Coburg „Ein Vorbild für uns alle“

Werner Tetsch aus Lautertal ist mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD ausgezeichnet worden.

Landrat Sebastian Straubel hat Werner Tetsch mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD ausgezeichnet. Foto: Schäfer/Lukas Schäfer

Es kommt nicht oft vor, dass einem Politiker die Worte fehlen. Mit diesem emotionalen Appell bedankte sich Landtagsabgeordneter Martin Mittag (CSU) am Montagabend für das jahrzehntelange Engagement des Lautertalers Werner Tetsch. Der pensionierte Polizeibeamte wurde im Foyer des Landratsamtes unter anderem für seinen beispiellosen Einsatz für krebskranke Kinder mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Medaille ist die höchste Anerkennung, welche die Bundesrepublik für Leistungen um das Gemeinwohl ausspricht.

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Auf seinen Radtouren quer durch Deutschland sammelt der 71-Jährige Spendendengelder für die Isabell-Zachert-Stiftung. Die Stiftungsgründerin Christel Zachert hatte 1982 ihre Tochter Isabell im Alter von 16 Jahren durch eine Krebserkrankung verloren und daraufhin 1995 die Isabell-Zachert-Stiftung in Bonn gegründet. Diese unterstützt unter dem Dach der Deutschen Kinderkrebshilfe das Waldpiraten-Camp in Heidelberg. „Ich bin überaus dankbar, dass ich Christel im Jahr 2010 begegnet bin und sie kennenlernen durfte“, so Tetsch.

„Aus dieser prägenden Begegnung ist eine wunderbare Freundschaft entstanden“, sagte der 71-Jährige sichtlich gerührt bei der Verleihung. „Ich habe immer versucht, offen auf die Menschen zuzugehen, die mir auf meinen Radtouren begegnet sind. Ich habe die Spenden nur übermittelt, aber das Geld für die Stiftung kam schließlich von den Leuten.“ Dabei war es ihm sehr wichtig, die Touren mit dem Drahtesel zu bestreiten und nicht auf die Unterstützung eines Autos zu setzen. „Die Erfindung heißt schließlich Fahr-Rad und nicht Transport-Rad.“ Im Laufe der Jahre konnte der Lautertaler, der seit 1988 in der Region lebt, über 200 000 Euro an Spendengeldern sammeln.

„Unser Werner ist ein Mann mit dem Herz am rechten Fleck“, betonte Landrat Sebastian Straubel. „Schon zur Jahrtausendwende war er maßgeblich an der Planung der Grenzwanderung beteiligt, die jährlich am 3. Oktober stattfindet. Er spricht die Menschen auf die unterschiedlichsten Arten an und ist ein Vorbild für uns alle.“ Allerdings hat es aus Sicht von Christel Zachert viel zu lange gedauert, bis es für den Lautertaler mit der Auszeichnung geklappt hat: „Es hat mich zutiefst bewegt, wie Werner auf die Menschen zugeht und es schafft, völlig fremde Menschen von einer Gabe zu überzeugen. Gleichzeitig hat er jeden Spender schriftlich in einem Spendenbuch festgehalten. Das ist schon außergewöhnlich.“ Tetsch selbst will sich weiterhin engagieren, auch wenn er inzwischen gesundheitlich eingeschränkt ist. „Wenn ich daran denke, was diese Kinder erleiden, dann muss ich sagen, sind meine Sachen ertragbar.“