Coburg Rettung für "Itzufer" startet in China

Kurz vor den Designtagen steht das "Itzufer" vor dem Aus. Es fehlt Geld für ein Gutachten. Dank eines Sponsors geht die Sache gut aus. Nun soll die Holzplattform längerfristig als Veranstaltungsort dienen.

Coburg - Alles habe mit einer E-Mail aus China begonnen. So erzählt es Professor Auwi Stübbe, Vorsitzender des Coburger Designforums Oberfranken (CDO), als er am Donnerstag Studenten und Vertreter von Stadt und Medien am "Itzufer" auf dem Güterbahnhofgelände begrüßt. So heißt die Holzplattform an der Itz, die der Verein "Wir gestalten" 2016 für die Designtage errichtete. Heuer hätte sie fast nicht genutzt werden können. Für die Rettung in letzter Minute hat sich nun das CDO, als Ausrichter der Designtage, bedankt.

Vereinsporträt

"Wir gestalten" ist ein Verein von Studenten der Studiengänge Produktdesign, Innenarchitektur und Architektur der Hochschule Coburg. Die Gemeinschaft will Mitstudenten und die Kultur Coburgs kreativ bereichern und prägen. Dazu dienen Workshops, Vorträge und Ausstellungen im Vereinsheim in der Heiligkreuzstraße. Seit den Designtagen in diesem und im vergangenen Jahr nutzt der Verein die Holzplattform am Itzufer und eine nahe Scheune auf dem Güterbahnhofgelände.

Quelle: www.wir-gestalten.com

Schon am Vormittag entfaltet der Ort seinen Charme. Von der Holzplattform, die von Bäumen und Sträuchern idyllisch eingerahmt ist, hört man die Itz behäbig dahinplätschern. An einem lauen Sommerabend, mit einem kühlen Getränk, kommt das Kleinod am Flussufer voll zur Geltung.

Auch bei den diesjährigen Designtagen besuchten zahlreiche Gäste den für Coburg einmaligen Ort. Doch bis kurz vor der Eröffnung stand der Anziehungspunkt vor dem Aus. Es fehlte das Geld für ein wichtiges Gutachten. Bei seiner Premiere 2016 konnte die sechs mal vier Meter große Holzkonstruktion nur auf Grund einer Ausnahmegenehmigung errichtet werden. Ein bisher anonymer Sponsor hatte die 1500 Euro für das vom Wasserwirtschaftsamt Kronach geforderte hydraulische Gutachten zur Hochwassersicherheit bezahlt. Die Plattform könne nun dauerhaft betrieben werden, sagt Michael Böhm, Koordinator Stadtmarketing Coburg.

Auslöser für die Rettung war ein Artikel in der Neuen Presse . "Ich habe über das drohende Aus der Holzplattform während einer Chinareise im Internet gelesen", sagt Gerhard Lepper, Vorsitzender des Hochschulvereins Coburg. Daraufhin habe man sich bereit erklärt, das Gutachten zu bezahlen. Schließlich sei es die Aufgabe des Vereins, die Hochschule und ihre Studenten zu unterstützen, so Lepper.

Mit dem Ingenieurbüro von Peter Würl aus Weitramsdorf hat sich kurzfristig ein Expertenteam für Hochwasserprojekte gefunden und das notwendige hydraulische Gutachten erstellt. Was es mit diesem Nachweis auf sich hat, erklärt Ingenieur Würl: Die Itz sei durch die Rückhaltebecken Goldbergsee und Froschgrundsee gut gegen Hochwasser geschützt. Doch auch im Falle eines sogenannten HQ100 - Jahrhundert-Hochwasser - müsse gewährleistet sein, dass die Holzplattform nicht von der Itz mitgerissen werde. Sie könne beispielsweise an einer Brücke hängen bleiben, das Wasser aufstauen und damit zur Gefahr werden, skizziert Würl ein mögliches Negativszenario an der Itz.

Sein Büro habe am Computer ein Modell erstellt. Grundlage für dieses seien unter anderem behördliche Laserscandaten und Berechnungen gewesen. Am Computer habe man verschiedene Szenarien simuliert. Bezüglich der Fixierung der Plattform im Untergrund habe man auch einen Statiker hinzugezogen. Der habe eine Belastung der Konstruktion von bis zu 200 Kilogramm pro Quadratmeter bescheinigt. "Die Holzplattform wird bei einem HQ100 nur bis zu 15 Zentimeter überspült, aber nicht weggerissen", fasst der Fachmann das Gutachten zusammen. Er empfiehlt alle zwei Jahre eine Kontrolle, da Holz mit Kontakt zum Erdreich irgendwann verfaule.

Für Professor Auwi Stübbe geht mit dem Gutachten ein Stück Beständigkeit einher: "Fakt ist, dass sich die Studenten hier nun legal entfalten können." Nach einer Präsentation in der Scheune könne man abends auf der Holzplattform beisammensitzen und störe niemanden, malt sich Stübbe die Zukunft aus.

Auch Michael Lechner vom Verein "Wir gestalten" ist glücklich über die Sicherung des Itzufers und der nahen Scheune als Entfaltungs- und Veranstaltungsort. "In diesem Sommer soll richtig was passieren", sagt er und zählt auf: Der Verein wolle regelmäßig Workshops und Vorträge in den Themenfeldern Design, Handwerk oder Urban Gardening - gärtnerische Nutzung städtischer Flächen - anbieten. Die Holzplattform am Ufer soll dabei nicht nur als Ort für geselliges Beisammensein, sondern auch als Spielstätte für Freiluft-Kino dienen. Einen klassischen Barbetrieb werde es definitiv nicht geben. Eine gewisse Regelmäßigkeit wolle man durch feste wöchentliche Veranstaltung erreichen. Und bei diesen gebe es dann auch Getränke, erklärt Lechner. Er hofft auf eine möglichst lange und gemeinsame Nutzung von Scheune und "Itzufer".

Überzeugt vom Potenzial dieses Kleinods ist auch Stadtmarketing-Koordinator Böhm. Vor allem mit der alten Scheune - sie gehört der Stadt - habe der Verein ein weiteres Standbein bekommen. Den Begriff dauerhaft, im Bezug auf die Nutzung, interpretiert Böhm eher flexibel. Schließlich sei das Güterbahnhofgelände städtisches Entwicklungsgebiet und irgendwann könnten die Bagger anrollen, so Böhm.