bibelwegsfigur auf dem Nordheimerplatz und fühlt sich deswegen für den ganzen Platz etwas verantwortlich“, erklärt Manfred Michel, Vorsitzender des Ortsvereins. Nachdem er vor Weihnachten die Abdeckung und die Gestaltung der Krippe übernommen hatte, habe er die Gestaltung der Brunnen auch über Ostern weiterführen wollen, erklärt er weiter.

Nach wenigen Gesprächen fand sich schließlich ein kleiner Kreis engagierter Memmelsdorfer: Winfried Kremer sägte Hasensilhouetten aus Holz aus, seine Schwiegertochter Katrin Kremer organisierte eine Ostereiermalaktion mit Kindern der Gemeinde im Rahmen des Kindergottesdienstes, Karin Toni spendete einen Sack voller Holzeier und der Ortsverein sorgte für Farbe, weitere Ostereier und Pinsel. Schließlich wurden Moos und Steine auf einem neuen Holzgestell mit Dach auf dem Brunnen am Gebrüder-Nordheimer-Platz angebracht, die Holzhasen drapiert und Eier-Girlanden befestigt. Seitdem können die Memmelsdorfer gleich zwei farbenfroh geschmückte Brunnen in ihrem Dorf bewundern.

Der Brauch des Osterbrunnenschmückens reicht über hundert Jahre zurück und hat seine Wurzeln in der Fränkischen Schweiz (siehe Infokasten). Dem Osterwasser wurde damals eine besondere, magische Wirkung nachgesagt. So sollten zum Beispiel Kinder, die mit frisch geweihtem Wasser an Ostern getauft wurden, besonders klug werden. Das Trinken von Osterwasser schützte dem Volksglauben nach vor Krankheiten und wer das Osterwasser im eigenen Haus verspritzte, hielt Ungeziefer fern.

In Memmelsdorf selbst war es im letzten Jahrhundert noch Brauch „Osterwasser“ zu schöpfen, wie Lehrer Georg Düll in seiner Chronik für den Ort Memmelsdorf von 1932 beschreibt. Das Osterwasser galt als heilsam und segenbringend. Nach einer Zulassungsarbeit an der Uni Bamberg für das Fachgebiet Heimat- und Volkskunde aus dem Jahr 1986 sollte es zudem vor Krankheiten schützen, wenn man sich am Ostermorgen in der Alster wusch. Auch einen positiven Effekt auf die Haut erhoffte man sich davon. Sie sollte dadurch besonders schön und frisch werden. Hase und Ei spielen laut Düll seit jeher eine bedeutende Rolle zur Osterzeit als Symbole jungfrischen, keimenden Lebens und reicher Vermehrung. „Die vielen Farben der Eier deuten auf den bunten Schmuck der Erde im Frühling hin“, erklärt er weiter.

Sogar zwei alte Kinderreime zu Ostern haben sich über Düll aus der Region erhalten. Der eine lautet: „Drunten an der Gartenmauern/ hab ich sehn das Häslein lauern/ eins, zwei, drei, legt ein Ei/ lang wird’s nimmer dauern!“ Und der andere ganz im ostunterfränkischen Itzgründisch-Dialekt: „Ga, ga, ga, ga, gei! Dä Hos legt a Ei! Die Henne legt a Gackäla. Grüß di Gott, mei Wäckala!“

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Über das Brauchtum
 Die Tradition des Osterbrunnenschmückens hat ihren Ursprung in der Fränkischen Schweiz, hat sich mittlerweile aber in ganz Bayern und auch in anderen Bundesländern verbreitet. Durch das Fegen und Schmücken der Brunnen wollte man auf die Bedeutung des Wassers hinweisen. Denn die heute so selbstverständliche Wasserversorgung gab es nicht immer. „Aufgrund der geologischen Bedingungen des Fränkischen Juras, das hauptsächlich aus wasserdurchlässigem Dolomit- und Kalkstein besteht, existierten nur wenige natürliche Sammelstellen für das Wasser. Um der Wasserarmut entgegenzutreten, errichteten die Bewohner deshalb Brunnen und Zisternen“, erklärt eine Broschüre der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz zur Tradition des Osterbrunnenschmückens. Zudem gibt es christliche Interpretationen des Brauchs. In der neueren Forschung geht man allerdings von vor allem touristischen Motiven schon bei der Entstehung des Brauchs aus.  Ursprünglich wurden die Brunnen erst in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag geschmückt. Engelhardsberg im Landkreis Forchheim ist der letzte Ort, der an dieser Tradition festhält. Jedes Jahr ziehen die Engelhardsberger seit 1914 – dem Jahr, in dem die Wasserleitung errichtet wurde – im Dunkel der Osternacht hinaus und schmücken die drei Brunnen des Dorfes jeweils mit einem Fichtenbäumchen, das mit farbigen Bändern behangen wird, und einigen wenigen handbemalten Eierschalen, dem ursprünglichen Brunnenschmuck. Anschließend singt die Dorfjugend ein Lied.  Einer der größten Osterbrunnen der Welt steht in Bieberbach bei Egloffstein im Landkreis Forchheim. Er hat es mit 11 108 Eiern von Enten, Gänsen und Hühnern als Osterschmuck im Jahr 2000 sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. 2005 wurde der Rekord von Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz mit rund 13 000 Eiern und 2014 von der oberschwäbischen Gemeinde Oberstadion mit knapp 26 000 Eiern überholt.  1909 wurde der Osterbrunnen oberhalb des Aufsesser Schlosses im Landkreis Bayreuth laut mündlicher Überlieferung erstmals dekoriert. Er zählt damit als der am längsten durchgängig geschmückte Osterbrunnen.