Coburg Klanglebnis der etwas anderen Art

Gisela M. Paul

Der St. Peters Choral aus Brisbane gastiert in Coburg. 60 junge Leute präsentieren ein überraschendes Programm. Das Publikum spendet begeistert Applaus.

Auf ihrer Konzertreise durch Europa macht der St. Peters Choral aus Brisbane (Australien) auch in Coburg Halt. In der Morizkirche geben die 60 jungen Leute ein ungewöhnliches Konzert. Foto: Paul

Coburg - Rund 60 Teenager unter einen Hut zu bringen - normalerweise fast unmöglich und zumindest eine Sisiphusaufgabe. Dass junge Leute aber auch äußerst aufmerksam sein können, sich ruhig und gemessen durch die Kirche und ein gut einstündiges Programm bewegen können, war beim St. Peters Choral aus Brisbane (Australien) zu erleben.

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Zu Beginn ihres Gastkonzerts in St. Moriz verteilten sich die Mädchen wie selbstverständlich im Kirchenraum, die jungen Männer standen derweilen im Altarraum. Mit "Kondalilla - from the Great Southern Spirits" vermittelten sie dem zahlreich erschienenen Coburger Publikum eine leise Ahnung ihrer Heimat Australien. Die jungen Männer sangen Texte, während die Mädchen Vogel- und andere Tierstimmen imitierten - alles gesteuert und zusammengehalten durch wenige kleine Bewegungen der Dirigentin Kathryn Morton, die auch im gesamten Verlauf des Konzerts ohne ausladende Gesten auskommt. Die jungen Leute singen alles auswendig, haben daher die Augen stets auf die Dirigentin gerichtet, die nur ihre Mimik verändern muss, um zum Beispiel ein Crescendo anzuzeigen. Eine Auswahl aus Musik australischer und internationaler Komponisten hat St. Peters Choral auf seine Europareise mitgebracht, die sie - beginnend bei St. Pauls Cathedral London über Stationen wie Oxford, Ypern, Würzburg nach Coburg und über Leipzig, Dresden und Kopenhagen bald wieder aus dem winterlichen Europa nach Hause ins sommerheiße Australien bringen wird.

Ein für unsere Ohren überraschendes Programm mit Komponistennamen wie zum Beispiel Stephan Leek, Gerald Finzi oder Sarah Hopkins, die hier kaum jemand kennt, brachte eine erfrischende Note nach Coburg. Da war neben dem innigen Bachsatz "O Jesulein süß" (als Hommage an das Gastland in Deutsch gesungen) ein melodisch schwelgendes "Brightest and Best" von Eric Thiman zu hören oder ein mit Orgel begleitetes opulentes Gloria aus St. Lucia Mass von Robert Boughen zu erleben. Gerald Finzis "God is gone up" kam himmelstrebendend und mit bestens eingesetzten Dissonanzen herüber.

"Post Life Melodies", ein interessantes dreiteiliges Werk von Sarah Hopkins das Gesänge der Aboriginies verarbeitet, hat man hierzulande sicher selten gehört. Der erste Teil war ganz geprägt von einer "Geistermelodie" der Ureinwohner, der zweite Teil ließ sonoren Bruststimmenklang im gesamten Chor erklingen, besonders aber bei den jungen kräftigen Männerstimmen, während im dritten Teil zwei Solisten hinzutraten, die mit Obertongesang reizvollste Akzente über liegende Summtöne im Chor setzten - alles rhythmisch, dynamisch und stimmlich bestens ausgewogen.

Organist Phillip Gearing kam zu den letzten Stücken von der Orgelempore hinunter in den Chorraum und setzte sich ans Klavier. Wie zuvor an der Orgel begleitete er kompetent unter anderem das poppig angehauchte "Mind" von Andrew Schultz, das mit überraschenden und bestens ausgeführten Staccati aufwartete. Aus voller Brust gelang den jungen Sängerinnen und Sängern "This secret World" von Dan Walker. Ein temporeicher, rhythmisch und melodisch verzwickter Satz des wohl bekanntesten australischen Volkslieds - so etwas wie die heimliche Nationalhymne - "Waltzing Mathilda", gesetzt von Stehen Leek und vom Chor kompakt und völlig überzeugend dargeboten, beendete das offizielle Programm.

Nachdem zuvor bereits heftig Beifall bekundet wurde, war es nur logisch, dass das Publikum sich noch eine kleine Zugabe erklatschen konnte. Die jungen Leute wurden ja anschließend in Gastfamilien untergebracht und wohl um sicherzustellen, dass sie die Nachtruhe doch bitte nicht allzu spät anzutreten sollten, bekamen sie und ihre Gasteltern mit dem wiegend einschmeichelnden "The Seal Lullaby" einen kleinen liebenswerten Fingerzeig mit auf den Heimweg.