Wird denn sofort alles super, wenn man Superfood ist?
Mechtold: Natürlich nicht. Ein gelegentlicher Verzehr ersetzt keine ausgewogene Ernährung.
Wie steht es mit Fett? Sollte man da generell verzichten?
Burkon:Jahrelang galt Fett als Dickmacher. Jetzt hat man aber erkannt, dass natürliche Fette und Öle heilende Eigenschaften haben. Enthalten sind sie zum Beispiel in Mandeln, Walnüssen, in Avocados oder Kokos- und Olivenöl. Wertvolle Omega-3-Fettsäuren stecken zum Beispiel in Lachs, Leinöl oder Chiasamen. Sie wirken entzündungshemmend, können sich positiv auf das Hautbild, das Herz-Kreislauf-System und die Psyche auswirken. Ein paar Flöckchen Biobutter am Gemüse sind also durchaus in Ordnung.
Was ist nicht so in Ordnung?
Burkon:Transfettsäuren - die stecken in allem, was frittiert wurde oder knusprig ist, zum Beispiel Chips, Croissants oder Donuts, außerdem alles, was eine Glasur hat.
Und was ist mit Zucker?
Mechtold: Auch Zucker ist nicht generell schlecht: Er ist Nahrung für unser Gehirn. Deshalb sollte man nicht komplett auf Kohlenhydrate wie Zucker verzichten. Aber es kommt auf die Art an: Einfachzucker wie Frucht- und Traubenzucker liefern schnell Energie, sättigen aber nicht lange. Sie sind in gesüßten Limos und Fertigprodukten. Dort verstecken sie sich dann hinter Begriffen wie Glukose- oder Fruktosesirup. Gut dagegen sind Mehrfachzucker, wie sie in Getreideprodukten, Kartoffeln, Obst und Gemüse stecken. Das macht lange satt, außerdem enthalten diese Lebensmittel auch Ballaststoffe, die die Verdauung und den Magen-Darm-Trakt unterstützen.
Burkon: Es ist immer sinnvoll, seine Kohlenhydrataufnahme zu überdenken, gerade was Weißmehl und Zucker betrifft - auch wenn man nicht zur Gewichtszunahme neigt. Bei Brot und Nudeln ist es deshalb sinnvoll, zu reduzieren. Kartoffeln dagegen sind ein sehr basisches Gemüse, sehr magengesund, die würde ich nie von meinem Speiseplan streichen.
Süßigkeiten muss man also komplett weglassen, wenn man sich gesund ernähren will?
Mechtold: Nein, das ist Quatsch. Einen Komplettverzicht hält niemand durch. Eine kleine Portion Genuss darf man sich schon genehmigen.
Wie schaffe ich das im Alltag - gesünder und bewusster essen?
Burkon:Ich rate immer dazu, sich aufzuschreiben, wann ich wo essen werde - und was. Wenn ich mit meinen Töchtern unterwegs bin, habe ich immer zuckerfreie Getränke und eine Dose mit Nüssen und Trockenobst dabei, weil es an der Raststätte nichts Gutes gibt. Außerdem sollte man versuchen, auf Fertigprodukte zu verzichten - statt Fruchtjoghurt lieber Naturjoghurt kaufen und Früchte oder selbst gemachte Marmelade reintun.
Mechtold:Klein anfangen: Zum Braten ein hochwertiges Pflanzenöl statt Butter verwenden. Und jeden Tag Obst und Gemüse essen.