Coburg Radfahrer fordern Gleichberechtigung

Fridays for Future und Critical Mass rufen zu einer Protestfahrt durch Coburg auf. 60 Teilnehmer radeln mit.

Coburg - Fridays for Future und Critical Mass Coburg fordern Gleichberechtigung für Fahrradfahrer und Fußgänger im Straßenverkehr. Sie treten ein für eine Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, die Kraftfahrzeugen insbesondere in Städten nicht länger den Vorrang gibt, sondern mehr Raum für Fahrradfahrer und Fußgänger schafft.

Fridays for Future und Critical Mass

Critical mass (‚kritische Masse‘) ist ein Trend in vielen Städten der Welt, bei der sich Radfahrerinnen und Radfahrer scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen Fahrten durch ihre Innenstädte mit ihrer bloßen Menge auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem Autoverkehr aufmerksam zu machen. Mitmachen kann jeder Fahrradfahrer.

Mehr Klimaschutz: Das wollen die Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future. Mit ihren Protesten haben sie Politik und Gesellschaft aufgerüttelt. Das zeigen nicht nur die zahlreichen Debatten, die seitdem über den Klimawandel und seine Folgen weltweit geführt werden. Auch in Deutschland ist die Bewegung sehr aktiv. Das bekannteste Gesicht hierzulande ist Luisa Neubauer.

Quellen: criticalmass.de / zdf.de

Am späten Freitagnachmittag starten rund 60 Radler am Albertsplatz zu einer Tour quer durch Coburg, um auf ihre Forderungen und Ziele aufmerksam zu machen. Die Fahrt führt zum Brose-Kreisel in der Südstadt, dann mitten durch Coburg zum Dammweg im Norden und schließlich durch die Fußgängerzone zum Marktplatz.

Ralf Wietasch, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Coburg, macht die Verantwortlichen von Fridays for Future, Helena Lakemann, und Critical Mass, Johannes Wagner, mit den Regeln vertraut, die für den Fahrradkorso gelten. Mit dabei sind die Stadträtinnen Ina Sinterhauf (Grüne) und Petra Schneider (SPD) sowie die Stadträte Michael Dorant und Wolfgang Weiß (beide Grüne), allesamt überzeugte Fahrradfahrer. Ein Polizeiauto führt den Korso an, zwei Einsatzfahrzeuge fahren hinterher. Auf die Begleitung eines Rettungswagen verzichten die Organisatoren, die eine Demonstration mit bis zu 150 Teilnehmern angemeldet haben, obwohl das bei der Hitze in der Stadt - knapp 30 Grad im Schatten - und der durchaus anspruchsvollen, knapp zehn Kilometer langen Strecke vielleicht geboten wäre. Die Polizei ist sie vorher mit dem Auto abgefahren. 30 Minuten habe das gedauert, berichtet Ralf Wietasch.

Aber ganz ohne medizinische Begleitung, die am Ende nicht benötigt wird, ist der Fahrradkorso nicht unterwegs. Johannes Wagner von Critical Mass Coburg ist Kinderarzt und stünde für den Notfall bereit, wie er den Polizeibeamten sagt.

Um 19 Uhr rollen die Radler am Marktplatz ein. In einer kurzen Kundgebung erläutern sie ihre Forderungen für Coburg. Dazu gehört, dass der Fahrradverkehr in der Vestestadt im Jahr 2025 einen Anteil von 25 Prozent haben soll. Dafür müsse ein Radwegekonzept umgesetzt werden.

"Fahrradfahrer und Fußgänger müssen mehr Platz bekommen", sagt Johannes Wagner beim Start am Albertsplatz. Später, am Marktplatz, wird er betonen, dass Radler und Fußgänger von der Politik derzeit noch gegenüber dem Auto vernachlässigt würden: "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger im Straßenverkehr gleichberechtigt sind." Dazu treffe man sich jeden letzten Freitag im Monat um 18 Uhr am Albertsplatz.

Helena Lakemann von Fridays for Future hat beim Start am Albertsplatz darauf hingewiesen, dass es ihrer Organisation zudem um den Klimaschutz geht. Dafür steht das Schild, das im Korso mitgeführt wird: "Das Fahrrad ist CO2-frei, gesund und leise, das Auto eine CO2-Schleuder, Luftverschmutzer und laut".

Die Innenstadt, so Lakemann weiter, müsse für den Radverkehr attraktiver und für Autos unattraktiver werden. Fußgänger und Radler benötigten mehr Sicherheit auf den Straßen der Stadt. "Wir müssen den Radverkehr nach vorne bringen und den Autoverkehr zurückdrängen", so die Sprecherin von Fridays for Future Coburg. Für die Mitarbeit hin zu diesem Ziel wolle man Bürger und Politiker gewinnen, beispielsweise mit der Aktion vom Freitag.

Auf der Tour durch die Stadt treffen die Radler auf Verständnis, aber auch auf Kritik. Ein Autofahrer ruft ihnen zu "das ist in Ordnung". Ein anderer meint, "die bekommen noch andere Probleme". In der Fußgängerzone applaudiert ein älteres Paar, während zwei Männer "Dieselpower, Dieselpower" skandieren. Zu ernsthaften Zwischenfällen kommt es aber nicht.

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