Coburg An fehlender Liebe liegt es nicht

Silhouetten zweier Menschen zeigen häusliche Gewalt. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Symbolbild

Die "Mama mit dem Gürtel" schweigt weiter vor Gericht. Ein Betreuer des Jugendamts aber stellt ihr kein vernichtendes Zeugnis aus.

Coburg - Eine 28-Jährige aus Coburg soll eine ihrer beiden Töchter mit einem Gürtel grün und blau geschlagen haben. Doch wie war das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter wirklich? Und könnten die Hämatome auch anderswoher stammen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Jugendkammer des Landgerichts Coburg am Montag.

Der Fall kam bereits im Dezember vergangenen Jahres vor das Coburger Amtsgericht. Die Verhandlung endete mit einem Schuldspruch: Ein Jahr und sechs Monate Haft, allerdings auf Bewährung ausgesetzt, nachdem die Mutter bislang nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Die Mutter kommt aus zerrütteten Verhältnissen. Nach ihren Angaben ist sie ohne Eltern aufgewachsen. Zu ihrer Mutter und ihrem Vater bestehe bis heute kein Kontakt. Auch mit der Großmutter habe sie sich überworfen. Zu den Tatvorwürfen schweigt die Angeklagte bislang (die Neue Presse berichtete).

Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Halves befragte einen vom Jugendamt bestellten Betreuer. Der stellte der Angeklagten ein gutes Zeugnis aus. Er habe "kein ungutes Gefühl" im Umgang mit der Mutter, ihren beiden Töchtern und anderen Familienangehörigen gehabt. Die Tochter, die von ihrer Mutter geschlagen worden sein soll, leide unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS). Die Mutter habe sich mit einer Medikamentenbehandlung einverstanden gezeigt. Die Medikamente würden ihrer Tochter helfen. Bislang habe er sich immer auf das Mitwirken der Mutter verlassen können. "Dass zwischen Mutter und Tochter eine Liebe da ist, würde ich nicht in Abrede stellen", meinte der Zeuge. Allerdings habe die Mutter ein Problem, dies zu zeigen. Es sei immer einmal wieder vorgekommen, dass er blaue Flecken an der Tochter bemerkt habe. Ob sie dazu eine Neigung habe und woher sie stammten, könne er freilich nicht beurteilen.

Bei einer Jugendfreizeit auf die blauen Flecken angesprochen, habe das Mädchen gesagt, es sei vom Fahrrad gefallen. Nachdem die Hämatome aber am ganzen Körper verteilt gewesen seien, sei diese Erklärung wenig glaubwürdig gewesen. Ein der Betreuerinnen habe gehört, wie die Schwester des Mädchens im Vorbeigehen gesagt habe, sie solle doch zugeben, wie es wirklich gewesen sei. Es sei "die Mama mit dem Gürtel" gewesen. Mathias Mathes

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