Coburg Bruno Dietze schließt in Coburg

Das Traditionsunternehmen stellt seinen Betrieb zum Jahresende ein. Betroffen sind knapp 50 Mitarbeiter. Kritik kommt von der IG Metall.

Coburg - Im nächsten Jahr hätte die Firma Bruno Dietze in Coburg ihr 100-jähriges Bestehen feiern können. Das Jubiläum wird es nicht geben. Das Unternehmen, das 1921 in der Vestestadt gegründet wurde, schließt zum 31. Dezember 2020. Dies bestätigte Christian Voigt, kaufmännischer Leiter der Firma in Creidlitz, der Neuen Presse am Montag auf Anfrage. Grund sei das rückläufige Geschäft im Bereich der Beleuchtung. Bruno Dietze ist am Standort Coburg auf Stromzuführungen von Leuchtkörpern spezialisiert.

Firmengeschichte

1921: Bruno Dietze und Gustav Brückner gründen in Coburg die Firma Brückner & Dietze. Sie entwickelt und fertigt Maschinen für die Lichtindustrie.

1931: Bruno Dietze trennt sich von Gustav Brückner und fokussiert sich auf das Geschäft mit Stromzuführungen. In dieser Epoche umfasst das Unternehmen Betriebsstätten in Wien, Paris, Turin und London.

1960: Dr. Wolfgang Dietze, der das Unternehmen in zweiter Generation führt, gründet die Eldur AG in Maienfeld. Die Schweizer Betriebsstätte ist heute Hauptsitz der Dietze Gruppe.

1989: Werner Dietze, der das Unternehmen in dritter Generation führt, akquiriert die im Kontaktstiftbereich führende Elbik GmbH. Die Steckverbinder werden zu einem Eckpfeiler der Gruppe und vor allem in der Automobil-Industrie eingesetzt.

1996: Um dem nordamerikanischen Lichtmarkt besser dienen zu können wird die Eldur Corporation in Bangor gegründet, der drittgrößten Stadt des US-Bundesstaats Maine.

2000: Dietze gründet die Eldur Electronic Components Co. in Shanghai, die in großem Volumen gestanzte Teile für SMD-Dioden fertigt.

2005: Eldur Slovakia k.s. wird in Nesvady ins Leben gerufen um die Dietze-Gruppe im Lichtmarkt zu unterstützen.

2006: Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten wird die Firma GMV Steinach akquiriert. Glas-Metall-Lösungen entwickeln sich zum dritten Eckpfeiler der Dietze-Gruppe.

2020: Die Dietze-Gruppe schließt ihren Standort in Coburg.

Werkleiter Manfred Meyer geht ins Detail. In erster Linie stelle Dietze Stromzuführungen für konventionelle Leuchtmittel her, von der Glühbirne bis zur Neonröhre. Diese Produkte seien stark rückläufig und würden mit LED-Leuchten ersetzt. Das zweite Standbein von Dietze in Creidlitz sind Kontaktstifte, die hauptsächlich in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Auch hier verzeichne das Unternehmen mittlerweile ein großes Defizit, so Meyer. Dies liege an ausbleibenden Aufträgen der Automobilindustrie, die schon vor der Corona-Pandemie Probleme gehabt habe und ebenfalls auf LED-Technik umstelle. Vor sieben Jahren habe Dietze begonnen, sich mit Glasdurchführungen, die elektrische Verbindungen unter anspruchsvollen Bedingungen wie hohe Temperaturen, hoher Druck oder aggressive Medien herstellen, einen neuen Markt zu erschließen. Das sei relativ gut gelaufen, habe aber nicht den Rückgang im Bereich der traditionellen Dietze-Produkte ausgleichen können. "Das ist uns leider nicht gelungen", räumt Manfred Meyer ein.

Von der Schließung sind knapp 50 Mitarbeiter betroffen. Jürgen Apfel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Coburg, kritisiert den Umgang von Dietze mit den teilweise seit Jahrzehnten im Unternehmen Beschäftigten. Die unternehmerische Entscheidung der Dietze-Gruppe mit ihrer Zentrale in Maienfeld in der Schweiz, den Standort Coburg zu schließen, müsse die Gewerkschaft hinnehmen. Man habe aber alles versucht, für die Mitarbeiter gerechte Abfindungen auszuhandeln. "Uns ist gesagt worden, es sei kein Geld für einen Sozialplan vorhanden", erläutert Jürgen Apfel. Man könne nur darüber spekulieren, warum finanzielle Mittel aus Coburg abgezogen worden sind und in andere Betriebe der Dietze-Gruppe geflossen seien. Die IG Metall habe als letztes Mittel die Einigungsstelle angerufen, habe aber auch hier erfahren müssen, "es ist kein Geld da". Werner Dietze, Mitglied des Verwaltungsrats der Dietze-Gruppe, hätte nach Auskunft von Jürgen Apfel den Sozialplan aus seinem Vermögen finanzieren müssen, sei dazu aber nicht bereit gewesen. Man habe sich lediglich darauf einigen können, dass jeder Beschäftigte, der nicht gegen seine Kündigung klagt, eine Einmalzahlung von 3500 Euro erhält. "Das halte ich für einen Skandal", sagte IG-Metall-Bevollmächtigter Apfel der NP am Montag. "Man kann die unternehmerische Entscheidung treffen, einen Standort zu schließen. Aber wenn kein Geld mehr da ist für einen Sozialplan, dann fehlen mir die Worte, das ist für die Betroffenen ein Schlag ins Gesicht." Mit sozialer Verantwortung eines Unternehmers "hat das aus meiner Sicht nichts zu tun", so Apfel. Abfindungen würden Geld kosten, aber dagegen stehe, dass viele Beschäftigte jahrzehntelang für das Unternehmen Bruno Dietze gearbeitet und Gewinne erwirtschaftet hätten.

 

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