Coburg Von Merlach aus die Welt erobert

Die Unternehmen der Familie Mey sind von einer Scheune aus in internationale Märkte vorgestoßen. Heute sind sie ein "hidden Champion" für Stühle, würdigt die IHK Coburg.

Merlach/Rödental - Siegmar Schnabel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg, war fasziniert und begeistert zugleich: Die Geschichte der Unternehmen Joachim Mey KG und Mey Chair Systems GmbH aus dem kleinen Dorf Merlach bei Seßlach im Landkreis Coburg, die Geschäftsführender Gesellschafter Dieter Mey am Samstagabend im Casino Stöwer in Rödental erzählte, ist außergewöhnlich und einmalig in der Region. Vor 45 Jahren gründete Joachim Mey eine Lohnschweißerei, die aus zwei Mitarbeiterin bestand: ihm und seiner Frau Helga. Sie arbeiteten hauptsächlich für die Firma Jörg & Sohn in Schorkendorf, die dentalmedizinische Arbeitsmöbel herstellte. Das Schweißtalent von Helga Mey war unübertroffen, die Qualität, die die kleine Firma lieferte, exzellent.

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Sprung nach China

Auf diesem Fundament entstand 1985 die Joachim Mey KG, in die die Brüder Bernhard und Dieter Mey einstiegen. Jetzt wurden Teile für in der DDR produzierte Fahrzeuge entwickelt und hergestellt. Als 1989 der "Eiserne Vorhang" fiel, musste sich die Mey KG neu orientieren. Und das tat sie in China. Sie gründete nach dem Wolfsburger Volkswagen-Konzern das zweite deutsch-chinesische Joint Venture, und zwar zur Herstellung von Drehstühlen. Partner war damals ein chinesisches Staatsunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern. Im Jahr 2000 wurde die Mey Chair Systems GmbH aus der Taufe gehoben. Die Jubiläen beider Unternehmen - 25 Jahre Joachim Mey KG und zehn Jahre Mey Chair Systems GmbH - wurde am Wochenende in Rödental begangen.

Bei der Feierstunde stellte Dieter Mey den beeindruckenden Wandel von einer Dorfschmiede zu einem modernen, konkurrenzfähigen, international aufgestellten, innovativen Unternehmen mit qualifizierten Mitarbeitern, kurzen Entscheidungswegen und hocheffizienten Abläufen dar, das heute an der Entwicklung der Normen für Drehstühle mitwirkt. Das neueste Erfolgsprodukt aus Merlach sind Stühle für Musiker, die in Kürze auf einer Messe im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien präsentiert werden.

Dieter Mey bedankte sich bei seinen Eltern, die den Grundstein für den "Global Player Mey" gelegt haben, bei seinem Bruder Bernhard, der ihm zudem eine Niere und damit auch ein neues Leben spendete, bei den Mitarbeitern sowie bei der Raiffeisen-Volksbank Ebern. Sie sei im Gegensatz zu anderen Geldhäusern bereit gewesen, das enorme Risiko des von Merlach aus gestarteten China-Geschäfts einzugehen.

Auch die Nachfolge in der Mey Chair Systems GmbH und der Joachim Mey KG ist gesichert. Dieter Mey überreichte seinen Kindern Susanne, Benedikt und Tobias die Urkunden, mit denen ihnen Prokura erteilt wurde. Dieter Mey: "Unsere Unternehmen stehen auf sicheren Füßen, und das wollen wir für die Zukunft bewahren."

Schließlich spendete die Mey Chair Systems im Rahmen ihres Jubiläums der Stiftung für krebskranke Kinder Coburg 1000 Euro. Den Scheck nahmen Petra und Hartmut Bohl für die Stiftung entgegen.

Seßlachs Bürgermeister Hendrik Dressel, der auch Landrat Michael Busch vertrat, würdigte die Familie Mey als erfolgreiche Unternehmer, die aus einer Scheune im Stadtteil Merlach heraus den Aufbruch in das internationale Geschäft gewagt und erfolgreich gemeistert hätten. Das Unternehmen sei wertvoll für Seßlach, weil es hochwertige Arbeitsplätze biete und Steuern zahle, mit denen Schulen und Kindergärten unterhalten und Straßen instand gesetzt werden. Die Geschichte der Familie Mey und der Erfolg ihrer Unternehmen stehe, so Dressel, für "die gute Zukunft unseres Landes". Mey setze dabei auch auf Bildung und hole immer wieder qualifizierte Referenten in den Betrieb, um die Mitarbeiter "auf Höhe der Zeit zu halten". Dazu engagiere sich die Familie Mey gesellschaftlich, wie die Spende an die Stiftung für krebskranke Kinder Coburg zeige.

"Am Puls der Zeit"

IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel bescheinigte den Unternehmen Mey, mit ihrer Strategie und ihren Produktentwicklungen "am Puls der Zeit" zu sein. Als kleines Unternehmen aus Merlach habe Mey mit dem chinesischen Joint Venture als einer der ersten Betriebe Deutschlands "absolutes Neuland" betreten. So sei es der Familie gelungen, ihre Firma zu einem "hidden Champion für Arbeitsdrehstühle" zu entwickeln, der für Produktqualität, einen Top-Service, kurze Lieferzeiten, modernste Technik und innovatives Produktdesign stehe. Eine entscheidende Grundlage des wirtschaftlichen Erfolgs seien die qualifizierten und motivierten Mitarbeiter sowie die Anstrengungen um deren Aus- und Weiterbildung, würdigte Schnabel. Dies alles, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, verdiene "allerhöchsten Respekt". wb