Coburg Auftakt am Gebäude 9

Mit dem Umbau der Kühlhalle am ehemaligen Schlachthof beginnt in Coburg etwas ganz Großes. In ein paar Tagen folgt nur wenige Meter weiter der Spatenstich fürs Globe.

Coburg - Am Kühlhaus des 2013 geschlossenen Schlachthofes fiel am Donnerstag der offizielle Startschuss für die Entwicklung des zukünftigen Prinz-Albert-Campus und damit des gesamten Güterbahnhofareals. Hier, wo 1880 der städtische Schlachthof in Betrieb gegangen war, soll in Zukunft Unternehmergeist, Kreativität und vor allem viel Digitales einziehen. 5,5 Millionen Euro investiert die Stadt in den Umbau der alten Kühlhalle, "Gebäude 9" genannt.

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Die Stationen

1880 ging der städtische Schlachthof in Betrieb.

2013 wurde die Einrichtung geschlossen.

2018 entschied der Stadtrat, die Kühlhalle für die Hochschule und Zukunft.Coburg.Digital umzubauen. Noch im selben Jahr startete die Ausschreibung.

2019 liefen Voruntersuchungen.

2020 bekam die Baufirma Raab den Zuschlag für den Umbau.

Am 8. Oktober erfolgte der offizielle Baubeginn.

"Hier wird nicht abgerissen, sondern umgestaltet - was auch eine Frage der Nachhaltigkeit ist", betonte Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig. Altes werde neu interpretiert, "so entsteht ein Ort mit spezieller Atmosphäre für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und das Entstehen von kreativen Ideen, die die Stadt voranbringen werden", zeigte sich der OB sicher.

In der Kühlhalle sollen bis Frühjahr 2022 das Digitale Gründerzentrum Zukunft.Coburg.Digital sowie die Innovationsplattform Creapolis einziehen. Letztere versteht sich als Verbindung zwischen Hochschule Coburg und Wirtschaft. Beide Einrichtungen sind bisher als Übergangslösung in der Schlachthofvilla gegenüber untergebracht. "Sie finden hoffentlich in rund einem Jahr in der Kühlhalle eine tolle, neue Heimat für die Verwirklichung ihrer Ziele und damit auch für die Bindung von jungen, kreativen Menschen in unserer Stadt", so Sauerteig.

Der Baubeginn sei gleichzeitig auch Startschuss für die gesamte Entwicklung des umliegenden Gebietes. "In nicht einmal zwei Wochen erfolgt ein paar Meter weiter der Spatenstich für das Globe", freute sich Sauerteig. Außerdem werde die Pakethalle ertüchtigt und auch der Baubeginn für das Globe-Parkhaus würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. "Wir werden sehen, wie sich dieses gesamte Areal mit Leben füllt. Stück für Stück", versprach der OB.

Stephan Horn, Geschäftsführer der Coburger Wirtschaftsförderung (Wifög), bekannte: "Heute geht ein Wunsch in Erfüllung." Die Planungen hätten fast drei Jahre gebraucht, ein halbes davon sei Corona geschuldet gewesen. 2018 war das Schlachthofgelände außerdem kurz davor, an einen privaten Investor veräußert zu werden. Der Stadtrat hatte dann aber entschieden, das Areal doch nicht aus der Hand zu geben und die Wifög mit der Entwicklung zu beauftragen.

"Es war ein wirklich langer Weg und ein, zwei Mal hatte ich die Befürchtung, dass wir ihn nicht erfolgreich zu Ende bringen", bekannte Peter Cosack, Leiter des Hochbauamtes. Mit der Firma Raab hätte man aber einen Partner gefunden, der sich auf das Wagnis eingelassen hat.

"Ich habe das Gefühl, von Coburg werden wir immer gerufen, wenn es schwierige, eigentlich unmöglich erscheinende Projekte gibt, die einen vielseitigen und vor allem mutigen Partner benötigen", begann Gisela Raab, die Geschäftsführerin der Baufirma Raab, ihr Grußwort. Auf Initiative von Professor Auwi Stübbe sei sie überhaupt erst auf die Idee gekommen, sich für den Umbau zu bewerben. "Wir bauen mit unserer schlüsselfertigen Abteilung eigentlich ausschließlich eigene Projekte, mit Ausnahme mal für gute Freunde und Geschäftspartner."

Die Stadt Coburg muss mittlerweile ein guter Freund und Geschäftspartner sein. Denn Raab ging in erhebliche Vorleistung. Bis zur Angebotsabgabe seien bereits Kosten von weit über 100 000 Euro aufgelaufen. "Die Planungsentschädigung, wenn der Auftrag nicht an uns gegangen wäre, hätte dabei lediglich 1500 Euro betragen", so Gisela Raab. Für so viel Mut gab es auch Dank von den zukünftigen Nutzern. "Ein Ort, an dem Ideen und Träume wahr werden", freute sich Jochen Flohrschütz, Geschäftsführer von Zukunft.Coburg.Digital. Von einem "dritten Campus" sprach Aileen Funke, Vizepräsidentin der Hochschule.

In Vertretung des Landrates war Christian Gunsenheimer gekommen, der vom Erfolg des digitalen Gründerzentrums in Rödental berichtete. "Schon vor der offiziellen Eröffnung haben wir einen Belegungsgrad von 90 Prozent", verriet er. "Wir finden klasse, dass heute auch in Coburg der Startschuss fällt." Der Prinz-Albert-Campus in Coburg und der Victoria-Campus, wie das Areal in Rödental genannt wird, seien alles andere als eine Zweckgemeinschaft. "Sie sind eine innige Verbindung", so Gunsenheimer.