Coburg Varianten des Scheiterns

Winfried Klose Quelle: Unbekannt

Winfried Kloses neues Buch vereint Kurzgeschichten, die den Leser fordern. Mit hohem literarischen Anspruch schildert er "13 Augenblicke des Bodenlosen".

Coburg - "Blicke auf ein falsches Leben" verspricht der Autor. Und das gleich 13 Mal. Will man das wirklich wagen? Sich einlassen auf scheiternde Figuren, auf widersprüchliche Episoden? "Ohne Fluchtpunkt 2. In der Tauschgesellschaft" nennt Winfried Klose sein neuestes Buch, in dem er "13 Augenblicke des Bodenlosen" zusammenfasst.

Der Autor

Winfried Klose wurde 1939 in

Oppeln, heute Polen, geboren. Bis 1945 lebte er in Neiße, die Jugendzeit verbrachte er in Coburg und Bamberg. Nach dem Abitur in

Coburg studierte er Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaften in Göttingen und Erlangen. Von 1967 bis 1997 war Klose als Gymnasiallehrer in Franken

tätig. 2004 erschien sein Roman "Ohne Fluchtpunkt - eine Jugend in den fünfziger Jahren" (Aarachne Verlag Frankfurt/Wien), 2009 Roman "Die angelehnte Tür. Altern zwischen Umtriebigkeit und Resignation" (Sardes Verlag Erlangen).

Winfried Klose: "Ohne Fluchtpunkt 2.

In der Tauschgesellschaft"

Paperback, 188 Seiten, 12 Euro

Tredition Verlag

ISBN: 978-3-347-06487-4

Auch als E-Book erhältlich.


Der 80-jährige Autor, der in Coburg aufwuchs und sein Abitur am Gymnasium Casimirianum ablegte, lebt als pensionierter Lehrer in Möhrendorf. Nach zwei Romanen - der erste thematisierte Kloses Jugend in den 1950er-Jahren, der andere das Altern - legt der Autor nun eine Sammlung von Kurzgeschichten vor, die er selbst als "zwischen Erzählung und Wissenschaft angesiedelt" beschreibt.

Schlaglichtartig beleuchtet Klose kurze Lebenssequenzen seiner Protagonisten, die meist dem Bildungsbürgertum zuzuordnen sind. In Spanien, in Frankreich, in Italien, in Griechenland, in China, in Marokko und auch in Deutschland siedelt er die Texte an, lässt - sicher aus eigener Erinnerung gespeist - Lokalkolorit einfließen. Klose bedient sich einer oft spröden und lakonischen Sprache, Emotionen sind seine Sache nicht. Wie durch ein Brennglas betrachtet er das Personal seiner Texte: männlich, weiblich, jünger, älter - alle scheitern, manche am Leben, andere "nur" an bestimmten Situationen.

Von verstörendem Inhalt ist schon die erste Geschichte, die einen Vater-Sohn-Konflikt zum Thema hat und mit dem Unfalltod des jungen, besessenen Motorradfahrers endet. Nicht besser ergeht es in einer weiteren Episode der polnischen Studentin Lucia, die in Italien ihr Leben verliert. Eine schicksalhafte Freund/Feindschaft verbindet in "Verlorene Wünsche" die beiden Musiker Mark und Thomas, und "Ohne Fluchtpunkt" ist das ältere Touristenpaar in Griechenland dem Treiben einer Gruppe egoistisch-hedonistischer junger Leute ausgeliefert.

Es geht Winfried Klose in seiner aktuellen Publikation um Scheitern und Schicksal und die immer wieder gestellte Frage nach dem (Un)Ausweichlichen. Mit hohem literarischen, sprachlichen und intellektuellem Anspruch geht der Autor zu Werk, er macht es seinen Lesern nicht bequem und einfach. Er fordert sie, und nimmt durchaus das Risiko des Über-Forderns in Kauf. Keine leichte Kost also, die Winfried Klose hier vorlegt. Aber wer sagt, dass Lesen immer einfach sein muss?