Coburg Sieg in Wetzlar: Warum nicht?

Sieg in Wetzlar: Warum nicht? Quelle: Unbekannt

Für HSC-Trainer Alois Mráz ist das Bundesliga-Duell in Hessen ein Auswärtsspiel in der Heimat. Er glaubt trotz personeller Probleme an einen Erfolg der Coburger Handballer.

Coburg - Der HSC 2000 Coburg ziert nach sechs Spieltagen mit null Punkten das Tabellenende der 1. Handball-Bundesliga. Am Donnerstag unternimmt der Aufsteiger den nächsten Versuch, die ersten Punkte der Saison einzufahren. Das Team von Trainer Alois Mráz gastiert um 19 Uhr (live bei Sky) bei einem der Liga-Dinos, der HSG Wetzlar. Sie spielt seit 22 Jahren ununterbrochen im deutschen Oberhaus. Aktuell steht die Mannschaft von Coach Kai Wandschneider mit 6:6 Punkten im Mittelfeld des Klassements.

Für den Coburger Chefanweiser ist das Duell ein besonderes. Mráz lief als Aktiver von 2007 bis 2013 in der Bundesliga für Wetzlar auf. Zeitgleich sammelte er dort im Frauenbereich erste Erfahrungen als Trainer. Außerdem wohnt seine Familie in Wetzlar, zu der er - wann immer es geht - pendelt. "Für mich steht quasi ein Auswärtsspiel in der Heimat an", sagt der HSC-Trainer, der nicht zuletzt deshalb bestens über den Gegner informiert ist.

Die Reise ins Dreieck Gießen-Hüttenberg-Wetzlar bedeutet auch für Geschäftsführer Jan Gorr und Rechtsaußen Florian Billek eine Rückkehr zu den Wurzeln. Gorr ist in Gießen geboren, arbeitete erfolgreich als Trainer bei der HSG Wetzlar und dem TV Hüttenberg. Billek kam im nur wenige Kilometer entfernten Heuchelheim zur Welt. Der Coburger Wirbelwind erhielt in der Jugend des TVH das erste Rüstzeug auf seinem Weg zum Profi-Handballer, ebenso wie Konstantin Poltrum, der von 2009 bis 2015 im Hüttenberger Tor stand.

Dass die sechs Niederlagen in Folge am Selbstbewusstsein seiner Handballer nagen, glaubt Mráz nicht. "An der positiven Grundstimmung in der Mannschaft hat sich nichts geändert. Klar wäre es für alle besser gewesen, wenn wir gegen Magdeburg gewonnen hätten", meint der 42-Jährige. Gegen den SC hatte es zuletzt trotz einer deutlichen Leistungssteigerung am Ende eine bittere und unterm Strich vermeidbare 26:28-Niederlage gegeben. "Wir müssen nach vorne schauen und Schritt für Schritt gehen, dann schaffen wir das", sagt Alois Mráz.

Es seien Kleinigkeiten, die bislang durchaus mögliche Erfolge verhindert haben. "Wir müssen die technischen Fehler verringern und die sich bietenden Chancen besser verwerten. Es fehlt uns noch ein wenig die Abgezocktheit", meint der HSC-Cheftrainer. "Ich habe bisher viele gute Sachen gesehen bei meiner Mannschaft. Ziel ist es, noch stabiler zu spielen. Jeder Einzelne muss zeigen, was er kann."

Ob ausgerechnet in Wetzlar der Knoten platzt beim HSC 2000? "Warum nicht", sagt Mráz mit unerschütterlichem Optimismus. Ihm ist nicht bange vor den Mittelhessen, auch wenn er weiß, dass eine Herkuslesaufgabe auf seine Jungs zukommt. "Wetzlar verfügt über ein kompaktes Team. Das ist eine abgezockte Mannschaft, die von Kai Wandschneider immer sehr gut eingestellt wird", verdeutlicht er. Besonders zu beachten in einem sehr homogenen Team seien Regisseur Filip Mirkulovski und Stefan Cavor im Rückraum. "Die HSG stellt eine gute Abwehr und kontert blitzschnell über die erste Welle. Sie macht richtig Druck im Rückraum, spielt geduldig und mit viel Bewegung im Angriff. Das wird eine große Aufgabe für uns", prognostiziert Mráz.

Den Trainer des HSC 2000 plagen jedoch enorme personelle Sorgen, die die Hoffnung auf eine Überraschung in Wetzlar eher schwinden lassen. Der Einsatz von Kapitän Andreas Schröder ist wegen einer Wadenzerrung fraglich. Drasko Nenadic ist im Training umgeknickt und wird wohl ausfallen. Florian Billek laboriert nach einem Zusammenprall an einer Knieprellung. Bei allen wie auch bei den wegen muskulärer Probleme zuletzt fehlenden Jan Kulhanek und Christoph Neuhold entscheidet sich erst vor dem Spiel, ob es geht oder nicht. "Sollten Schröder und Nenadic ausfallen, müssen wir die Aufgaben auf alle verteilen", sagt Alois Mráz. "Jedes Spiel beginnt bei Null zu Null. Wir müssen immer an die zwei Punkte glauben. Die Jungs haben gut trainiert und wir werden kämpferisch nach Wetzlar fahren."

Nachdem coronabedingt keine Zuschauer zugelassen sind, fordert Wetzlars Trainer Kai Wandschneider, dass seine Mannschaft ihr eigenes Feuer entfacht und einen Sieg landet. Ob der HSG-Coach auf seinen gesamten Kader bauen kann, ist offen. Cavor ist angeschlagen und Auswahltorwart Till Klimpke befindet sich nach positiven Coronafällen im Nationalteam in freiwilliger Quarantäne. Er wurde wie das gesamte Wetzlarer Team am Dienstag jedoch negativ getestet.

HSC 2000: Jan Kulhanek/Konstantin Poltrum/Fabian Apfel - Pouya Norouzi Nezhad, Felix Sproß, Drasko Nenadic (?), Florian Billek (?), Pontus Zetterman, Tobias Varvne, Paul Schikora, Justin Kurch, Stepan Zeman, Andreas Schröder (?), Christoph Neuhold (?). - Es fehlen: Knauer (Schulter-OP), Preller (Leistenverletzung), Mustafic (Handbruch).

 

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