Coburg Demo soll Vorbild für Klimaschutz werden

Das Demo in Coburg soll ein Modellprojekt werden, das beispielhaft dem Klimawandel entgegenwirkt. Foto: NP-Archiv/Hochbild Franke

Die Stadt plant am Heimatring ein Gesamtkonzept, das beispielhaft dem Klimawandel entgegenwirken soll. Es sieht unter anderem kurze Wege und zeitgemäßes Wohnen vor.

Coburg - Taugt das aus den Sechzigerjahren stammende Wohnquartier Demo am Heimatring als „Demonstrativvorhaben zum Klimaschutz“? Ja, befand einmütig der Senat für Klimaschutz, Mobilität und Energie der Stadt Coburg auf seiner jüngsten Sitzung. Die Verwaltung soll nun ein ganzheitliches und zukunftsweisendes Konzept zur Umsetzung des Vorhabens entwickeln.

„Pilotcharakter“

Mitte Februar 2020 hatten die Stadtratsmitglieder Petra Schneider (SPD), Gerhard Amend (CSB) und Hans-Herbert Hartan (CSU/JC) ein solches Modellprojekt für das Demo beantragt. Vom Gremium im Mai 2020 in den Geschäftsgang verwiesen, wurde der Antrag mit Fachämtern wie mit der Regierung von Oberfranken erörtert. Aus Bayreuth sei Interesse an der Weiterentwicklung des Areals bekundet worden, falls ein schlüssiges Gesamtkonzept vorliege, informierte Bau-Stadträtin Mechthild Neumann. Die Stadt habe ihrerseits den „Pilotcharakter“ des Projekts herausgestellt: „Nach ersten Gesprächen wurde sehr deutlich, dass die Gebäudesanierung nur eines von vielen Handlungsfeldern darstellt.“ Neben der in die Jahre gekommenen Bausubstanz müssten auch soziale wie infrastrukturelle und Aspekte einer „klimaresilienten Quartierentwicklung“ einfließen.

Zwölf Handlungsfelder wurden identifiziert: ruhender Verkehr („hoher Parkdruck“), Mobilität, Infrastruktur und Nahversorgung, zeitgemäße Wohnformen, Innenentwicklung, Grünflächen und Freizeitangebote, Klimaresilienz, Gebäudesanierung, Quartiersmanagement, Erneuerbare Energien, sozialverträgliche Sanierung, Bürgerbeteiligung.

„Schwammstadt“

Inzwischen benötigen laut Neumann viele Bewohner einen dritten Parkplatz. Der Schere zwischen Bedarf und Angebot an Stellplätzen soll mit nachhaltigen und zukunftsgerichteten Mobilitätskonzepten begegnet werden, um eine Versiegelung wertvoller Grünflächen zu verhindern. Mit Schaffung einer quartiersbezogenen Ladeinfrastruktur könnten E-Car- und E-Bike-Sharing Systeme, unterstützt von einem attraktiven Busangebot, mittel- bis langfristig eine Umstellung auf E-Mobilität und die Reduzierung des Individualverkehrs „auf ein verträgliches Maß“ erreichen. Erhalt und Ausbau öffentlicher Einrichtungen wie Nahversorgung mit Lebensmitteln und Dienstleistungen würden kurze Wege und so weniger CO2-Ausstoß ermöglichen. Für dauerhaften Verbleib der Bewohner im Quartier könnten generationsübergreifende und barrierefreie Wohnformen sorgen. Neubauten, Aufstockungen und Anbauten („Nachverdichtung“) würden gleichzeitig einen vorbildhaften Städtebau wie eine Balance zwischen bebautem und freiem Raum schaffen („doppelte Innenentwicklung“). Verhinderung weiterer Versiegelung, Entsiegelung sowie Fassaden- und Dachbegrünungen könnten den Wärmeinsel-Effekt und Folgen der Hitzeperioden abmildern und Überflutungen bei Starkregen verhindern. Zu prüfen sei auch das Leitbild einer „Schwammstadt“, zum modellhaften Umgang mit Regenwasser.

Da die Gebäudesubstanz meist dem Ursprungszustand entspricht, sollten energetische Sanierungsmaßnahmen und -konzepte seitens Stadt und Wohnbau (WSCO) als Vorlage für private Haushalte dienen. Empfohlen werden auch dezentrale Quartierslösungen bei der Energieversorgung: Deren Erzeugung müsse „nachhaltig, innovativ, emissionsfrei und kosten- und energieeffizient“ sein. Als zentrale Anlaufstelle auch in Sachen Klimaschutz sollte der Quartiersmanager dienen. Die Bürgerinnen und Bürger gelte es bei der Konzepterstellung zu informieren und zu beteiligen.

Zustimmung

Von den Senatsmitgliedern wurde das Vorhaben durchweg begrüßt. Für Wolfgang Weiß (Grüne) beweist es, dass Coburg beim Klimaschutz „mit großen Schritten“ vorangeht: „Der Wille ist da!“ Andreas Engel (CSU) regte an, auch den Bausenat einzubeziehen. Auf „sozialverträgliche Weise“ möchte seine Fraktionskollegin Christina Vatke das Projekt umsetzen. Thomas Apfel (Pro Coburg), der seit einer Woche im Viertel wohnt und selber Probleme wie zum Beispiel die Grüngutentsorgung sieht, begrüßte die fraktionsübergreifende Zusammenarbeit.

Die Verwaltung wurde beauftragt, ein Gesamtkonzept für das Demo zu erarbeiten. Die auf 250 000 Euro geschätzten Kosten dürften Teil des Haushalts 2022 sein, bei Aussicht auf eine 60-prozentige Förderung. „Dann machen wir uns an die Arbeit!“, schloss Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD).

 

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