Coburg Diakonie in finanzieller Schieflage

Die Diakonie Coburg und Coburg Inklusiv bitten ihre Beschäftigten, einer Verschiebung der Weihnachtssonderzahlung zuzustimmen. Die Geschäftsführung begründet dies mit einer finanziellen Schieflage. Foto: picture alliance / dpa/Jens Wolf

Die Sozialunternehmen Diakonie Coburg und Coburg Inklusiv bitten ihre Beschäftigten, der Verschiebung einer Weihnachtssonderzahlung zuzustimmen. Die Geschäftsführung begründet dies mit einem notwendigen Sanierungsplan.

Coburg - Der Vorstand der Diakonie Coburg und Coburg Inklusiv, beide Träger der Wohlfahrtspflege, bittet die rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Mithilfe. „Es geht darum, einer Verschiebung der Weihnachtssonderzahlung zuzustimmen“, heißt es in einer von Vorstand Bernd Baucks unterzeichneten Pressemitteilung vom Mittwoch.

„Es wird gute Arbeit geleistet, jedoch ist in den letzten Jahren die Stabilität aus dem Gleichgewicht geraten. Um die entstandene Schieflage auszugleichen, benötigen wir Zeit. In der derzeit schwierigen Situation sind wir auf die Unterstützung unserer Mitarbeitenden angewiesen“, betont Bernd Baucks in der Mitteilung. Die Beschäftigten seien deshalb schriftlich darum gebeten worden, dieser Maßnahme zuzustimmen – verbunden mit der Zusicherung: „Die Jahressonderzahlung steht den Mitarbeitenden im Rahmen unseres Tarifrechts zu – und sie sollen diese auch bekommen“, so der Vorstand und Geschäftsführer.

Das Gesamtvolumen der Jahressonderzahlung beziffert Baucks auf etwa zwei Millionen Euro. „Eine vorübergehende finanzielle Entlastung schafft Spielraum für die Umsetzung unseres Sanierungsplans in den kommenden Monaten.“ Der Plan setze vor allem auf die Sicherung auskömmlicher Einnahmen und die Straffung der Organisation. Bernd Baucks sehe „gute Chancen auf eine erfolgreiche Umsetzung und die Sicherung der Zukunft der Diakonie in Coburg“.

Druck abbauen, Zeit gewinnen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien die Säulen der diakonischen Arbeit, auf sie sei die Diakonie angewiesen. Deshalb falle ihm dieser Schritt, sie um diesen Beitrag zu bitten, nicht leicht. Baucks machte laut Mitteilung deutlich, dass die Jahressonderzahlung als fester Bestandteil der Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie (AVR-Bayern), dem kirchlichen Tarifwerk, selbst nicht zur Debatte steht. „Die Sonderzahlung steht allen Kolleginnen und Kollegen in der Diakonie Coburg und Coburg Inklusiv zu.“ Kurzfristig gehe es aber darum, den Druck auf die Zahlungsfähigkeit zu entlasten und Zeit zu gewinnen. Auch die Mitarbeitenden, die nach dem Übergang der Coburg Inklusiv in den Verbund der Diakonie Coburg auf eigenen Wunsch im Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) geblieben seien, seien angefragt worden.

Der Verwaltungsrat hatte bereits im April dieses Jahres beschlossen, eine Beratungsorganisation mit der Sanierung der angeschlagenen Gesellschaften zu beauftragen. Baucks ist als Vorstand und Geschäftsführer im Auftrag der Contec aus Bochum entsandt, einer Beratungsorganisation, die auf das Interim-Management von Sozialunternehmen spezialisiert ist. „Sowohl die Diakonie Coburg als auch Coburg Inklusiv leisten hervorragende Arbeit, insbesondere für Menschen mit Behinderung, und haben überregionale Bedeutung.“

„Wir haben die Bitte um verzögerte Auszahlung des Weihnachtsgeldes bereits mit den Teams in den Einrichtungen besprochen“, so Baucks weiter. Er betonte die Freiwilligkeit der Zustimmung, so dass auch niemandem ein Nachteil entstehe, wenn die Zustimmung nicht möglich sei. Die derzeit schwierige Lage sei jedoch eher zu überwinden, wenn möglichst viele Mitarbeitende durch eine Aufschiebung der Sonderzahlung einen Beitrag zur Sicherung der diakonischen Angebote in Coburg und Umgebung leisten.“

Die Diakonie Coburg

Die Diakonie Coburg ist ein eingetragener Verein, der im Verbund der Diakonie und im kirchlichen Auftrag als Träger der sozialen Arbeit in der evangelischen Kirche tätig ist. Ein Schwerpunkt ist die Arbeit für und mit Menschen mit Behinderung. Die Diakonie hat Gesellschaften, die diesem Schwerpunkt verpflichtet sind, das sind neben Coburg Inklusiv auch die Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Insgesamt sind beinahe 2000 Menschen in diesem Verbund tätig, 800 davon mit unterschiedlichen, teilweise schweren Behinderungen, die besonders gefördert werden. Die Coburg Inklusiv ist 2020 aus mehreren Gesellschaften in Trägerschaft des Vereins Hilfe für das behinderte Kind gebildet worden. Sie standen zum Ende des Jahres 2018 kurz vor der Insolvenz, die Übernahme hat die Weiterarbeit sichern können.

Der Betriebswirt und Sozialökonom Bernd Baucks ist als Interim-Vorstand der Diakonie Coburg und Interim-Geschäftsführer der angeschlossenen Gesellschaften bestellt. Bis zur Aufnahme seiner Tätigkeit im Mai 2021 war der 59-jährige als Oberkirchenrat in der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland für die Finanzen der zweitgrößten Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zuständig.

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