Coburg Beim Kampf wuchs die Liebe

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Bianca Will und Falcão mit Söhnchen Mauricio auf dem Weg zum Capoeira-Training. Foto: Henning Rosenbusch

Vor sieben Jahren beginnt die Coburgerin Bianca Will mit Capoeira-Training. Als Professor Falcão die Gruppe übernimmt, verlieben sich die beiden.

Coburg - Seit Claudiano Josè dos Anjos, wie Professor Falcão genau genommen heißt, bei ihr eingezogen ist, steht Bianca Wills Wohnung voller Sambatrommeln und Musikbogen. "Und jetzt werden hier auch noch Kürbisse gezogen für die Berimbaus", sagt die 37-Jährige und lacht. Berimbau heißt der Musikbogen, der bei der brasilianischen Kampfkunst Capoeira verwendet wird. Er hat einen getrockneten Kürbis als Klangkörper und wird von ihrem Lebensgefährten selbst angebaut.

Die beiden sind seit rund sechs Jahren ein Paar. Kennen und lieben gelernt haben sie sich beim Capoeira-Training. "Er hat mir sofort gefallen, auch seine geduldige Art, mit der er die Dinge erklärt", erinnert sich Bianca Will. Direkt unter ihrer Wohnung findet das Capoeira-Training statt. Gemeinsam mit ihrem heute 15-jährigen Sohn Luca habe sie anfangs am Fenster gestanden und begeistert zugeschaut. Beide haben sie dann ebenfalls mit Capoeira angefangen. "Das war knüppelhart, ich hatte solchen Muskelkater", schildert sie. Nach einem Jahr löste sich die Gruppe auf, bis schließlich ein neuer Trainer kam: Professor Falcão. "Ich lebte damals in der Nähe von Frankfurt und wurde gefragt, ob ich für zwei Tage in der Woche in Coburg Kurse leiten könnte", sagt er. Ab Januar 2012 pendelt er also zwischen den beiden Städten. Und erlebt in Coburg sein erstes Sambafestival. "Das war gigantisch, drei Tage voller Sonne und Samba und das außerhalb Brasiliens in Deutschland." So wurde das Sambafestival für das junge Paar zum Sinnbild ihrer Beziehung, zur Verbindung von Biancas Heimat Coburg und Falcãos Geburtsland Brasilien. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander. "Sie hat mir beigebracht, wie man kocht, das konnte ich vorher nicht", verrät Falcão. Bei einem Wochenendausflug nach Österreich schließlich fiel dann für ihn spontan die Entscheidung, seinen Lebensmittelpunkt ganz nach Coburg zu verlagern. "Er sagte: Weißt du was, ich hole meine Sachen und bleibe da", erinnert sich Bianca Will. Seither vermischen sich in ihrem Leben Brasilien und Deutschland, ist sie mit ihrem Partner zu einer Familie geworden. Den bisherigen Höhepunkt bildete die Geburt des gemeinsamen Sohnes Mauricio vor drei Jahren. "Das hat uns vier nochmal enger miteinander verbunden", sagt die Ergotherapeutin, die inzwischen als Abteilungsleiterin für die Coburger Turnerschaft die Betreuung der Capoeira-Gruppe übernommen hat.

Im Sommer wird Falcão zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder nach Brasilien fliegen, um dort seine Mutter zu besuchen. Sie war nach der Geburt von Mauricio in Deutschland und bei der Taufe des Enkels dabei. Im nächsten Jahr dann plant die ganze Familie in den Schulferien eine mehrwöchige Reise nach Brasilien. Natürlich erst nach dem Sambafestival. "Das ist das einzige Wochenende, wo wir uns immer komplett freinehmen", sagt Bianca Will. Während ihre Mutter sich um die beiden Kinder kümmert, genießt sie mit Falcão zwischen den Auftritten der Capoeira-Gruppe das Flair beim Samba in der Coburger Innenstadt.

Lesen Sie am Dienstag: Ein Paar aus der Schweiz entscheidet sich am Freitagmittag spontan nach Coburg zu fahren. Neun Stunden später sind sie bei der Festival-Eröffnung dabei.

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