Coburg Heute gibt es Heuschrecke

In Asien gelten Insekten und Würmer als gesundes Nahrungsmittel. Nun bietet auch ein Coburger Supermarkt die tierischen Snacks an. Und sie gehen weg wie warme Semmeln.

Coburg - Getrocknete Mehlwürmer, zart gewürzte Heuschrecken oder Bug Break, der Energieriegel mit Sesam und Buffalowürmern, gibt es seit einigen Monaten im Edekamarkt auf der Lauterer Höhe. "Das Thema Insekten hat Zukunft, viele Kunden sind auf der Suche nach etwas Neuem", weiß Inhaber Jörg Wagner.

Gesetze für neue Nahrungsmittel

Seit 2018 sind Insekten in die neue sogenannte Novel Food Verordnung als "potenzielles Lebensmittel" aufgenommen. Diese Verordnung regelt die Zulassung von neuartigen Lebensmitteln in der Europäischen Union.

Insekten für den menschlichen Verzehr - ob ganz oder in Teilen - müssen grundsätzlich vor dem Inverkehrbringen gesundheitlich bewertet und zugelassen werden. Bis jetzt ist noch keine Insektenart in der EU als Lebensmittel zugelassen. Es wurden allerdings bereits mehrere Anträge auf Zulassung gestellt.

Es gibt Übergangsregelungen für Produkte, die bereits vor dem 1. Januar 2018 im Verkauf waren. Diese gelten bis zum 1. Januar 2020. Für die Überwachung sind die einzelnen Bundesländer zuständig.

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Insekten gelten in vielen asiatischen oder afrikanischen Ländern als wichtiges Nahrungsmittel und wertvoller Proteinlieferant. "Heuschrecken und Grillen habe ich probiert, sie haben einen kräftigen Geschmack und sind ein guter Snack statt Chips", so das Urteil von Wagner. Er bezeichnet die Insekten als einen Topseller und will nach dem erfolgreichen Probelauf nun etwa zweimal im Jahr Aktionen rund um Insekten durchführen. "Ich war zunächst sehr skeptisch", gibt er zu, will nun aber Ende September noch mal beim Insektensortiment nachlegen.

Im europäischen Kulturkreis ist das Essen von Insekten noch weitgehend unüblich. Viele Menschen ekeln sich vor diesen Krabbeltieren und möchten weder geröstete Würmer noch frittierte Grillen aufgetischt bekommen. Weltweit gibt es jedoch rund 2000 essbare Insektenarten, in einigen Restaurants gelten sie als Geheimtipp. Nach Information der Verbraucherzentrale Hamburg können Insekten, was die Inhaltsstoffe angeht, mit Milch oder Rindfleisch mithalten, denn sie enthalten viel hochwertiges Protein (Eiweiß) und Fett. Je nach Insektenart und Fütterung variieren die Nährwerte. Die Fettsäuren-Zusammensetzung sei vorteilhaft, denn die Tierchen enthalten viele ungesättigte Fettsäuren, ähnlich wie Fisch. Sogar die Vitamine B 2 und B12 sind teilweise in höheren Mengen enthalten als etwa in Vollkornbrot. Wie bei Gemüse variieren die Inhaltsstoffe auch je nach Verarbeitung.

Beim Essen von ganzen Insekten ist es laut der Verbraucherzentrale jedoch möglich, dass die Nährstoffe nicht so gut aufgenommen werden können. Dies liege an dem Stoff Chitin, der unter anderem in Panzern von Insekten vorkommt. Das Chitin ist unverdaulich und kann die Aufnahme von anderen Nährstoffen behindern.

Insekten, die in den deutschen Handel kommen, werden nicht wild gefangen, sondern speziell für den menschlichen Verzehr gezüchtet. Große Zuchtanlagen gibt es in den Niederlanden, in Frankreich, in Kanada oder Thailand. Seit diesem Jahr gelten Insekten auch in der Europäischen Union als mögliches Nahrungsmittel. So nehmen nach und nach Händler die kleinen Krabbler in ihr Sortiment auf, zumindest als Probelauf. Zum Beispiel Edeka- oder Rewemärkte. Laut Rewe werden Insektenburger testweise in 90 ausgewählten Märkten in ganz Bayern angeboten. Je nachdem, wie die Kunden reagieren, soll das Sortiment ausgebaut werden.

Längst einen festen Abnehmerkreis haben die Speiseinsekten, die Uwe und Yuppadee Rückert im Weltbasar im Coburger Steinweg anbieten. Seit rund zehn Jahren gehören Insekten zum Sortiment und müssen von den Kunden nur noch in der Pfanne knusprig gebraten werden. "Insekten verkaufen sich gut, junge Leute wollen alles ausprobieren", verrät Yuppadee Rückert, die sich gut mit der Zubereitung der verschiedenen Speiseinsekten auskennt.

Insekten haben gegenüber dem Fleisch den Vorteil, dass sie sehr leicht in großen Mengen zu züchten, und daher nahezu unbegrenzt verfügbar sind. Dennoch sieht Gudrun Möckl, Ernährungswissenschaftlerin beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg, sie nicht als das Superfood der Zukunft. "Insektennahrung ist in unseren Breiten nicht erforderlich, wir haben andere Proteinquellen wie Milch, Fisch oder Fleisch", so Möckl. Wer den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung folgt und Lebensmittel nicht unbedacht wegwirft, ernähre sich sinnvoll und leiste auch dem Umweltschutz genüge, ist sie überzeugt.

 

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