Gorski spart auch sonst nicht mit Superlativen und spricht von einem "Leuchtturmprojekt" für Europa, Deutschland und die Region Dresden. "Das Leuchtturmprojekt steht für Innovation, technologische Souveränität und Größe." Dresden habe die größte Fabrik für intelligente Leistungshalbleiter in Europa und eine der größten weltweit. Man sei "ready".
Investition von fünf Milliarden Euro
Rund fünf Milliarden Euro hat das Werk gekostet, eine knappe Milliarde davon steuerte die öffentliche Hand bei. Fünf Milliarden Euro soll auch das Umsatzwachstum betragen, dass die neue Fab in Dresden beisteuert. Aktuell macht Infineon weltweit einen Umsatz von rund 16 Milliarden Euro. Das neue Werk in Kulim (Malaysia) soll weitere fünf Milliarden Umsatz bringen.
Gorski geht zwar davon aus, dass die Halbleiterbranche auch künftig von Konjunkturzyklen geprägt ist. Doch momentan sieht er die Zeichen nur auf Wachstum stehen. Er glaube, dass die langfristigen Wachstumstreiber Dekarbonisierung und Digitalisierung intakt sind, sagt der Manager und verweist auf den Boom an KI-Rechenzentren.
KI-Investitionen beleben das Geschäft
"Alleine dieses Jahr werden da mehr als 700 Milliarden US-Dollar investiert in den großen Hyperscalern. Die Kundenaufträge bei uns gehen ein. Man sieht, dass künstliche Intelligenz mehr und mehr Einzug hält in das private Leben, aber natürlich auch in die geschäftlichen Betriebe", begründet Gorski seinen Optimismus.
Der Produktionsvorstand schaut dabei auch über den Infineon-Tellerrand hinaus. "Wir tragen dazu bei, Europas Rolle als Halbleiterstandort deutlich zu stärken (...). Die KI-Rechenzentren, die aktuell in der Welt entstehen und geplant sind, würden 2030 doppelt so viel Strom verbrauchen wie heute schon - in Summe genauso viel wie die gesamte Bundesrepublik Deutschland.
Energiepreise nicht der entscheidende Kostenfaktor
Einen Wettbewerbsnachteil gegenüber asiatischen Herstellern sieht Gorski nicht. Energie sei in Deutschland im internationalen Vergleich zwar teuer. "Das ist ein wichtiger Kostenfaktor, ist aber nicht der entscheidende Kostenfaktor." Der Energiekostennachteil lasse sich durch Größenvorteile, durch Automatisierung und durch Scheibendurchmesser definitiv ausgleichen.
Hinzu kommt ein Qualitätsargument. "Wir haben Ausfallraten von wenigen Stücken pro einer Milliarde ausgelieferter Produkte. Diese Qualität schätzen unsere Kunden weltweit, auch in China", betont Gorski. Im Automobilbereich sei Infineon die Nummer 1 - weil man einerseits technologisch führend sei, aber auch auf der Qualitätsseite viel mehr bieten könne.
Nächstes Chipwerk schon am Dresdner Horizont sichtbar
Mit der Investition von Infineon wächst das Silicon Saxony - Europas größtes Halbleitercluster - weiter. Mit ESCM unter Federführung des taiwanesischen Branchenriesen TSMC wächst im Norden von Dresden bereits die nächste Chipfabrik in den Himmel. Infineon ist hier neben Bosch und NXP Partner. ESMC (European Semiconductor Manufacturing Company) soll 2027 fertig sein.
Für den Dresdner Infineon-Geschäftsführer Thomas Richter ist diese Konzentration nicht zufällig. Er sieht hier ein großes "Gravitationsfeld". Für Attraktivität sorge nicht alleine die Industrie, sondern auch die Wissenschaft mit einer großen Dichte an Universitäten, Hochschulen und Instituten. Inzwischen sei hier das größte Cluster der Branche in Europa und das fünftgrößte weltweit. Schon heute komme jeder dritte in Europa produzierte Chip aus Dresden.