Cartoon-Ausstellung in der Stadtbücherei Witzige Aufreger

Stefan Lintl alias Pfefferprinz stellt in der Stadtbücherei aus. Seine Cartoons sind frech, witzig und sollen natürlich provozieren. Doch es gibt Tabus.

Donald Trump thront auf der Kanonenkugel, die auf der zerrissenen amerikanischen Flagge munter hin- und herschaukelt, das Wort „democracy“ prangt auf dem angeschlossenen Sprengstoffzünder. Ein paar Zentimeter weiter bekommt Blondschopf Boris Johnson zwei Spritzen verabreicht, die ihn sichtlich leiden lassen: Eine beschriftet mit „no brexit“, auf der anderen prangt „reason“. Daneben befinden sich weitere Politiker in karikaturistisch festgehaltenen Situationen, über die man einfach herzhaft lachen muss und an denen man nicht nur eben mal so vorübergehen kann.

Bis zum 26. Juni sind 27 Cartoons des Regensburger Künstlers Stefan Lintl alias „Pfefferprinz“ unter dem Motto „Pikantes“ in der Coburger Stadtbücherei zu sehen. Dabei beschränkt sich der studierte Designer nicht auf rein Politisches, sondern greift in seinen kleinformatigen Werken auch das Alltägliche auf: Lebens- und Essverhalten der Gesellschaft, Prestigeobjekte, social media, die Impfkampagne und noch vieles mehr, was nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Und natürlich, so soll es ja sein, provoziert. „Das ist dann ein Kompliment, wie ein Schulterklopfen, wenn sich jemand aufregt“, erklärt er fröhlich, „das heißt ja, dass man sich mit meinen Werken auseinandersetzt.“ Und er fügt hinzu: „Ich transportiere ja immer meine eigene Sicht der Dinge nach draußen, ich zeichne nicht für mich, sondern für andere.“ Und doch gibt es Tabuthemen, die der Pfefferprinz nicht angeht: „Dazu gehört der Islam. Ich würde mir nie anmaßen, darüber etwas zu zeichnen, ich besitze viel zu wenig Informationen.“ Blasphemie liegt ihm, der früher Ministrant war, ebenfalls ferne, sehr vorsichtig zeigt er sich auch im Umgang mit Krieg und anderen Religionen. Seine feinsinnigen Cartoons und Karikaturen bestehen manuell lediglich aus der Bleistiftskizze, danach setzt sich Lintl an den Computer, koloriert, bearbeitet und gestaltet. „Ich bin sehr technikaffin“, erklärt er. Spontane Ideen hält er auf Zettelchen fest, die in eine Mappe gelegt und dann wieder herausgeholt werden können, „so gehen sie nicht verloren und Gedanken können auch reifen.“ Druck, etwas Festes zu einem bestimmten Zeitpunkt liefern zu müssen, kennt der Pfefferprinz nicht. „Ich lebe ja nicht davon, ich habe noch einen ‚Brotjob‘ im technisch-grafischen Bereich.“ Und doch hat er es mit seinen Karikaturen schon in das Satiremagazin „Eulenspiegel“ geschafft, mehrmals ausgestellt und auch erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen.

In Coburg bietet er über die VHS-Sommerakademie am 25. und 26. Juni jeweils von 10 bis 17 Uhr einen Workshop unter dem Titel „Comics & Cartoons zeichnen“ an. Ein Zeichengenie muss man dazu nicht sein, mit wenigen Strichen kann ein lustiger Comic-Charakter entstehen. Nähere Informationen und Anmeldung unter www.sommerakademie-coburg.de

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