Pflegenotstand So soll die Betreuung gewährleistet werden

Immer mehr Menschen müssen von immer weniger Pflegern betreut werden. Eine neue Arbeitsgemeinschaft in Coburg will dieses Problem nun anpacken. Foto: picture alliance/dpa/Daniel Karmann

In einem Fachgespräch sucht eine neue Arbeitsgemeinschaft nach Lösungsansätzen. Im Fokus steht der bevorstehende Strukturwandel in der Betreuung.

Die Pflege und Betreuung älterer Mitmenschen stellt die Wohlfahrtsverbände vor große Herausforderungen. In Zukunft müssen sich immer weniger Pfleger um immer mehr Menschen kümmern. Nach Angaben der Online-Plattform Statista hat sich die Zahl hilfsbedürftiger Menschen in Deutschland innerhalb der vergangenen 20 Jahre mehr als verdoppelt und beläuft sich aktuell auf 4,1 Millionen. Der demografische Wandel wird die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen nachhaltig verändern.

Um gemeinsam neue Lösungsansätze und Wege zu finden, haben die Wohlfahrtsverbände der Stadt und des Landkreises Coburg – Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Arbeiterwohlfahrt (AWO), Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) und Caritas – die Arbeitsgemeinschaft Pflege gegründet, in der organisationsübergreifend aktuelle Themen im Arbeitsumfeld Pflege erörtert werden. Kürzlich veranstaltete die Gruppe beim BRK-Kreisverband das erste Fachgespräch, an dem neben den Wohlfahrtsverbänden auch Vertreter aus der Kommunalpolitik teilnahmen. „Wir sehen die Veranstaltung als Chance für einen Austausch mit den Verbänden, um alle Verantwortlichen gemeinsam an einen Tisch zu bekommen und über die Missstände und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren“, erklärte Norbert Hartz, Geschäftsführer des Caritasverbandes Coburg. „Wir müssen uns aktuell gleich mit mehreren Herausforderungen beschäftigen wie beispielsweise dem Fachkräftemangel, der alternden Gesellschaft und der Versorgung im ländlichen Raum.“ Aus Sicht des 3. Bürgermeisters Can Aydin sind solche Gesprächsrunden enorm wichtig: „Nur so können wir direkt von den Verantwortlichen erfahren, wo der Schuh drückt, und was man dagegen unternehmen kann.“

Branche hat schlechtes Image

Besonders das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in der Fürsorge wird sich zunehmend verlagern. Die Nachfrage wird, nach heutigen Maßstäben, von den zur Verfügung stehenden Angeboten bei weitem nicht abgedeckt werden können. „Die Herausforderungen in der Pflege und Betreuung ist ein Thema, das nicht nur uns vor Ort betrifft“, betonte Landrat Sebastian Straubel. „In ganz Deutschland wird nach möglichen Lösungsansätzen gesucht. Auch wir wollen uns diesem Thema widmen.“ Dabei erinnerte Straubel an das Kosovoprojekt, mit dem junge Menschen für eine Ausbildung im Pflegebereich in die Vestestadt vermittelt werden sollen.

Ein Problem ist auch das Image der Branche. „Wir müssen endlich damit aufhören, die Pflegeberufe schlecht zu reden“, mahnte Susanne Esslinger von der Hochschule Coburg, die das Fachgespräch moderierte. Zu ihrem Spezialgebiet zählt die Gesundheitsförderung und Prävention vor dem Hintergrund demografischer Herausforderungen. Die Branche habe ein negatives Image, was sich mit einer schlechten Bezahlung und unbeliebten Arbeitszeiten begründen lasse.

Auch Hartz erinnerte an drohende Folgen: „Wir sind nicht vor der Krise, sondern bereits mittendrin. Ergänzend zu den geschilderten Aspekten muss jedoch auch deutlich darauf hingewiesen werden, dass sich auch die verschiedenen Arbeitsfelder verändern müssen, um eine bedarfsgerechte Versorgung in Zukunft zu sichern.“ So sei es dringend notwendig, Personal länger im Beruf zu halten. „Durchschnittlich verbleibt eine Pflegekraft neun Jahre in ihrem Job. Generell scheinen die Probleme noch nicht im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen zu sein“, sagte der Caritas-Geschäftsführer.

Insgesamt gute Basis vorhanden

Trotzdem zeigte er sich mit der Lage in der Region durchaus zufrieden. „Die Problematik wird uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen. Dennoch sind wir in unseren Maßnahmen drei Schritte weiter als andere Regionen.“ Die Wohlfahrtsverbände übernähmen Verantwortung für die Ausbildung in Pflegeberufen. Die Fachkräfte würden zunehmend ungelerntes Personal anleiten und begleiten. „So sollen sich die Pflegeeinrichtungen zunehmend für ungelernte Mitarbeiter öffnen. Hier gilt es, sinnvolle Schulungsmaßnahmen zu entwickeln, den Pflegealltag neu zu strukturieren“, so Hartz. „Wir verfügen über eine gute Basis, aber diese muss nun durch weitere Maßnahmen gestärkt werden.“

Das Fachgespräch solle dazu genutzt werden, um die Versorgungssituation zu verbessern. Auch wenn es keine allgemeingültigen Lösungen dafür gebe, wie der Notstand bewältigt werden könne, sei es ein wichtiger Schritt, um eine würdevolle Versorgung der Senioren zu gewährleisten.

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