Neustadt - Wenn man, wie im Falle der Turngemeinde Neustadt (TGN) zahlreiche politische Epochen nicht nur übersteht, sondern regional auch geprägt hat, dann kann man mit Fug und Recht behaupten, dieser Verein hat sich um das Gemeinwohl verdient gemacht. "Die Turngemeinde trägt mit einigem Stolz ihr Gründungsdatum von 1855 im Vereinsnamen", sagt deshalb deren Vorsitzender Wolfgang Oberender. "Wesentlich tiefer muss man forschen, um herauszufinden, dass es genau am 5. September 1855 war, als die Geburtsstunde unseres Vereins schlug." An diesem Tag wurde nämlich der Vorgängerverein, der Turnverein I in Neustadt gegründet und erst im Jahre 1933 wurde aus dem Zusammenschluss mit der TV Germania 1872 und den Turngenossen 1891 die Turngemeinde 1855 (TGN). Bis 1949 fungierte der Schützenplatz als Sportgelände. Erst dann stellte die Stadt der TGN in der Krämere eine neue Heimat zur Verfügung. Freilich halten die Anfänge dort keinen Vergleich zum heutigen Stand aus: "Die Stadt bot dem Verein damals eine Wildnis an." In zahlreichen Bauabschnitten erbrachten die Mitglieder damals unzählige Arbeitsstunden, um ihr idyllisch gelegenes neues Zuhause wachsen zu lassen. Spricht man heute von der TGN, dann sieht man einen modernen Verein, der die Sparten Turnen, Karate, Inliner, Tennis, Gesundheitssport und Volleyball präsentiert und derzeit 380 Mitglieder zählt. Dass er dabei auf gesunden Füßen steht, verdankt die TGN ihrer ausgezeichneten Nachwuchsarbeit. So blickt Oberender trotz gesunkener Mitgliederzahlen - "wir hatten einmal über 1000 Mitglieder"- positiv in die Zukunft: "Die Abteilungen Tennis, Turnen und Karate glänzen durch eine ausgezeichnete Jugendarbeit. Unser traditioneller Kinderfasching erfreut sich jährlich wachsender Beliebtheit und auch beim Volleyball gibt es ständigen Zuwachs." Außerdem kann die TGN auf "stabilen Gesundheitssport verweisen und die Inlinerbahn ist einzigartig in der Region." Für Oberender heißt es dennoch, den Blick nach vorne zu richten, denn für das Sportgelände, das vor Generationen konzipiert wurde, ist der Verein eigentlich eine Nummer zu klein." Er sagt "Kooperation und Gastfreundschaft lauten hier die Zauberworte." Der Vorsitzende meint damit, andere Institutionen wie Schulen und Vereine auf die Anlage zu holen: "Wir haben Schulen hier, die ihre Veranstaltungen durchführen, der FC Haarbrücken nutzte unseren Fußballplatz, als dessen Sportgelände saniert wurde und die Ferienverbindung Franco-Thuringia hat hier bei uns nun ihr Stammlokal." Alles Aktivitäten, die sonst brachliegende Kapazitäten sinnvoll nutzen und "nebenbei noch ein paar Euros in die Vereinskasse spülen", beschreibt Oberender die "Win-Win-Situation". Und Oberender setzt noch eins drauf: "Wir werden diesen Weg der Kooperationen weitergehen und neue Angebote generieren. Es ist ein Weg mit wenigen Alternativen." Aktuell bringt sich die TGN ins soziale Geschehen ein: "Wir haben hier mit syrischen Flüchtlingen Beachvolleyball gespielt."