Coburg Punkt für Punkt

Die Unterführung des Coburger Bahnhofs ist fast fertig. Nun leuchten darin Glastafeln, die bekannte Motive der Vestestadt zeigen. Architektin Marion Knonsalla hat sie erdacht und erklärt ihre Idee.

Coburg - Während die Deutsche Bahn (DB) nicht mit Pünktlichkeit punktet, hat sie zumindest die Unterführung des Coburger Bahnhofs punkten lassen. Die Stadt Coburg zeigt dort nun auch, was sie hat, und hat dem Durchgang zwischen Bahnhofsvorplatz und Adamistraße durch beleuchtete Tafeln das, wenn man möchte, Pünktchen auf das i gesetzt. Doch Schritt für Schritt.

Punkte, sagt Innenarchitektin Marion Knonsalla, finden sich im gesamten Bahnhof. In der Eingangshalle etwa zeigen Motive, in einem Punktraster dargestellt, den Bahnhof in vergangenen Tagen, vom regen Treiben an den Bahngleisen 1899, über einen zugeparkten Bahnhofsvorplatz 1950 bis hin zum nächtlich erleuchteten Areal im Jahr 2020.

Die Punktgrafiken habe man nun für die Motive der beleuchteten Glastafeln in der Unterführung aufgegriffen, sagt Knonsalla, die das neue Design der Unterführung im Auftrag der Stadt Coburg entworfen hat. Demnach habe man sich für gut zu erkennende „klassische Motive“ entschieden, da diese als Punktgrafiken etwas verfremdet dargestellt seien. Zu sehen sind auf der seit Kurzem neu verkleideten rechten Wand des hinteren Teils der Unterführung Richtung Adamistraße die Veste Coburg, das Reiterdenkmal Herzog Ernst II. , der Schlossplatz samt Arkaden, Palais Edinburgh und Landestheater sowie die Statue Prinz Alberts auf dem Marktplatz mit dem Rathaus im Hintergrund. „Wir möchten die Verbundenheit mit der Stadt Coburg zeigen“, sagt sie.

Voraussichtlich Mitte Februar

Die Punktgrafiken seien für sie ein Debüt gewesen, sagt Innenarchitektin Knonsalla, die für das Coburger Designforum Oberfranken als Designerin tätig ist und erstmals mit dieser Technik gearbeitet hat. Sie habe nach einem Stilmittel für die bildliche Darstellung der Motive gesucht, sagt sie, und sich letztlich für das nun verwendete grafische Konzept entschieden.

Mehr als zwei Jahre sind laut Knonsalla vergangen, bis die Idee schließlich als gelaserte Glasscheiben in der Unterführung aufgehängt worden ist. Im November 2019 habe sie das Design erstmals den Mitgliedern des Bausenats vorgestellt, sagt sie. Seit Mitte 2019 habe sie demnach an den Tafeln geplant.

Jeweils an der Unter- und der Oberkante der Tafeln sei ein Band aus LED-Leuchten angebracht, sagt Knonsalla. Das bewirke, dass das gelaserte Glas blau-weiß leuchte.

Voraussichtlich Mitte Februar soll die Unterführung offiziell eingeweiht werden, teilt Louay Yassin, Pressesprecher der Stadt mit. Die Arbeiten befänden sich demnach im Zeitrahmen. Wegen Lieferschwierigkeiten einiger Handwerker hätten sich Endarbeiten verschoben.

Wandfliesen abgetragen

Die linke Seite Richtung Adamistraße des hinteren Teils Unterführung soll laut Yassin mit einem Hinweis auf eine Internetseite mit aktuellen Informationen über Coburg gestaltet werden. Dort sind bereits Glasscheiben angebracht.

Während die Punktgrafiken nun den Teil der Unterführung am Ausgang Adamistraße erhellen, zieren den Bereich der Treppen zu den Bahngleisen stattdessen graue Punkte. Denn bis unter die Gleise ist der Durchgang in Besitz der Bahn, der Abschnitt unterhalb der Bundesstraße 4 hingegen gehört der Stadt Coburg.

Grund sei, dass im Bereich der Bahn „der bauliche Zustand der Wand eine Gestaltung mit beleuchteten Boards nicht zugelassen“ habe, teilt eine Sprecherin der Bahn mit. Bereits im August 2020 haben demnach Arbeiter begonnen die Wandfliesen der Unterführung abzutragen. Sie sind an ausgewählten Stellen der Wände wieder zwischen den Punkten zu sehen. Vergangenes Jahr sei eine neue Beleuchtung in der Unterführung sowie die Punktegrafiken an deren Wänden angebracht worden, schreibt sie.

Die neue Beleuchtung, Lichtbänder an beiden Seiten unterhalb der Decke, scheint bereits. Bis auf wenige Restarbeiten ist die Unterführung augenscheinlich fertig. Und kleine Ausstellungskästchen leuchten ebenfalls. Ein rundes Glasfenster lässt hineinblicken. Noch sind sie leer, lediglich der Schaffner einer Modelleisenbahn winkt, wenn auch auf dem Rücken liegend, aus einem heraus.

Vorbild für Tausende

Bis Juni noch lässt sich die neugestaltete Unterführung Tag und Nacht betrachten. So lange bleibt sie testweise laut Yassin durchgehend offen. Anschließend werde der seit Oktober laufende Versuch ausgewertet, schreibt er. Zuvor war der Durchgang nachts für einige Stunden verschlossen worden.

Laut Knonsalla werden bald auch Schriftzüge am Eingang Adamistraße angebracht werden. Sie werden demnach aus witterungsbeständigem Cortenstahl gefertigt sein und sollen den Weg Richtung Hochschule, Medauschule und Innenstadt zeigen. Die Stahllettern seien dann auch beleuchtet, sagt Knonsalla. Noch warte man demnach auf „besseres Wetter“, um sie an dem Mauerwerk anzubringen.

Dann soll es fertig sein, das Areal in Coburg, das die Bahn Zukunftsbahnhof getauft hat, und das Vorbild für mehr als 5000 Bahnhöfe in Deutschland sein soll. Dazu wurden unter anderem die Wartehalle, Gleisbereiche und Sitzmöglichkeiten neugedacht und -gestaltet. Der Bahnhof soll laut Bahn den rund 5000 Schülern, Stundenten und Pendlern, die dort täglich in Züge ein- und aussteigen, das Leben erleichtern und den Aufenthalt angenehmer gestalten.

Die nun angebrachten Tafeln könnten dazu beitragen und sehen laut Innenarchitektin Knonsalla fast genau so aus wie die Entwürfe, Punkt für Punkt. „Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt sie.

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