Coburg - Als der Kinderarzt Mathias Zimmer im Jahr 2001 seinen Dienst in Coburg aufnahm, initiierten er und seine sechs Kollegen einen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst. Rund um die Uhr ist seitdem ein wechselnder Fachdienst im Einsatz, der sich, wenn die Praxen geschlossen haben, um erkrankte Kinder und Jugendliche kümmert. „Der Dienst wird sehr gut angenommen“, sagt Zimmer. Zwischen 150 und 200 Patienten an einem Wochenende seien keine Ausnahme. Die Patienten kommen dabei nicht nur aus Coburg. „Unser Einzugsgebiet geht über Kronach und Lichtenfels bis nach Hassberge und sogar in den Südthüringer Raum.“ Kein Wunder, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst für Kinder und Jugendliche doch ein Novum in der Region. „Den nächsten gibt es erst wieder in Nürnberg, Bayreuth oder Schweinfurt“, informiert Dr. Roland Frank, der mit Mathias Zimmer das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Coburg betreibt.
Doch die Dauerbereitschaft der beiden Kinderärzte und ihrer Kollegen ist an die Grenze gekommen. „Um einen solchen fachärztlichen Bereitschaftsdienst betreiben zu können, braucht es mindestens fünf Mediziner“, rechnet Zimmer vor. Im kommenden Jahr werde jedoch eine Kinderärztin aus dem Landkreis ihre Praxis schließen. „Zwei weitere Kollegen werden außerdem über dem Dienstpflichtalter sein, in dem sie Bereitschaften übernehmen müssen“, so Zimmer.
Vor dem Hintergrund der anstehenden Kapazitätsprobleme haben die Kinderärzte daher bereits vor zwei Jahren das Gespräch mit dem Coburger Hausarztverein sowie dem Facharztverein gesucht. Das Ergebnis: „Der kinderärztliche Bereitschaftsdienst wird ab dem 1. Juli in der bisher bekannten Form nicht mehr aufrechterhalten werden können“, erklärt Mathias Zimmer.
Damit eine bestmögliche Versorgung der jungen Patienten jedoch weiter gewährleistet wird, behalten die Kinder- und Jugendärzte ihre Bereitschaftssprechstunden am Wochenende, an den Feiertagen sowie am Mittwoch und Freitag außerhalb der eigentlichen Praxenöffnungszeiten bei. (siehe Infokasten). „Wir legen allen Eltern ans Herz, diese Sprechstunden zu nutzen“, wirbt Mathias Zimmer für das Angebot. Über diese Zeiten hinaus wird es keinen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst mehr geben. „Die Versorgung übernimmt dann der allgemeine Bereitschaftsdienst“, so Zimmer.
Für die Fach- und Hausärzte bedeutet das zwar eine erneute Mehrbelastung, „aber wir haben die Not erkannt und nehmen dieses Beschwernis alle auf uns, weil ansonsten die Menschen unterversorgt bleiben“, erklärt Dr. Thomas Scheller, der Vorsitzende des Hausarztvereins.
Keine Option für besorgte Eltern sei der Gang in die Bereitschaftspraxis am Coburger Klinikum. „Diese ist schon jetzt hoch frequentiert“, weiß Thomas Scheller. 60 bis 80 Erwachsene würden dort pro Sprechzeit behandelt. Weitere 100 Kinder und Jugendliche zu versorgen, sei nicht möglich. „Und gerade Kinder kommen oft mit hochansteckenden Krankheiten und wir haben keine räumliche Abtrennung.“
Auch eine angedachte Zusammenarbeit mit dem Coburger Klinikum sei nicht umsetzbar gewesen. „Laut Direktorin und Leiter der Kinderklinik sieht man sich dort personell und strukturell nicht in der Lage, den Bereitschaftsdienst zu übernehmen“, bedauert Thomas Scheller.
Dass sich die Haus- und Fachärzte ab dem Sommer im Bereitschaftsdienst auch um Kinder und Jugendliche kümmern, soll laut Scheller eigentlich kein Zukunftsmodell sein. „Es ist eine Durststrecke, die wir jetzt durchhalten müssen, bis hoffentlich bald wieder neue junge Kollegen in die Region kommen.“
Coburg Kinderärzte schränken ihren Dienst ein
Steffi Wolf 24.05.2017 - 17:06 Uhr