Coburg, eine Baustelle Zu Fuß geht’s derzeit am schnellsten

Es ist Sommer – und Coburg gleicht wieder einer Großbaustelle. Für Verkehrsteilnehmer heißt das Nerven bewahren

Das Auto, wenn es irgendwie geht, am besten einfach stehen lassen. Mit diesem Tipp fährt man in Coburg derzeit gut. Denn in der Stadt sind es gleich mehrere Großbaustellen, die ein direktes Durchkommen unmöglich machen. Im Zentrum stehen seit August die Arbeiten am Fernwärmenetz Am Viktoriabrunnen/Ernstplatz und rund um das Judentor an, die eine Vollsperrung des Bereichs nach sich gezogen haben. Auch das Parkhaus Mauer ist seitdem nicht mehr über den üblichen Weg anfahrbar. Stattdessen erfolgt die Umleitung über die Mohrenstraße und die Webergasse, wo die Ausfahrt des Parkhauses jetzt auch noch als Einfahrt genutzt wird. Und wäre das alles nicht schon genug, herrscht seit zwei Wochen in der Hindenburgstraße Einbahnverkehr, weil die SÜC einen Hausanschluss ans Fernwärmenetz herstellt.

Mitten in der Baustelle Am Viktoriabrunnen liegt die Arztpraxis von Robin Berwanger. Um den Mediziner zu erreichen, müssen Autofahrer derzeit Umwege in Kauf nehmen. „Wir weisen deshalb schon auf unserer Internetseite darauf hin, wie man zum Parkhaus Mauer kommt“, sagt Praxismanagerin Kristin Berwanger. Zu Fuß gelange man jedoch problemlos in die Praxis. „Die Einschränkungen durch die Baustelle sind groß“, gibt sie zu. Gleichwohl würde dank gegenseitiger Rücksichtnahme und Hilfe von Seiten der Bauarbeiter der Praxisbetrieb kaum gestört werden. „Unsere Fahrdienste rufen meist vorher an und haben außerdem die Möglichkeit, Patienten durchzufahren“, erzählt sie. Außerdem wurde den Berwangers ein direkter Ansprechpartner genannt, „an den wir uns zu jeder Zeit wenden können, wenn es Probleme gibt.“ Diese gute Kommunikation erleichtere vieles.

Eine Erfahrung, die auch Turgay Vural gemacht hat. Der Manager des Hotels „Goldene Traube“ in direkter Nachbarschaft der Arztpraxis ist ebenfalls massiv von der Baustelle betroffen. Die Gäste bekämen vor allem durch Lärm und Staub die Auswirkungen zu spüren. „Wir haben keine Klimaanlage, aber die Fenster zu öffnen, ist derzeit tagsüber kaum möglich“, erzählt er. Und mehr noch mache die Anfahrtssituation zu schaffen. „Die Gäste finden den Weg zu unserem Hotel einfach nicht“, so Turgay Vural. Erschwerend kommt bei der Suche hinzu, dass der Empfang des Hotels erst ab 15 Uhr besetzt ist. Ein Lotsen via Telefon sei daher keine Lösung. „Eine schlechte Bewertung wegen der Unauffindbarkeit haben wir in diesem Monat schon bekommen“, so der Manager.

Hinter dem Haus hat die Traube eine handvoll Stellplätze für die Besucher. Diese würden aber angesichts von 68 Betten im Haus schon zu normalen Zeiten nicht ausreichen. Es führe also kein Weg daran vorbei, dass der Großteil der Gäste auf umliegende Parkhäuser ausweichen muss. Damit diese von Ortsunkundigen auch gefunden werden, verschickt der Hotelmanager mittlerweile direkt nach der Buchung eine Anfahrtsbeschreibung per E-Mail. Vor allem im Hinblick auf die anstehenden Open-Air-Konzerte sei eine solche dringend notwendig. „Denn wir sind zu den Konzerten ausgebucht“, erzählt Turgay Vural.

Neben den Gästen haben auch Lieferanten Probleme, zum Hotel zu kommen. „Kürzlich konnten wir eine Lieferung nicht annehmen, weil der Fahrer nicht reingelassen worden war“, erzählt der Hotelmanager. Dieser sei daraufhin umgekehrt und hätte mit einem kleineren Lieferauto einen zweiten Versuch gewagt. „Und letzte Woche kam unsere Wäschelieferung nicht an. Auch hier hieß es, sie sei nicht durchgelassen worden. Ich muss das so glauben“, sagt Turgay Vural. 80 bis 100 Handtücher hätten daraufhin im Hotel selbst gewaschen werden müssen. „Einfach ist das derzeit alles nicht“, bekennt er. Doch auch Turgay Vural lobt die Organisation der Baustelle und dass man für alle Sorgen und Nöte ein offenes Ohr hat. „Zweimal musste uns schon das Wasser abgestellt werden“, erzählt er. Aber stets geschehe das in einem vereinbarten Zeitraum, wenn die einen Gäste ausgecheckt und die neuen noch nicht da sind.

Dass rund um das Judentor derzeit gar nichts geht, merkt die Wohnbau Stadt Coburg (WSCO) als Betreiber des Parkhauses Mauer beim Blick auf die Zahlen. So seien seit August „deutlich weniger Einfahrten an der Mauer zu verzeichnen gewesen“, sagt Anette Vogel von der WSCO. Gleichwohl hätte sich viel Verkehr in andere Häuser verlagert. Aber wer sich einmal getraut hat, die neue Einfahrt ins Parkhaus Mauer zu nutzen, der würde sich dank einer guten Beschilderung darin gut zurechtfinden.

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