Neustadt - Man nehme Hanne Büchner, stelle ihr Konrad Klaußner zur Seite und würze das ganze mit dem "Duo zu Dritt". Fertig ist ein Mundartabend, der ein kleines Jubiläum feiern durfte: Zum fünften Mal gastierten sie in der Stadtbücherei und bescherten erneut ein ausverkauftes Haus. Freilich musste es "Neustodto" Mundart sein, gekonnt verpackt, das 120 Minuten zum einen die Lachmuskeln strapazierte, zum anderen unter der Devise "wös ölles su auf uns zugokumm kaa" aber auch einen Blick in die Zukunft riskierte. Konrad Klaußner, der erstmalig für Robert Vetesnik an der Seite von Hanne Büchner wirkte, hatte dafür eigens eine Kristallkugel mitgebracht. Dazu gab sich Klaußner seriös in weißem Hemd mit Fliege, während Büchner sich eher salopp mit verwegenem "Arafat-Tuch" präsentierte. Doch das Outfit war nur Staffage, denn die Inhalte zählten. Sie trafen denn auch wieder gekonnt ins Schwarze. Beispielsweise als Klaußner aus seiner Kristallkugel lesen konnte, dass "ächntlich wors ja net annosch zu erwartn, unnon 3. Bürchomäster und Kulturpapst von Neustadt, in Martin Stingl, ham sa zum Kultusminister von Bayern ernannt." Doch Klaußner setzte noch einen drauf: "Des ölles wörd ohna die tatkräfig Unterstützung von neun Ministerpräsidentn, unnon Jürgen W. Heike, net su fix in die Gang kumma. Des is widdo amol a Beweis, des mir Neustadto in jedo Beziehung spitze senn." Was Büchner kommentierte: "Ja mir Neustadto senn ganz bsondora Menschn, wenn mo su will: in Herrgott sei Mästostück." So wird es künftig für die Neustadter weiter bergauf gehen, glaubt man den Aussagen von Klaußner und Büchner: "Un aa technisch laam mir nümmo hinton Mond. Während die Coborcho sich heit noch streitn waacho ihrn Flugplatz, weil die Standortfrage noch net goklärt is, worn mir Neustadto dou fixo bei do Sach." So werde es einen Flugplatz geben zwischen Föritz und Ebersdorf, aus dem Blaubrunnen am Arnoldplatz werde Freibier fließen und aus dem Marktplatz werde ein riesiger Campingplatz und die Stadtteile würden mit einem U-Bahn-Netz verbunden. So drängte der heimische Slang das Hochdeutsche der Publikationen eindeutig in den Hintergrund und Hanne Büchner und Konrad Klaußner plauderten "wie do Schnoubl gowachsn is." Hanne(lore) Büchner, die sich seit vielen Jahren verdient macht um die Erhaltung und Pflege der Neustadter Mundart und um die Erschließung und Verbreitung des entsprechenden Schriftgutes, präsentierte zusammen mit Konrad Klaußner ausgewählte Texte und Geschichten. So liefen die fünf Protagonisten, inklusive dem "Duo zu Dritt" mit Robert Matthes, Rainer Hein und Günther Lorenz, sehr zur Freude von Büchereileiterin, Dipl.-Bibliothekarin Brigitte Rößler-Reuß, zur Hochform auf und widmeten sich mit "Geschichtla, Gedichtla und Liedla" ganz dem Neustadter Wortgut. Die Irrungen und Wirrungen wurden dabei von Büchner und Klaußner so eindrucksvoll, weil charmant und doch professionell, ans schmachtende Zuhörervolk gebracht, dass das Zwerchfell an diesem illustren Abend Höchstleistungen erbringen musste und Stadtbüchereileiterin, Brigitte Rößler-Reuß aufatmete: "Auch die fünfte Auflage hat gut geklappt, einer Wiederholung steht nichts im Wege."
Coburg Neustadts frechste Schnäbel
Von Peter Tischer 28.02.2016 - 00:00 Uhr