Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind nicht immer dasselbe; das wissen wir. Da können wir dem anderen zutreffende Dinge ins Gesicht sagen und wundern uns über die Wirkung. Denn wenn es eben nicht wahrhaftig geschieht, wenn die Geschichte oder das Selbstverständnis des anderen nicht wahrgenommen werden, kann unsere Rede lieblos sein.
Mir fallen in dieser Woche zwei Dinge auf, die daraufhin zu prüfen wären: Zum wäre zu prüfen, ob "die spinnen, die Schweizer!" (so ein deutscher Politiker nach dem Abschottungs-Votum der Eidgenossen vom vergangenen Sonntag). Ja, die Schweizer geben allen Anlass, sich über sie Gedanken zu machen. Was da per Volksabstimmung beschlossen wurde, darf zu Recht hinterfragt werden. Wo gezündelt wird, muss man Klartext reden.
Zum anderen könnte man fragen, ob der EU-Parlamentspräsident dem israelischen Parlament die Auffassung zumuten darf, dass Palästinenser sich danach sehnen, ohne Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit zu leben. Auch hier europäische Außenpolitik, bei der man viel zerschlagen kann. Wenn also Martin Schulz in der Knesset von einem palästinensischen Jugendlichen berichtet, der unter der ungerechten Wasserverteilung leidet und von dem Volk der Palästinenser, das sich nach Frieden und Freiheit sehnt, dann ist dies nicht nur zutreffend. Auch das Wahrhaftige kann manchmal seltsame Reaktionen hervorrufen.

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