Was sich in den vergangenen Wochen in Coburg abgespielt hat, hielt man, bis es so weit war, nicht für möglich. Von außen betrachtet, könnte man das Ganze als Provinzposse abtun, hätte der Vorgang nicht eine sehr ernstzunehmende Dimension. Denn mit einer bislang kaum gekannten Verbissenheit wurde die Geschichte des Dritten Reiches instrumentalisiert. Um zu verhindern, dass eine Straße der Stadt Coburg nach einer ihrer prägenden Unternehmerpersönlichkeiten benannt wird, sollte so unter anderem der Historiker in Misskredit gebracht werden, der seinerzeit die Geschichte des Unternehmens Brose erforscht und aufgeschrieben hat. Tatsächlich muss das Ergebnis - mein 2008 erschienenes, unter anderem ins Englische, Chinesische und Spanische übersetztes Buch "Brose. Ein deutsches Familienunternehmen 1908-2008" - bis heute in keinem einzigen Punkt korrigiert oder gar revidiert werden.
Coburg "Vertuschen, verdrehen, verschweigen"
Von Professor Dr. Gregor Schöllgen* 27.05.2015 - 00:00 Uhr